Der vergessene Sieger

Österreichs vergessener Super-Bowl-Sieger

Raimund Wersching, der 1950 in Mondsee geboren wurde, schoss San Francisco 1982 und 1985 zum Titel - stand aber stets im Schatten von Toni Fritsch.

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(c) Imago

Super Bowl und American Football werden in Österreich mit Toni Fritsch assoziiert. Schließlich gewann der Freekicker aus Petronell 1972 mit den Dallas Cowboys die prestigeträchtigste Sporttrophäe Amerikas. Dabei gibt es aber noch einen Österreicher, der den Super Bowl gewinnen konnte, von dem aber kaum einer weiß respektive spricht: 1982 und 1985 kickte Raimund Wersching die San Francisco 49ers mit Quarterback-Legende Joe Montana in den siebenten Football-Himmel.

Dass Wersching, der 1950 in Mondsee geboren wurde, in Österreich nahezu vergessen ist, nimmt er niemandem übel. „Als meine Eltern nach Amerika auswanderten, war ich erst zwei Jahre alt. Ich spreche auch kaum Deutsch“, verriet Ray einst in einem Telefonat mit der „Presse“.

Zur Person

Raimund „Ray“ Wersching wurde am 21. August 1950 in Mondsee geboren. 1952 wanderten seine Eltern nach Amerika aus.
Der Kicker
der Berkeley-University wurde 1973 von den San Diego Chargers engagiert. 1977 wechselte er – nachdem die Chargers Toni Fritsch verpflichteten – zu den San Francisco 49ers.

1982 und 1985 gewann Wersching an der Seite von Football-Legende Joe Montana den Superbowl.

1987 beendete er nach 15 NFL-Saisonen seine Karriere.

Eine ruhmvolle Momentaufnahme

Nur noch selten verschlägt es Wersching ins Stadion, und selbst einem zweifachen Super-Bowl-Sieger öffnen sich in Amerika zwar viele, aber in Wahrheit doch nicht alle Türen. „Es gibt jedes Jahr ein Endspiel, jedes Jahr 150 neue Ringe. Der Super Bowl ist wie der Worldcup im Fußball. Ihr habt ihn nur alle vier Jahre, unser Endspiel steigt jedes Jahr – und die Siege meiner 49ers sind lange vorbei", erzählte er. „Heute hat ein Spieler nach nur einer Saison für den Rest seines Lebens ausgesorgt. Das war 1982 noch nicht der Fall.“

Hin und wieder wird Wersching noch von Fans auf der Straße erkannt, letztlich kann er aber relativ unbekümmert durch die Straßen von San Francisco spazieren. Ruhm und Bekanntheit seien nur Momentaufnahmen, sagte er. Vor allem in Amerika, das stets nach neuen Stars lechzt und nur absolute Ausnahmekönner in die „Hall of Fame“ einberuft und so kollektiv in Erinnerung behält. Dass er selbst einmal im Mittelpunkt der Football-Welt gestanden ist, daran konnte er sich sehr gut erinnern. „Bei dem Super Bowl erreichst du den Höhepunkt deiner Karriere, es gibt nichts Größeres“, sagte Wersching. „Der Rummel um deine Person, die vielen Reporter, Kameras und Fans, es ist irre.“

Sein legendärer Anlauf

Mit Fritsch und ihm wurde noch ein Österreicher in der NFL aktiv: Toni Linhart aus Donawitz – er spielte in den 1970er-Jahren für New Orleans und Baltimore. Ob es purer Zufall ist, dass alle vier Kicker sind? Ray Wersching lachte. „Vielleicht kommt es wirklich vom Fußball, Linhart und Fritsch waren doch Profis. Und ich habe als Kind auch gerne den runden Ball getreten. Vielleicht ist Österreich das Land der Kicker.“ Für seinen Kickstil wurde Wersching in Amerika jedenfalls berühmt. Er schaute beim Anlauf immer auf den Boden. Für viele jahrzehntelang ein Rätsel, nein: ein Mythos. Dabei hat alles einen ganz anderen Hintergrund, verriet Wersching. „Ich hätte Brillen tragen müssen, tat es aber nicht. Also habe ich mich immer an den Bodenmarkierungen orientiert...“

Seinen Durchbruch hatte Wersching (indirekt) Toni Fritsch zu verdanken. Als Fritsch 1976 in San Diego anheuerte, wurde Wersching sofort zu den 49ers „abgegeben“ – für ihn ein echter Glücksgriff. Seine Super-Bowl-Ringe trägt er nur selten, wenn er sie aber an seine Finger steckt, sind ihm ehrfurchtsvolle Blicke seiner Freunde gewiss.

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