Die Bedeutung des Triumphs in der Wiener Stadthalle war ihm am Sonntag noch gar nicht so richtig bewusst. Jürgen Melzer hat im eigenen "Wohnzimmer" und in Österreich bewiesen, was in ihm steckt. Der Auftritt im Rahmen der Bank-Austria-Trophy hat freilich auch die Frage nach den Gründen für seinen Durchbruch aufgeworfen, ein wesentlicher dürfte sein geändertes Umfeld und auch das private Glück mit Top-Schwimmerin Mirna Jukic sein.
ÖTV-Davis-Cup-Kapitän Gilbert Schaller freute der erste Einzel-Titel für Österreich in Wien seit 21 Jahren sehr. "Ich habe auch die eine oder andere Träne verdrückt für Jürgen, weil es für ihn eine riesige Genugtuung ist. Ich glaube, jetzt ist ein Schritt getätigt, der ihn der absoluten Weltspitze noch näher bringen kann." Schaller hofft auch auf einen Effekt für den Nachwuchs. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken, wir haben sehr gute österreichische Spieler, aber natürlich brauchen wir auch zukünftige, und ich hoffe, dass das ein Anreiz ist für die Jungen, die da zuschauen, dass die den Schläger in die Hand nehmen und noch intensiver trainieren. Wir brauchen auch eine nächste Generation."
Melzers Konstanz überrascht Schaller
Das konstante Turnier des Niederösterreichers in Wien hat Schaller überrascht. "So habe ich ihn noch nie gesehen." Die Beziehung mit Jukic spiele da durchaus auch eine Rolle: "Das ist beim Jürgen extrem wichtig, weil er sehr sensibel ist, da muss alles passen. Und ich habe das Gefühl, das private Umfeld - Mirna war ja auch beim Davis Cup dabei - das passt auch für ihn. Er hat sich irgendwie jetzt gefunden und er hat seinen Trainer, seinen Stab geformt. Im Moment kann man beim Jürgen sagen, es passt einfach alles."
Die angesprochene Jukic fieberte - wie schon in den vergangenen zwei Monaten fast durchwegs - die ganze Woche in der Box ihres Freundes mit. "Wenn ich selbst schwimme, teile ich die Emotionen auf mich selbst und meinen Bruder auf. Jetzt bin ich einfach dagesessen und du weißt, dass du nichts machen kannst. Du musst einfach dasitzen." Vom ersten bis zum letzten Punkt seien so viele Emotionen dagewesen. "Man hat ihm auch angesehen, mit wie viel Herz er gespielt hat und er hat sich überhaupt nicht hängen lassen. Es war schön, ein Teil davon zu sein."
Die Begründung der Hochform in ihrer Liaison mit Melzer zu suchen, lässt Jukic nicht so gelten. "Für mich war klar, dass ihm früher oder später der Knopf aufgeht, und dass er viel mehr kann, als ihm viele zutrauen." Ob sie auch selbst wieder Lust bekommen habe, eigene Erfolge "einzuschwimmen"? "Mal schauen, es ist noch alles offen und es gibt einige Optionen, mal schauen, welche die gescheiteste ist." Ende des Jahres oder Anfang 2010 will sie sich entscheiden.
Wie die Auszeit im Lager eines anderen Spitzensportlers gewesen ist? "Ich hatte Gott sei Dank das Glück, dass ich gleich nach der WM trainingsfrei hatte und ich war sechs Wochen mit ihm unterwegs. Es war eine schöne Erfahrung, ich habe mich noch nicht so gut ausgekannt und habe auch die Leute noch nicht so gekannt." Doch nun sei es fast schon ein zweites Zuhause. "Es ist schön, wenn ich an seiner Seite sein kann."
So intensiv wird Jukic aber wohl nicht immer ihren Jürgen begleiten. "Mein Leben wird sich sicher nicht so entwickeln, dass ich jetzt die Spielerfrau spiele. Das weiß er auch. Wenn ich kann, werde ich dabei sein, wenn nicht, nicht." Erweiterte Pläne privater Natur gibt es vorerst keine. "So weit haben wir noch nicht nachgedacht", meinte sie lachend. Ein Kleid, dass ihr ihr Herzblatt geschenkt hat, hat sie am Finaltag aber schon getragen, verriet sie.
(APA)


Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Eintagsfliegen im ÖFB-TeamEinmal Nationalteam und zurück
Neun Spiele, fünf NiederlagenDas war das ÖFB-Länderspieljahr 2009
SchnappschussDie besten Sportbilder











