Ehemaliger Schach-Weltmeister Spasski wird 80

Ausgerechnet eine Niederlage machte Boris Spasski einst weltberühmt: 1972 verlor der Russe das Giganten-Duell gegen Bobby Fischer.

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Boris Spasski
Boris Spasski – (c) imago/Kohlmeyer (imago sportfotodienst)

Eine Niederlage hat Boris Spasski berühmt gemacht, und noch heute hängt ein Foto seines Bezwingers Bobby Fischer in seiner winzigen Moskauer Wohnung. Schaut er seinen Freund an, dann werden Erinnerungen wach: Sommer 1972, Reykjavik, Laugardalshöllin. Den legendären Jahrhundertkampf der Schach-Giganten gegen den Sonderling aus Chicago verlor er damals nach 2:0-Führung und kuriosem Verlauf 8,5:12,5.

Der Schach-Krimi in der Sporthalle auf der Wikinger-Insel Island füllt längst viele Bücher und wurde sogar von Hollywood verfilmt ("Pawn Sacrifice"/"Bauernopfer"). Drei Jahre zuvor hatte sich das faule Genie aus Leningrad 1969 zum zehnten Weltmeister der Schach-Geschichte gekrönt. Damals war er 32 Jahre alt, am kommenden Montag feiert Boris Wassiljewitsch Spasski seinen 80. Geburtstag.

Richtig gut geht es ihm nicht, aber er macht das Beste daraus. Nach zwei Schlaganfällen in zehn Jahren schreibt der Russe jetzt sogar an seiner Biografie. "Ich hoffe, ich schaffe es noch, sie zu beenden", meinte er im Vorfeld seines Ehrentages. "Ich befinde mich im Endspiel meines Lebens", sagte Spasski der Agentur R-Sport. Arm und Bein auf der linken Seite sind gelähmt, "doch die Birne funktioniert". Er spielt auf dem Brett sogar noch seine alten Partien nach - Computer mag Spasski nicht.

Spasski: "Kampfgeist ist mir fremd"

"Ich muss gestehen, dass mir Kampfgeist von Natur aus fremd ist", schrieb Spasski, nachdem er die WM-Krone 1969 im zweiten Anlauf - 1966 hatte er gegen Tigran Petrosjan noch 11,5:12,5 verloren - erobert hatte. Seine großen Erfolge über Jahrzehnte hinweg verdankte der am 30. Jänner 1937 geborene Russe seinem Naturtalent und Schachverständnis. Bewundert wurde vor allem sein eleganter Stil beim Spiel auf den 64 Feldern.

Durch Schach wurde Spasski damals sogar reich, denn Sponsoren zahlten den wenigen Stars immer höhere Dollar-Prämien. Das war vor allem ein Verdienst von Bobby Fischer. Lange nach dem "Kampf der Systeme" sollte der Russe zum einzigen Freund des Exzentrikers aus den USA werden. Im Jahr 2005 besuchte ihn Spasski im isländischen Exil sogar, am Schauplatz ihres historischen Matches. Fischer starb am 17. Jänner 2008 64-jährig in Reykjavik.

Spasskis größter Tag ist und bleibt der 17. Juni 1969, als er im Großmeister-Duell mit Petrosjan in Moskau seiner Favoritenrolle gerecht wurde und den Champion entthronte. Nach über zwei Monaten triumphierte Spasski mit 12,5:10,5. Sein großer Triumph hatte sich lange angekündigt, nachdem er bereits als Zehnjähriger Weltmeister Michail Botwinnik in einer Simultanpartie geschlagen hatte. Mit 18 wurde er Junioren-Weltmeister und Großmeister.

Leben in bescheidenen Verhältnissen

1976 verließ Spasski aus politischen Gründen die Sowjetunion und lebte mit seiner französischen Frau Marina bis 2012 in Paris. 1992 verlor er dann auch den politisch umstrittenen Revanchekampf in Restjugoslawien gegen Fischer klar mit 5:10. Auch das "Duell der Geschlechter" mit der Ungarin Judit Polgar in Budapest endete mit einer 4,5:5,5-Niederlage für Spasski. Nach dem zweiten Schlaganfall 2010 wurde es still um den früheren Champion. 2012 kehrte Spasski nach Moskau zurück und lebt dort in bescheidenen Verhältnissen.

(APA/dpa)

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