Super Bowl: Eine Milliarde Menschen im Bann eines Spiels

Dossier Im 51. Super Bowl trafen am Sonntag New England Patriots und Atlanta Falcons aufeinander. Für die Industrie ist es ein Milliardengeschäft, auf die Sieger warten Ruhm, Ehre und teure Ringe - wie auch zwei Österreicher wissen.
Markku Datler, Josef Ebner, Senta Wintner

Mit einer historischen Aufholjagd hat Star-Quarterback Tom Brady seine New England Patriots zum fünften Super-Bowl-Triumph geführt. Im dramatischsten Finale der NFL-Geschichte setzte sich der Favorit am Sonntag (Ortszeit) in Houston mit 34:28 (28:28, 3:21) nach Verlängerung gegen die Atlanta Falcons durch. Während die besten Footballer ihren Champion kürten, verdient die Industrie Milliarden. Mit Werbesekunden, Chicken Wings, Lite-Beer und Merchandising. Dieses Spiel legt nicht nur Amerika lahm, sondern fesselt weltweit über eine Milliarde Menschen vor dem Fernseher.

Vor 50 Jahren, als in Los Angeles der erste Super Bowl ausgetragen wurde, war von alledem noch keine Rede, damals dominierten leere Ränge und die Rivalität zwischen NFL und AFL. Inzwischen ist den Siegern Ruhm und Ehre gewiss, sie erhalten die Lombardi-Trophy und 150 NFL-Ringe (ca. 35.000 Dollar pro Stück), die so manche Türe öffnen. Davon wissen auch Österreicher zu berichten, bislang haben drei die Football-Geschichte in den USA mitgeschrieben.

Der 51. Super Bowl war größer, besser und teurer denn je, und krönte Tom Brady mit dem fünften Titel. In Houston donnerten erst echte Abfangjäger über das Stadion, dann ertönte Stars & Stripes, in der Habzeitshow sang Lady Gaga, ehe schließlich der neue Champion gekürt wurde.

 

Super Bowl LI

Eine Minute für zehn Millionen Dollar

Nur Superlative schmücken das Spektakel, Lady Gaga singt, die Patriots und Falcons spielen. Football-Experte Michael Eschlböck liebt das Event, dessen Kultur, seine Sieger und Zahlen.

Präsident Donald Trump hat bereits seinen Teil dazu beigetragen, Amerika aus dem Häuschen zu bringen, nun waren die Footballer an der Reihe. Den 51. Super Bowl zwischen Patriots und Falcons begleiteten die üblichen, stets mit Superlativen gespickten Statistiken, die die wahre Dimension des Spiels zeigen sollen. Eine Werbeminute kostet zehn Millionen Dollar, eine Milliarde Chicken Wings wird dazu in den USA verputzt, tonnenweise Chips, dazu Lite-Beer-Meere – es ist der Zahltag der US-Industrie.

„Wer gewinnt? Wenn ich das wüsste, würde ich wetten!“ Michael Eschlböck, Präsident des Footballverbandes und TV-Experte, wollte sich im Vorfeld nicht festlegen. Dieser Sport sei die allerhöchste Kunst, was Geschick, Taktik und System anbelangt. Für „Mitläufer, Kumpeltypen, Schulterklopfer, Bussigeber und Staubzuckerfreunde“ sei da kein Platz.

Das Feuerwerk der Falcons

Die Logik sagt: New England gewinnt. Befeuert durch die Härte von Coach Bill Belichick, die Würfe von Tom Brady und die Ruhe, die vier NFL-Titel so mit sich bringen. Die Emotion, der in Amerika gerade proklamierte Aufschwung der Working Class, bevorzugt aber den Klub aus Georgia, der noch nie gewinnen konnte. „Und wann, wenn nicht jetzt?“ Am Ende sollte sich die Logik durchsetzen.

Wie komplex das Spiel letztlich ist, erklärt sich mit der Tatsache, dass Ryan in dieser Saison 600 verschiedene Spielzüge gezeigt hat, pro Partie mit 100 bis 120 verschiedenen Wurfmodellen ausrückt. Dazwischen warten Offense, Defense – und die Kicker. Der Wiener lächelt da erneut.

Österreich, Land der Kicker

Geht es um American Football, gibt es in Österreich an drei Kickern halt kein Umhinkommen. Toni Fritsch triumphierte 1971 mit den Dallas Cowboys, Toni Linhart (spielte ab 1972 für New Orleans, Baltimore, NY Jets: 1976 mit 109 Punkten NFL-Topscorer) und Ray Wersching, der in Mondsee geboren und in San Francisco zur 49ers-Legende wurde mit zwei Siegen (1982, 1984). „Aktuell“, sagt der Präsident, „gibt es keinen Österreicher in der NFL.“ Er fügt „noch keinen“ prompt hinzu. Christian Fuchs hätte tatsächlich „beste Kontakte und Anlagen“, um nach der Fußballkarriere in Leicester wie angekündigt in die NFL zu wechseln. Seine Familie lebt in New York, ob es die Jets oder Giants würden, sei Geschmackssache.

US-Football ist ein Spiel mit Zahlen: 300 Millionen Menschen in Amerika lieben es, 30.000 spielen es auf dem College ganz passabel, 3000 in der höchsten NCAA-Liga „wirklich super“, doch nur 300 schaffen es in die Profiliga. Die klassische NFL-Karriere läuft drei Jahre, Eschlböck nennt drei Österreicher, die ihren Weg im College versuchen: Thomas Schaffer (Defense, Stanford), Bernhard Reimann (Tight End, Central Michigan) und Max Hradecny (Defense; Ohio, Penn, Purdue?). Gelinge es einem, wäre es ein „ungeheurer, ein gewaltiger Schritt“.

Eschlböck wäre liebend gern mit seinem Ko-Kommentator Walter Reiterer zu diesem Event in die USA geflogen, stattdessen „treten wir zwei Kasperln aber bei der größten Super-Bowl-Party Österreichs auf“. St. Marx statt Houston? Amerika ist ohnehin schon aus dem Häuschen . . .

Showdown

Rekordmann vs. Matty Ice: Die Würfe der Hauptdarsteller

Ähnliches Spiel, und doch so verschieden: Der 51. Super Bowl war ein Duell der beiden Quarterbacks Tom Brady und Matt Ryan.

Die Offense gewinnt Spiele, die Defense gewinnt Meisterschaften. Es ist gerade vor dem Super Bowl ein viel zitierter Spruch und sein Wahrheitsgehalt ist ausreichend belegt. Auch im Vorjahr standen sich im NFL-Finale die beiden besten Verteidigungen gegenüber. Heuer aber bestritten zwei der offensivstärksten Mannschaften den Showdown, dank der Quarterbacks Tom Brady (New England Patriots) und Matt Ryan (Atlanta Falcons) soll die 51. Auflage zu einem Offensivfeuerwerk werden.

Sowohl Brady als auch Ryan sind 1,93 Meter groß, beide wiegen um die 100 Kilogramm, und die Zahlen der Reguar Season belegen auch ihre ähnliche Spielanlage: Brady, der während der ersten vier Spiele zum Zuschauen verbannt war, brachte es auf 3554 Yards, 28 Touchdowns und gab nur zwei Interceptions ab. Ryan warf in 16 Spielen 4994 Yards und 38 Touchdowns bei sieben Interceptions. Beide werfen ihre Pässe meist aus der "Pocket" heraus, der Lauf ist für sie nur eine Notfall-Option.

Doch so ähnlich sie auf dem Feld agieren, so grundverschieden sind sie abseits des Wettkampfes. Hier der Ehemann von Ex-Supermodel Gisele Bündchen mit seinen millionenschweren Werbeverträgen, dort ein zurückhaltender Musterprofi, dem das Rampenlicht fremd ist. "Ich bin ziemlich langweilig", sagt Ryan gerne über sich. Sein Vater widersprach via "New York Times": "Er ist nicht langweilig. Matt ist einfach auf dem Boden geblieben. Er hat nicht vergessen, wie oft er angerufen hat, weil er kein Geld mehr für Benzin hatte."

Der Fan im Oval Office

Mit Bradys Trophäensammlung aber kann er bei weitem nicht mithalten. Für den 39-Jährigen Patriots-Quarterback ging es heuer schlichtweg darum, nach 17 NFL-Saisonen seinen Namen endgültig in den Geschichtsbüchern zu zementieren. Mit seinem Sieg bei seiner siebenten Super-Bowl-Teilnahme (schon das ist Rekord) ist der 39-Jährige der erste Quarterback mit fünf Titeln (2001, 2003, 2004, 2014), damit hat er die NFL-Legenden Joe Montana und Terry Bradshaw hinter sich gelassen. Außerdem in seiner Sammlung: Drei Super-Bowl-MVP-Trophäen (bester Spieler des Endspiels) sowie zwei NFL-MVP-Auszeichnungen (bester Spieler der Liga).

Brady, einst nur in Runde sechs an 199. Stelle gedraftet, mag einer der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte sein, unumstritten ist der Superstar aber nicht. Seine Unterstützung für Donald Trumps stößt vielen sauer auf, der neue US-Präsident brüstet sich freilich mit der Freundschaft zum strahlender All-American-Boy. Brady war zudem in die "Deflategate"-Affäre um zu weiche Bälle aus dem Jahr 2015 verwickelt. Die ersten vier Saisonspiele war er deshalb gesperrt. Sein persönliche Rachefeldzug gegen NFL-Commissioner Roger Goodell, der die Sperre ausgesprochen hatte, beschäftigt nach wie vor die US-Medien. Der Patriots-Star hingegen erklärte: "Meine Teamkollegen sind die einzige Motivation, die ich brauche."

Bradys Bilanz gegen Atlanta macht ihn zum Titelfavoriten, in vier Spielen gegen die Falcons hat er noch nie verloren. Herausforderer Ryan ("Wir werden bereit sein") hat in seinen zwei Partien gegen New England noch nie gewonnen. Die Erwartungen an "Matty Ice" waren dennoch groß, immerhin hatten die Falcons in der abgelaufenen Saison 540 Punkte (33,8 pro Spiel) erzielt, das sind die achtmeisten der NFL-Geschichte. Nur: Mit durchschnittlich 15,7 Punkten ließ die Patriots-Defense auch am wenigsten zu.

Das Duell in Zahlen
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Das Duell in Zahlen
Das Duell in Zahlen – (c) Gregor Käfer

Spielgerät

Der Amerikaner liebstes Spielzeug

Seit dem ersten Super Bowl produziert das Unternehmen Wilson Sporting Goods dafür im Bundesstaat Ohio das Spielgerät aus Ochsenleder.

Wenn die Quarterbacks Tom Brady und Matt Ryan aufs Feld treten, dann sind auch in Handarbeit hergestellte Ochsenlederbälle mit im Spiel. Die Regularien besagen, dass es sich um eine Kunststoffblase mit Hülle aus Lederhaut mit einer Länge zwischen 11 und 11,25 Inches (ca. 28 cm), einem Querumfang zwischen 21 und 21,25 Inches (ca. 53 cm) und einem Gewicht zwischen 14 und 15 Ounces (um die 400 g) handeln muss. Die einzige Variable ist seit Jahrzehnten die Unterschrift des Commissioners.

Beim ersten Super Bowl 1967 waren diese Bestimmungen übrigens noch nicht gegeben: Da sich die rivalisierenden Ligen AFL und NFL nicht auf einen Ball hatten einigen konnten, spielte die jeweilige Mannschaft in der Offense mit der eigenen Marke – das AFL-Modell von Spalding war im Vergleich um fast einen Zentimeter länger und deutlich schmäler. Aufgrund der besser haftenden Oberfläche hatte der AFL-Ball Vorzüge beim Passen, jener der NFL beim Kicken.

Eine Kleinstadt hält den Atem an

Inzwischen ist der Wilson-Ball fixer Bestandteil der Hochglanzshow, die  Einnahmen der NFL betrugen im vergangenen Jahr rund 13 Milliarden Dollar. Ihre braunen Bälle werden derweil seit Jahrzehnten mit alten Nähmaschinen in einer Fabrik in der Stadt Ada im Bundesstaat Ohio hergestellt. Das Leder liefert immer dieselbe Gerberei aus Chicago. "Direkt vor dem Kick-off sind wir, vor allem die Leute aus Ada, immer aufgeregt", sagt Wilson-Manager Kevin Murphy. "Wir halten unseren Atem an, nicht, weil wir für eines der Teams sind, sondern weil wir an die Bälle denken."

Sobald die Paarung steht, beginnt in Ada die Arbeit für das Finale: Schon 48 Stunden nach dem zweiten Halbfinale bekommen die beiden Teams jeweils 108 Bälle, in die unter anderem die Logos der Teams geprägt sind. Die Hälfte ihrer Bälle dürfen die Teams im Finale während ihrer Angriffe nutzen, mit den anderen können sie trainieren.

Trophäe

Das Prunkstück von Tiffany

Auf den Sieger des Super Bowl wartet ein außergewöhnlicher Pokal – die „Vince Lombardi Trophy“ ist nach Green Bays legendären Coach benannt.

3,5 Kilogramm schwer, 55 Zentimeter groß und das Alleinstellungsmerkmal des NFL-Champions – die Vince Lombardi Trophy. Es ist das Schmuckstück von „Tiffany & Co“, wird in in Parsippany, New Jersey, hergestellt. Das Prestigesymbol stellt einen Football in Originalgröße auf einer Säule dar, besteht aus Sterlingsilber und kostet 25.000 Dollar, seit 1996 erhält es nach Spielende der Eigentümer des Siegerteams.

Die Lombardi-Trophy wird, anders als der Stanley-Cup im NHL-Eishockey, jedes Jahr in einer 72-stündigen Prozession neu hergestellt. Der Sieger darf seinen Pokal behalten. Bei der Gestaltung der Trophäe wird Wert und Präzision gelegt. Sowohl das NFL-Symbol als auch die Super-Bowl-Nummer werden mit Hand eingraviert, nach dem Finale auch Team-Name und Endstand.

Den Vereinen steht es frei, mit dem Pokal zu machen, was sie wollen, auch hierzu gibt es zig Geschichten. Während es Green Bay und San Francisco vorziehen, alle Trophäen in Vitrinen der Klub-Büros als Prunkstücke auszustellen, zeigen die Dallas Cowboys ihre Eroberungen nur einmal pro Jahr her. Die restlichen 364 Tage strahlt der Schatz ausschließlich für Besitzer Jerry Jones.

Der legendäre Packers-Chefcoach Vince Lombardi 1957 mit der Siegertrophäe, die später nach ihm benannt wurde
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Der legendäre Packers-Chefcoach Vince Lombardi 1957 mit der Siegertrophäe, die später nach ihm benannt wurde
Der legendäre Packers-Chefcoach Vince Lombardi 1957 mit der Siegertrophäe, die später nach ihm benannt wurde – (c) National Football League

Ringe

Die Diamanten der Footballer

NFL-Ringe sind Türöffner, um sie ranken sich Mythen. Sogar Wladimir Putin hat einen.

Marilyn Monroe wusste es schon immer, und trotzdem lag sie nicht ganz richtig. „Diamonds are a girl's best friend“ – der Welthit geht jedem unter die Haut, doch sowohl Frauen als auch Herren lieben Diamanten; vor allem im US-Sport. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten spielt Geld keine Rolle, Gewinner werden geschmückt; mit Trophäen – und Ringen, die groß wie ein Kuckucksei am Finger glitzern, Logos tragen und dicht besetzt sind mit Diamanten. Je größer, desto besser – typisch Amerika.
Der Gewinner des Super Bowl, dem Finalspiel der National Football League, erhält einen Championship-Ring. Sie werden zumeist aus Gelb-oder Weißgold fabriziert, zeigen Klubname, Logo, Nummer des jeweiligen Finales. Und die Liga lässt sich bei ihren Aushängeschildern auch nicht lumpen: 150 Ringe erhält das Siegerteam, jeder kostet 5000 Dollar aufwärts, bis zu fünf Millionen Dollar beträgt das „Spending Limit“ beim Nobeljuwelier „Jostens“ aus Minneapolis, der auch Glitzerstücke für die MLB (Baseball), NBA (Basketball), NHL (Eishockey), MLS (Fußball) and die Nascar-Serie fertigt.

Am 5. Februar 2017 haben die New England Patriots also ihren fünften Ring gewonnen – Tom Brady kann nun an einer Hand jeden Finger besetzen. 2015 kostete jeder Ring 36.500 Dollar (34.000 €) – es waren die wertvollsten der kompletten NFL-Geschichte. 150 Stück stehen frei zur Vergabe, der Klubchef befindet, wer denn mit einer Maßanfertigung geehrt wird. Freilich, alle Spieler, Trainer, Coaches, Personal, Funktionäre, zumeist auch der Equipment-Manager (Hausmeister). Dass manche Mitarbeiter mit billigeren Ringen, statt Diamanten glänzen Zirkonia, versorgt werden, ist jedoch keine Mär. Dennoch: der Ring der Green Bay Packers 2010 trug 100 kleine Diamanten. Er war auch erstmals nicht aus Gold, sondern Platin.

Diese Ringe sind auch bei Sammlern und Fans beliebte Erinnerungsstücke. Und damit ein gutes Geschäft für den, der einen verkauft. Sportler trennen sich von Olympia- und WM-Medaillen, in Amerika sind NFL-Ringe der absolute Topseller. Zwei Ringe der Pittsburgh Steelers aus den 1970er-Jahren sind hierbei im Verkauf unerreicht, pro Stück wechselten sie 2008 für 32.800 Dollar auf Ebay ihren Besitzer – mit weitaus weniger Diamanten in der Krone als bei anderen Ringen; freilich. 2011 wurde Steve Wrights Ring (Breen Bay, 1960) für 73.000 Dollar versteigert, Lawrence Taylers Sohn verkaufte das 1990er-Schmuckstück des Vaters um 250.000 Dollar . . .

Wenn Wladimir Putin zugreift

Diese Ringe schmücken nicht nur Sieger, sie erzählen auch gute Geschichten. Toni Fritsch, der 1971 mit den Dallas Cowboys einen gewann, trug seinen immer voll Stolz und hielt ihn immer und überall in die Kamera. „Der öffnet in Amerika jede Tür, glaub es mir“, erzählte der 2005 verstorbene „Wembley“. Glanz, Glorie, Glamour, ein Ring, sie keineswegs zu knechten, begeistert Amerika. Viele Spieler verlieren ihn, finden ihn 25 Jahre später per Zufall auf einer Auktion, es brechen Diamanten aus, werden gestohlen. Sie genießen in Amerika einen Mythos, aber nicht nur in den USA.

Milliardär Robert Kraft war 2005 mit einer Reihe von Business-Partnern in Moskau, man traf Russlands Präsident Wladimir Putin. Kraft zeigte Putin seinen Ring und der Russe war von dem mit 4,94 Karat schweren Diamanten besetzten Schmuckstück so hellauf begeistert, dass er es kurzerhand einsteckte und behielt. Kraft war, Überlieferungen zufolge, fassungslos, übte sich aber geschäftstüchtig in Diplomatie. „Wir sind in Russland, umgeben von Geschäftsleuten und Politikern. Es geht um Business, den Mittleren Osten und Europa. Aber ihn interessiert nur der Super-Bowl-Ring. Cool!“ Um einer diplomatischen Krise vorzubeugen, erklärte sich Kraft schweren Herzens zum Staatsgeschenk bereit. Heute ist das „Objekt Putins Begierde“ in der Bibliothek des Kremls ausgestellt, Kraft erhielt eine Replika.

Die Ringe der NFL-Sieger

New York Jets, 1969

(c) REUTERS (� / Reuters)

Miami Dolphins, 1974

(c) USA Today Sports (� USA Today Sports / Reuters)

San Francisco 49ers, 1981

(c) REUTERS (� Jonathan Ernst / Reuters)

Denver Broncos, 1998

(c) REUTERS (� Rick Wilking / Reuters)

New England Patriots, 2002, 2004 und 2005

(c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuter)

New England Patriots, 2005

(c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuter)

New Orleans Saints, 2010

(c) REUTERS (� Jason Reed / Reuters)

Green Bay Packers, 2011

(c) REUTERS (� Danny Moloshok / Reuters)

New York Giants, 2012

(c) REUTERS (� Adam Hunger / Reuters)
Der vergessene Sieger

Österreichs vergessener Super-Bowl-Sieger

Raimund Wersching, der 1950 in Mondsee geboren wurde, schoss San Francisco 1982 und 1985 zum Titel - stand aber stets im Schatten von Toni Fritsch.

Super Bowl und American Football werden in Österreich mit Toni Fritsch assoziiert. Schließlich gewann der Freekicker aus Petronell 1972 mit den Dallas Cowboys die prestigeträchtigste Sporttrophäe Amerikas. Dabei gibt es aber noch einen Österreicher, der den Super Bowl gewinnen konnte, von dem aber kaum einer weiß respektive spricht: 1982 und 1985 kickte Raimund Wersching die San Francisco 49ers mit Quarterback-Legende Joe Montana in den siebenten Football-Himmel.

Dass Wersching, der 1950 in Mondsee geboren wurde, in Österreich nahezu vergessen ist, nimmt er niemandem übel. „Als meine Eltern nach Amerika auswanderten, war ich erst zwei Jahre alt. Ich spreche auch kaum Deutsch“, verriet Ray einst in einem Telefonat mit der „Presse“.

Zur Person

Raimund „Ray“ Wersching wurde am 21. August 1950 in Mondsee geboren. 1952 wanderten seine Eltern nach Amerika aus.
Der Kicker
der Berkeley-University wurde 1973 von den San Diego Chargers engagiert. 1977 wechselte er – nachdem die Chargers Toni Fritsch verpflichteten – zu den San Francisco 49ers.

1982 und 1985 gewann Wersching an der Seite von Football-Legende Joe Montana den Superbowl.

1987 beendete er nach 15 NFL-Saisonen seine Karriere.

Eine ruhmvolle Momentaufnahme

Nur noch selten verschlägt es Wersching ins Stadion, und selbst einem zweifachen Super-Bowl-Sieger öffnen sich in Amerika zwar viele, aber in Wahrheit doch nicht alle Türen. „Es gibt jedes Jahr ein Endspiel, jedes Jahr 150 neue Ringe. Der Super Bowl ist wie der Worldcup im Fußball. Ihr habt ihn nur alle vier Jahre, unser Endspiel steigt jedes Jahr – und die Siege meiner 49ers sind lange vorbei", erzählte er. „Heute hat ein Spieler nach nur einer Saison für den Rest seines Lebens ausgesorgt. Das war 1982 noch nicht der Fall.“

Hin und wieder wird Wersching noch von Fans auf der Straße erkannt, letztlich kann er aber relativ unbekümmert durch die Straßen von San Francisco spazieren. Ruhm und Bekanntheit seien nur Momentaufnahmen, sagte er. Vor allem in Amerika, das stets nach neuen Stars lechzt und nur absolute Ausnahmekönner in die „Hall of Fame“ einberuft und so kollektiv in Erinnerung behält. Dass er selbst einmal im Mittelpunkt der Football-Welt gestanden ist, daran konnte er sich sehr gut erinnern. „Bei dem Super Bowl erreichst du den Höhepunkt deiner Karriere, es gibt nichts Größeres“, sagte Wersching. „Der Rummel um deine Person, die vielen Reporter, Kameras und Fans, es ist irre.“

Sein legendärer Anlauf

Mit Fritsch und ihm wurde noch ein Österreicher in der NFL aktiv: Toni Linhart aus Donawitz – er spielte in den 1970er-Jahren für New Orleans und Baltimore. Ob es purer Zufall ist, dass alle vier Kicker sind? Ray Wersching lachte. „Vielleicht kommt es wirklich vom Fußball, Linhart und Fritsch waren doch Profis. Und ich habe als Kind auch gerne den runden Ball getreten. Vielleicht ist Österreich das Land der Kicker.“ Für seinen Kickstil wurde Wersching in Amerika jedenfalls berühmt. Er schaute beim Anlauf immer auf den Boden. Für viele jahrzehntelang ein Rätsel, nein: ein Mythos. Dabei hat alles einen ganz anderen Hintergrund, verriet Wersching. „Ich hätte Brillen tragen müssen, tat es aber nicht. Also habe ich mich immer an den Bodenmarkierungen orientiert...“

Seinen Durchbruch hatte Wersching (indirekt) Toni Fritsch zu verdanken. Als Fritsch 1976 in San Diego anheuerte, wurde Wersching sofort zu den 49ers „abgegeben“ – für ihn ein echter Glücksgriff. Seine Super-Bowl-Ringe trägt er nur selten, wenn er sie aber an seine Finger steckt, sind ihm ehrfurchtsvolle Blicke seiner Freunde gewiss.

Rückblick

50 Jahre Super Bowl: Als Ballons noch zur Halbzeitshow taugten

Als beim ersten Super Bowl die Green Bay Packers triumphierten, wurde mit verschiedenen Bällen gespielt, die teuersten Tickets kosteten 12 Dollar - und in der Nachbarschaft blieben die TV-Geräte schwarz.

Die USA und weite Teile der Welt werden wieder gewissermaßen still stehen, wenn am 5. Februar in Houston der Kick-off zum Super Bowl LI stattfindet. Für die Amerikaner ist das Endspiel der Football-Liga inzwischen beinahe so wichtig wie der 4. Juli, Weihnachten und Silvester zusammen. Wer heuer keines der begehrten Tickets für das NRG Stadium, Heimstätte der Houston Texans, ergattert hat, wird gemeinsam mit rund 800 Millionen Menschen in der ganzen Welt vor dem TV-Gerät mitfiebern.

Von all dem war vor 50 Jahren, als der allererste Super Bowl ausgespielt wurde, keine Rede. Erst ein Jahr zuvor hatten sich die renommierte National Football League (NFL) und die sieben Jahre zuvor gegründete konkurrierende American Football League (AFL) auf eine gemeinsam ausgetragene Liga ab 1970 geeinigt. In der Übergangszeit sollte das Duell der jeweiligen Liga-Champions den Landesmeister küren. Als sich somit am 15. Jänner 1967 in Los Angeles der AFL-Sieger Kansas City Chiefs und NFL-Pendant Green Bay Packers unter Trainerlegende Vince Lombardi gegenüberstanden, war dies zwar ein historisches Spiel, aber keines das die amerikanischen Footballfans, geschweige denn die Welt, in ihren Bann zog.

Die Bezeichnung "Super Bowl" geht auf AFL-Gründer und Chiefs-Besitzer Lamar Hunt zurück. Auf der Suche nach einem besonders klingenden Namen soll er in Anlehnung an die in den 60er-Jahren in Amerika beliebte Flummi-Art "Super Ball" in einem Meeting darauf gekommen sein, doch für NFL-Commissioner Pete Rozelle spiegelte dies weder Seriosität noch Wertigkeit seiner Liga wider. So wurde die Veranstaltung offiziell unter dem sperrigen Titel "AFL-NFL World Championship Game" vermarktet, Medien griffen jedoch bald auf das kürzere, plakativere "Super Bowl" zurück. Drei Jahre später sollte sich die nun allein regierende NFL besinnen und die Bezeichnung übernehmen.

Tickets um 12 Dollar und viele leere Plätze

Die Rahmenbedingungen für die Premiere sind mit heute nicht zu vergleichen. Gerade einmal sechs Wochen vor dem Kick-off wurde das Memorial Coliseum in Los Angeles als Austragungsort bestimmt. Am Spieltag selbst war der Andrang im 94.000 Zuschauer fassenden Oval mehr als überschaubar, viele Fans hatten sich im Vorfeld über die hohen Ticketpreise echauffiert. Dabei war die teuerste Karte damals bereits um 12 Dollar zu haben, selbst mit Inflationsanpassung ein Schnäppchen, sind 50 Jahre später die billigsten Kategorien doch bereits im vierstelligen Bereich angesiedelt.

Die Pausenzigarette - 2017 eine undenkbare Szene:

Die NFL verdient sich an den Übertragungsrechten inzwischen ein goldenes Näschen, mit ihr darf auch der diesjährige Rechteinhaber Fox jubeln: Mehr als fünf Millionen Dollar kosten 2017 30 Sekunden Werbung während des Super Bowl, vor 50 Jahren waren es noch 37.500 Dollar. Für die Premiere zahlten CBS, das ansonsten die NFL übertrug und schließlich auch das Livebild stellte, sowie AFL-Gegenpart NBC je eine Million Dollar und sorgten mit zwei Crews vor Ort für die einzige gemeinschaftliche Übertragung in der Geschichte des Super Bowl. Das Spiel in voller Länge dürfte übrigens nur auf einer einzigen Videokassette im Privatbesitz erhalten geblieben sein, um das inzwischen ein Rechtsstreit tobt.

Rund 60 Millionen Menschen sahen damals vor den Fernsehgeräten zu, vielleicht wären es noch einige mehr gewesen, doch in einem 75-Meilen-Radius (ca. 120 km) rund um das Memorial Coliseum blieben die Schirme für etwa 15 Millionen Menschen schwarz. Dafür sorgte eine aus heutiger Sicht irrwitzige Passage in den NFL-Regularien: Um Fans in die Stadien zu locken, durften die Spiele in der lokalen Nachbarschaft nicht gezeigt werden. Das führte beim ersten Super Bowl vielerorts zum improvisierten Bau von Zimmerantennen aus Besen und Kleiderhaken sowie waghalsigen Kletterpartien auf Hausdächer, um doch noch irgendwie an ein TV-Signal zu gelangen. Weniger genau nahmen es die TV-Anbieter damals mit dem Schalten der Werbeanzeigen. Da NBC beim Ankick der zweiten Spielhälfte noch nicht live auf Sendung war, mussten die Packers diesen wiederholen.

Halbzeitshow mit Musikkapellen und Ballons

In der Halbzeitpause zuvor bekamen die Fans damals überdies nicht Auftritte großer Stars zu sehen. Anstatt weltbekannter Sänger oder Bands wie Michael Jackson, Madonna den Rolling Stones oder wie in diesem Jahr Lady Gaga marschierten 1967 die Blasorchester der University of Arizona und der Grambling State University ein. Anschließend stiegen zwei "Raketenmänner" von Bell Aerosystems mithilfe von Jetpacks auf und landeten auf der 50-Yard-Linie. Als Highlight wurden schließlich 10.000 Helium-Ballons und hunderte Tauben losgelassen.

Der Trompeter Al Hirt spielte 1967 die US-Hymne
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Der Trompeter Al Hirt spielte 1967 die US-Hymne
Der Trompeter Al Hirt spielte 1967 die US-Hymne – (c) National Football League

Aus sportlicher Sicht standen beide Mannschaften unter großem Druck auch für ihre jeweilige Liga den Titel zu gewinnen. Entgegen der Erwartungen entwickelte sich in der ersten Hälfte ein enges, umkämpftes Duell. Die favorisierten Packers legten zwar vor, bis zur Pause kamen die Chiefs allerdings bis auf 10:14 heran. Doch eine Interception von Safety Willie Wood mit anschließendem 50-Yard-Gewinn stellte schließlich früh im dritten Viertel die Weichen für den NFL-Champion, der nach 21 Punkten in Folge klar mit 35:10 triumphierte. Packers-Quarterback Bart Starr verbuchte 250-Yard-Raumgewinn, zwei Touchdown-Pässe sowie eine Interception und wurde zum MVP gewählt. Erfolgscoach Lombardi hielt nach der Partie fest: "Nicht einmal die Besten der AFL sind gut genug, um sich mit der NFL-Spitze zu messen."

>>> Zusammenschnitt von Spielszenen des Super Bowl I auf YouTube

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