Melbourne. Im zweiten Satz beim Stand von 3:4 marschierte Li Na in die Mitte zu Schiedsrichterin Alison Lang. Entnervt meinte sie: „Können Sie den Chinesen sagen, dass sie mir nicht erklären sollen, wie ich spielen soll?“
Zu diesem Zeitpunkt hatte Li den ersten Satz 6:3 gewonnen, spielte ein sehr gutes Tennis und präsentierte sich vor allem physisch etwas besser als ihre Gegnerin Kim Clijsters aus Belgien. Aber die wichtigen Spiele gewinnt man nicht mit Hilfe der Kondition. Li Na wirkte plötzlich nervös.
Den ganzen Tag über war es vor der Rod Laver Arena rundgegangen. Hunderte Fans hatten den Melbourne Park in ein rotes Fahnenmeer verwandelt. In Melbourne, der Multikulti-Metropole, leben viele Chinesen. Und sie sind aus dem Häuschen. Li Na ist schließlich die erste chinesische Tennisspielerin, die es ins Finale eines Grand-Slam-Turniers geschafft hat.
Für Clijsters war es das achte Finale. Vor zehn Jahren, kurz vor ihrem 17. Geburtstag, stand sie erstmals im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers. In Paris gewann sie gegen Jennifer Capriati den ersten Satz und verlor eines der legendärsten Endspiele aller Zeiten noch 4:6 und 10:12. Die Belgierin scheiterte viermal in einem Grand-Slam-Endspiel, bevor sie 2005 den ersten ihrer drei US-Open-Titel feierte. Kim Clijsters ist vermutlich nicht die beste Tennisspielerin der Welt. Aber sie schafft es, in den ganz großen Momenten, ihr bestes Tennis zu spielen.
So auch am Samstag in Melbourne. Nachdem sie den heiß umkämpften zweiten Satz 6:4 gewonnen hatte, gelang ihr ein frühes Break, und sie spielte den Entscheidungssatz mit einer beängstigenden Sicherheit nach Hause. Clijsters verwertete den ersten Matchball. In der Weltrangliste wird sie hinter der Dänin Caroline Wozniacki, die noch kein Grand-Slam-Turnier gewann, auf Platz zwei aufscheinen.
Nach dem Spiel saßen beide da und weinten in ihre Handtücher. Auch Li Na konnte bald wieder lächeln. Sie wird im WTA-Ranking vom elften auf den siebten Platz vorstoßen und Tennis in China populär machen. Die „Goldene Blume“, wie die 28-Jährige in der Heimat genannt wird, spendete am Ende ihrem mitgenommenen Mann Jiang Shan Trost. „Egal ob du dick bist oder dünn, attraktiv oder hässlich, ich liebe dich über alles“, sagte sie in Richtung Tribüne. Schöner Trost.
Bryan-Brüder holen 10. Grand-Slam. Favoritensieg im Herren-Doppel. Die Brüder Bob und Mike Bryan gewannen zum fünften Mal die Australian Open. Die topgesetzten US-Zwillinge bezwangen Mahesh Bhupathi und Leander Peas aus Indien 6:3 und 6:4. Für die Bryans ist es der zehnte Grand-Slam-Titel. Für die als Nummer drei gesetzten Inder hätte Melbourne auch einen Meilenstein bedeuten können. Die beiden haben miteinander in Wimbledon, Paris und New York gewonnen. Um das Grand-Slam-Quartett voll zu machen, traten sie nach neun Jahren wieder gemeinsam an. Ob der 36-jährige Bhupathi und der 37-jährige Paes noch einen Anlauf nehmen werden, ist fraglich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2011)

Grid GirlsSchönheiten der Boxenstraße
SchnappschussDie besten Sportbilder