Nach Tagen der Hitze hat am Donnerstag zum Auftakt der Abendsession bei den Leichtathletik-Meisterschaften in Barcelona starker Regen für den Umschwung gesorgt. Die Deutschem holten die ersten Medaillen, Verena Sailer gewann die 100 m, Linda Stahl den Speerwurf vor Landsfrau Christina Obergföll. Zehnkämpfer Roland Schwarzl kam auf den 14. Rang, der Titel ging an den Franzosen Romain Barras. Die weiteren Titel holten bei den Männern im Hochsprung der Russe Alexander Schustow und im Dreisprung der Brite Phillips Idowu.
Der Zehnkampf war ob der Bedingungen im Olympiastadion auf dem Montjuic zum erwartet zähen Unterfangen geworden worden - auch für Schwarzl. Zu Beginn des zweiten Tages war der 29-Jährige "erschlagen und müde gewesen", er lief die 110 m Hürden in 14,70 Sekunden ("Keine Dramatik"), warf den Diskus auf 44,22 Meter und überquerte im windbeeinflussten Stabhochsprung mit 5,05 Metern die zweitgrößte Höhe.
Beim dritten Fehlversuch über 5,15 Metern landete Schwarzl allerdings unsanft neben der Matte. "Es hat mich auf Rücken, Füße, Fersen und Hintern gehauen, ich bin sicher leicht geprellt", erzählte der Wahlsalzburger und ließ sich behandeln. Mit 49,86 Metern belegte er im Speerwurf nur den 21. Platz, im Anlauf und Wurf behindert durch Schmerzen im linken Sprunggelenk.
Der Olympiazehnte von Athen ließ sich physiotherapeutisch behandeln, um die abschließenden 1500 Meter durchzustehen, doch mit Eis und Tape wurde es noch schlimmer. Nach 4:58,69 Minuten kam er ins Ziel, 7.731 Punkte bedeuteten Rang 14. Der Titel ging an den Franzosen Romain Barras mit 8.453 Zählern vor dem Niederländer Eelco Sintnicolaas (8.436) und dem Weißrussen Andrej Krautschanka (8.370).
"Ich bin mit einer reellen Medaillenchance hergekommen, der Traum ist am ersten Tag im Hochsprung geplatzt. Dann hat es sich wie ein roter Faden durchgezogen", bilanzierte Schwarzl. Am zweiten Tag sei dann die Verletzung dazugekommen. "Das Ziel war, richtig viele Punkte zu machen, wenn möglich österreichischen Rekord. Ich war gut vorbereitet, im Hochsprung war es eine kurze Unkonzentriertheit von mir, dann haut es einfach nicht mehr hin." Den 1500-m-Lauf sei er durchgerannt, um durchzukommen. "Jeder einzelne Schritt hat gestochen."
Für die Deutsche regnete es gleich drei Medaillen. 20 Jahre nach Katrin Krabbe war es für den DLV der erste EM-Sprinttitel, die 24-jährige Sailer gewann in 11,10 Sekunden vor den Französinnen Veronique Mang (11,11) und Myriam Soumare (11,18). "Das ist unglaublich. Es ist wahnsinnig, es ist so Wahnsinn", schrie es Sailer hinaus. Im Speerwurf gab es mit Stahl ebenfalls eine Sensationssiegerin, mit 66,81 Metern triumphierte sie vor Landsfrau Christina Obergföll (65,58) und der tschechischen Olympiasiegerin Barbora Spotakova (65,36).
Die Russen setzen ihre EM-Siegesserie im Hochsprung fort, Alexander Schustow überquerte 2,33 Meter und setzte sich vor seinem Landsmann Iwan Uchow (2,31) und dem Briten Martyn Bernard (2,29) durch. "Es lief nicht gut wegen des Regens, aber ich hatte den Mut, höher zu springen", sagte Schustow. 2003 in München hatte Jaroslaw Rybakow gewonnen, 2006 in Göteborg Andrej Silnow. Stärkster Dreispringer war der Brite Phillips Idowu mit 17,81 Metern vor dem Rumänen Marian Oprea (17,51) und dem Franzosen Teddy Tamgho (17,45), der als Top-Favorit gehandelt worden war.
(APA)


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