Wien (mhk). Über das Ausmaß der Strafe für Gunnar Prokop will man in der Südstadt nicht spekulieren. Dass Sanktionen unabwendbar sind, steht allerdings fest: Prokop war am vergangenen Donnerstag im Champions-League-Heimspiel gegen Metz Sekunden vor Spielende auf das Feld gestürmt und hatte sich der ballführenden Metz-Spielerin Svetlana Ognjenovic in den Weg gestellt. Mit der Attacke unterbrach Prokop einen Konter der Gegnerinnen und trug dazu bei, seinem Team ein 27:27 zu retten.
Am Mittwoch will die Europäische Handballföderation (EHF) an ihrem Sitzungsort Wien ein Urteil über den zunächst mit der Roten Karte bestraften Trainer fällen. Eine politische Entscheidung traf die EHF bereits: Das Exekutivkomitee enthob Prokop seiner Funktionen als Vorsitzender des Klubkomitees und Mitglied der Spielbetriebskommission.
Gleichsam um die EHF-Rechtskommission milde zu stimmen, kündigte Prokop am Dienstag in einem offenen Brief seinen Rücktritt an. Jenen als Trainer – Manager von Hypo Niederösterreich bleibt er weiterhin. Schließlich, so hat Prokop immer wieder betont, denke er erst dann an den Abschied vom Handball, wenn sein Klub ein neuntes Mal die Champions League gewonnen habe. Wer Prokops Nachfolger als Trainer wird, blieb vorerst offen.
Am Tag nach dem Skandal hatte Prokop gegenüber der „Presse“ gemeint, er habe die Spielerin stoppen müssen, um das Remis zu sichern. Die Aufregung um die Unsportlichkeit verstehe er nicht, zudem hätten die Referees seinem Team übel mitgespielt: „Taktisch war es völlig richtig. Ja, und ich würde es wieder tun ...“
Subalternes Schreiben
In dem Schreiben kehrt der 69-Jährige nun den Reumütigen hervor. Er spricht von einer „unentschuldbaren Fehlreaktion“, die „schon auf Grund meiner 37-jährigen Tätigkeit nicht vorkommen dürfte“. Er selbst könne seine Tat nicht nachvollziehen und sprach von einer „Kurzschlusshandlung“. Das Lächeln, mit dem er nach dem Foul vom Platz gegangen sei, erklärte er mit dem „verlegenen Lächeln des sich seiner Schuld bewussten Missetäters“. Und er zitiert den deutschen Fußballtrainer Otto Rehagel: „Ein Trainer darf zwei Stunden nach einem emotionalen Spiel nicht ernst genommen werden.“
Prokops Fazit: „Es tut mir mehr als leid.“ Und: „Ich habe mein Traineramt bereits zurückgelegt und werde versuche, diese Situation mit einem Psychologen aufzuarbeiten.“ Wie die EHF diesen Schlusssatz lesen wird, bleibt spannend: Will Prokop das Foul oder seinen Rücktritt auf der Couch behandeln?
>>> Gunnar Prokops Foul bei youtube
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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