DiePresse.com

DiePresse.com | Sport | Mehr Sport | Artikel DruckenArtikel drucken


"Skyrunner" Stangl bezwingt den K2

13.08.2010 | 09:56 |  (DiePresse.com)

Dem steirischen Extremsportler Christian Stangl ist der Aufstieg auf den 8611 Meter hohen Gipfel des K2 geglückt. "Ich bin voll fertig - aber happy", meldet Stangl aus dem Basislager.

Der Extremsportler Christian Stangl hat den 8611 Meter hohen K2 bezwungen. Der Steirer ist nach eigenen Angaben bereits am Donnerstagvormittag am Gipfel gestanden. "Ich hab's geschafft", meldet er sich am Freitag.

Die oberösterreichische Alpinistin Gerlinde Kaltenbrunner hatte vor einer Woche am K2 umkehren müssen, nachdem ihr schwedischer Bergkamerad Fredrik Ericsson beim Aufstieg tödlich verunglückt ist.

Die Nachricht von Christian Stangl: "Das Satphone ohne Stromversorgung - ein paar Fotos gemacht und dann sofort wieder abgestiegen - beim Abstieg in der Nacht kurz Unterschlupf gesucht unter einer Felsnische und dort ein wenig gedöst. Keine Ahnung wie lange. Bin jetzt im Basislager, lege mich schlafen und melde mich im Laufe des Tages. Ich bin voll fertig - aber happy."

Nächstes Projekt: Mount Tyree

Der 44 Jahre alte Stangl war nach eigenen Angaben der erste Alpinist am Gipfel des K2 in diesem Jahr. Er möchte als erster Mensch alle "14 seven summits" besteigen. Gemeint sind damit die sieben höchsten und die sieben zweithöchsten Gipfel aller Kontinente inklusive Antarktis und Ozeanien. Dazu fehlt ihm nun nur noch der Mount Tyree in der Antarktis. Erst sieben Bergsteiger standen laut seinen Angaben seit seiner Erstbegehung im Jahre 1967 auf diesem Gipfel, seit 1997 überhaupt keiner mehr. Bereits Mitte November will er zu dieser Expedition aufbrechen.

Mehrfaches Scheitern am K2

Der Alpinist ist am K2 im August 2008 nur knapp einem Drama mit mehreren Toten entgangen. Er stieg bis 8100 Meter auf, ehe eine Eislawine im Bottleneck die Saison beendete und elf Bergsteiger mit in den Tod riss. 2009 versuchte Stangl erneut sein Glück und erreichte 8300 Meter. Gewaltige Schneemengen vereitelten jedes Vorwärtskommen. Im Juli 2010 hatte er einen entsprechenden Versuch wegen Erkrankung abbrechen müssen, im August scheiterte der Gipfelsturm erneut. Zur selben Zeit musste auch Gerlinde Kaltenbrunner nach einem Unfall - ihr schwedischer Bergkamerad kam ums Leben - umkehren.

Der Extremsportler, geboren 1966 in Landl, hat 1998 seine ersten hohen Berge erklommen und 2001 erstmals hohe Wände allein an den Achttausendern und im Alpinstil durchstiegen, wie es in seinem Lebenslauf heißt.

Die erste "beabsichtigte" Schnellbegehung erfolgte im März 2002. Den Aconcagua (6956 Meter) schaffte Stangl in nur vier Stunden und 25 Minuten vom Basislager aus - ohne Rucksack, nur in Laufschuhen. Den neuen Stil nannte er "Skyrunning". Ein Skyrunner ist in der Regel allein unterwegs, ohne künstlichen Sauerstoff und mit leichter Bekleidung.

"Seit 50 Jahren hat sich kaum etwas verändert. Die letzte Innovation waren die Achttausender ohne Sauerstoffflaschen. Ich habe den Beweis geliefert, dass man alle Berge als Tagestour machen kann. Und ohne viel Equipment und Technik, ehrliches Bergsteigen ohne Firlefanz", sagte Stangl.

"Bergsteigen in neue Dimension katapultieren"

"Ich möchte das Bergsteigen in eine neue Dimension katapultieren", erklärte Stangl, als er im Dezember 2007 seine "Seven Summits Speed Tour" geschafft hatte: Dabei hatte er die höchsten Gipfel aller sieben Kontinente insgesamt in der Rekordzeit von 58 Stunden und 45 Minuten bestiegen. Er hatte den Mount Everest, den Elbrus, den Kilimandscharo, den Carstenz, den McKinley und den Mount Vinson bezwungen.

Davor, Anfang 2005, hatte der 1966 geborene Steirer innerhalb von sieben Tagen zehn mehr als 6000 Meter hohe Berge in den Anden bezwungen. Dabei war ihm dreimal sogar eine Doppelüberschreitung gelungen. Im Oktober 2004 war er in fünf Stunden, 26 Minuten und 38 Sekunden auf den Kilimandscharo gejoggt.

Stangl ist im Zivilberuf Elektrotechniker und war zuletzt als Projektleiter in Libyen tätig. Daheim ist er in Hall bei Admont. Sein Leitspruch: "Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche!"

>>> Homepage von Christian Stangl


© DiePresse.com