Boris Becker ist mit seinem alten Konkurrenten Andre Agassi böse ins Gericht gegangen. "Er schadet nur dem Tennissport", sagte der dreifache Wimbledonsieger am Dienstag in der Online-Ausgabe der "Sport Bild" zu dem Doping-Geständnis des Graf- Ehemannes. Agassi hat in seiner in Kürze erscheinenden Autobiografie zugegeben, 1997 die Droge Crystal Meth konsumiert und nur durch eine Lüge eine Sperre durch die Profispieler-Organisation ATP verhindert zu haben.
In seiner Autobiografie hat Agassi sein Bild als untadeliger Sportsmann nachhaltig beschädigt - und auch die angebliche Freundschaft mit Becker: "Ich will diesen verdammten Deutschen nicht in Sichtweite haben", soll Agassi in seinem Werk geschrieben haben. Gemeinsame Bilder vom Oktoberfest oder anderen Treffen sollten die ohnehin vermutete Antipathie früherer Tage offenbar nur verschleiern.
"Da muss er jetzt einige Abstriche machen", sagte Becker. "Wenn er zu viel Bier getrunken oder mal einen Joint geraucht hätte, dann könnte man es vergessen. Aber wir reden über eine der schlimmsten Drogen überhaupt: Crystal Meth ist ein synthetisches Aufputschmittel und eine der gefährlichsten Drogen der Welt. Es kann schon bei der ersten Einnahme süchtig machen und führt langfristig zu geistigen Behinderungen und dann zum Tod."
Schon als junger Tennisspieler sei er von seinem Vater mit Ephedrin und später sogar mit Speed gedopt worden, berichtet der Olympiasieger in seinem Buch. "Wie man damit überhaupt Tennisspielen kann, weiß ich nicht", sagte Becker: "Ich fühle mich als Sportler enttäuscht. Er hat viele Grand Slams gewonnen, einige auch gegen mich. Wenn er die gewonnen hat, weil er auf Speed war, dann ist das einfach unfair und hat im Sport nichts zu suchen."
Becker selbst betont, nie etwas mit Doping zu tun gehabt zu haben. "So was ist im Tennis nicht verbreitet, und da muss ich auch für meine Kollegen, ob das ein Roger Federer oder Rafael Nadal ist, meine Hand ins Feuer legen." Zudem hätten diese Betrugsversuche keinen Sinn, meinte der Wimbledonsieger, der nur 4 von 14 Vergleichen mit Agassi gewonnen hat. "Wir haben einen koordinativ hochkomplizierten Sport, wo es auf Bruchteile von Sekunden ankommt. Da gibt es meines Wissens keine Droge, die einen weiterbringt. Deshalb ist die Veröffentlichung umso schlimmer."
(Ag.)

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