Österreichs vergessener Superbowl-Sieger

07.02.2011 | 18:17 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Raimund Wersching, der 1950 in Mondsee geboren wurde, schoss San Francisco 1982 und 1985 zum Titel. Im Interview mit der "Presse" spricht er über Toni Fritsch, seine Distanz zu Österreich und die "Käseköpfe".

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San francisco/Wien. Superbowl und American Football werden in Österreich mit Toni Fritsch assoziiert. Schließlich gewann der Freekicker aus Petronell 1972 mit den Dallas Cowboys die prestigeträchtigste Sporttrophäe Amerikas. Dabei gibt es aber noch einen Österreicher, der den Superbowl gewinnen konnte, von dem aber kaum einer weiß respektive spricht: 1982 und 1985 kickte Raimund Wersching die San Francisco 49ers mit Quarterback-Legende Joe Montana in den siebenten Football-Himmel.

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Dass Wersching, der 1950 in Mondsee geboren wurde, in Österreich nahezu vergessen ist, nimmt er niemandem übel. „Als meine Eltern nach Amerika auswanderten, war ich erst zwei Jahre alt“, erzählt Ray, wie ihn die Amerikaner tauften, im Telefonat mit der „Presse“. „Ich spreche auch kaum Deutsch. Zuletzt war ich vor zwanzig Jahren in Österreich. Es war wundervoll.“

 

Die Käseköpfe, richtig getippt

„Wonderful“ war für Wersching auch der XLV.Superbowl. Natürlich hatte er den Sieger, Green Bay, richtig getippt. „Die Käseköpfe haben die besseren Angriffslinien, außerdem hat Pittsburgh schon zu oft gewonnen“, sagt Wersching, der den 31:25-Triumph gegen die Pittsburgh Steelers daheim vor dem Fernseher verfolgt hat. Denn ins Stadion geht er nur noch selten, und selbst einem zweifachen Superbowl-Sieger öffnen sich in Amerika zwar viele, aber in Wahrheit doch nicht alle Türen. „Es gibt jedes Jahr ein Endspiel, jedes Jahr 150 neue Ringe. Der Superbowl ist wie der Worldcup im Fußball. Ihr habt ihn nur alle vier Jahre, unser Endspiel steigt jedes Jahr – und die Siege meiner 49ers sind lange vorbei.“

Hin und wieder wird Wersching noch von Fans auf der Straße erkannt, letztlich kann er aber relativ unbekümmert durch die Straßen von San Francisco spazieren. Ruhm und Bekanntheit seien nur Momentaufnahmen, sagt er. Vor allem in Amerika, das stets nach neuen Stars lechzt und nur absolute Ausnahmekönner in die „Hall of Fame“ einberuft und so kollektiv in Erinnerung behält.

Ray Wersching lebt mit seiner Familie nahe San Francisco, er ist glücklich und hat zwei erwachsene Kinder. Das ist das Wichtigste, sagt er, „dagegen ist Ruhm nichts wert“. Dass er dennoch selbst einmal im Mittelpunkt der Football-Welt gestanden ist, daran kann er sich sehr gut erinnern. „Bei dem Superbowl erreichst du den Höhepunkt deiner Karriere, es gibt nichts Größeres“, sagt Ray. „Der Rummel um deine Person, die vielen Reporter, Kameras und Fans, es ist irre.“ Und dann seien da noch der Glanz der Vince-Lombardi-Trophäe und das Funkeln der von Tiffany gefertigten Ringe. Die Prunkstücke trägt er nur selten, wenn er sie aber an seine Finger steckt, sind ihm ehrfurchtsvolle Blicke seiner Freunde gewiss.

Amerika gilt als das Land der Superlative. Mit dem Prunk der Liga und den milliardenschweren TV-Verträgen veränderten sich auch der Sport und seine Darsteller. Jetzt geht es nur noch um Geld, sagt Ray. „Heute hat ein Spieler nach nur einer Saison für den Rest seines Lebens ausgesorgt. Das war 1982 noch nicht der Fall. Ich gehe heute noch arbeiten“, sagt der zweifache Superbowl-Sieger stolz. „Was soll's, it's part of the game.“

 

Österreich, das Land der Kicker

Mit Fritsch und ihm wurde noch ein Österreicher in der NFL aktiv: Toni Linhart aus Donawitz – er spielte in den 1970er-Jahren für New Orleans und Baltimore. In der Gegenwart ist Nick Folk von den N.Y. Jets, dessen Vater wie Werschings Eltern in den 1950er-Jahren nach Amerika emigriert ist, der einzige Footballer mit rot-weiß-roten Wurzeln in der NFL.

Ob es purer Zufall ist, dass alle vier Kicker sind? Ray Wersching lacht sehr laut. „Vielleicht kommt es wirklich vom Fußball, Linhart und Fritsch waren doch Profis. Und ich habe als Kind auch gerne den runden Ball getreten. Vielleicht ist Österreich das Land der Kicker.“ Für seinen Kickstil wurde Wersching in Amerika jedenfalls berühmt. Er schaute beim Anlauf immer auf den Boden. Für viele jahrzehntelang ein Rätsel, nein: ein Mythos. Dabei hat alles einen ganz anderen Hintergrund, verrät Wersching. „Ich hätte Brillen tragen müssen, tat es aber nicht. Also habe ich mich immer an den Bodenmarkierungen orientiert...“

Seinen Durchbruch hat er (indirekt) Toni Fritsch zu verdanken. Als Fritsch 1976 in San Diego anheuerte, wurde Wersching sofort zu den 49ers „abgegeben“ – für ihn ein echter Glücksgriff. Als sich Wersching nach Fritsch erkundigt, verhallt sein Lachen jäh. Dass Fritsch 2005 in Wien gestorben ist, wusste er nicht.

Den Kontakt mit seiner alten Heimat will Raimund Wersching nicht mehr abreißen lassen. Der letzte Österreich-Besuch „ist ohnehin schon viel zu lange her“. Als er erfährt, dass heuer im Juli die Football-WM in Wien, Graz und Innsbruck stattfindet, kann er wieder lachen. „Das wäre doch eine tolle Möglichkeit, um nach Österreich zu kommen!“ Der Kontakt zwischen AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck und dem Superbowl-Sieger aus Mondsee ist hergestellt. Für beide Seiten ein Elfmeter, pardon: Fieldgoal.

Zur Person

Raimund „Ray“ Wersching wurde am 21. August 1950 in Mondsee geboren. 1952 wanderten seine Eltern nach Amerika aus.
Der Kicker
der Berkeley-University wurde 1973 von den San Diego Chargers engagiert. 1977 wechselte er – nachdem die Chargers Toni Fritsch verpflichteten – zu den San Francisco 49ers.

1982 und 1985 gewann Wersching an der Seite von Football-Legende Joe Montana den Superbowl.

1987 beendete er nach 15 NFL-Saisonen seine Karriere. [Privat]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2011)

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9 Kommentare
Gast: schnackerl
10.02.2011 11:58
0

Ja, der Meinung ich bin auch...

...aber das passiert nicht nur hier, gibt auch genug andere Seiten, die oft nur die APA-Meldung übernehmen.
Zum Spiel selbst, habe es auf Sky mit dem Original-amerikanischen Kommentar gesehen, war echt eine coole Sache und ein tolles Spiel. Ich habe zwar noch relativ wenig Ahnung von diesem Sport, aber die Packers sind meiner Meinung nach der verdiente Sieger. Prost!

Gast: @all
07.02.2011 21:10
0

Warum lesen Sie den Artikel wenn er Sie gar nicht interessiert ??

Ob nun APA copy&paste oder nicht. Wenn der Artikel Sie nicht anspricht, einfach nicht draufklicken.

Es kann halt nicht jeder Artikel von österreichischen Heldensagen oder von Bösewichten mit Migrationshintergrund handeln.

@JokeoftheYear:

Zwar schon ein Zeiterl her, aber die New York Times dürfte Ihnen ein Begriff sein?

http://goal.blogs.nytimes.com/2008/12/13/who-is-europes-top-goal-scorer/

engstirnig vom feinsten

wie fad muss jemandem sein, so einen oberflächlichen bericht zu verfassen!? wird ja niemand gezwungen die superbowl-berichte zu lesen, oder weiß ich etwas nicht?
und der vergleich mit dem österr. fußball war auch äußerst einfallsreich!
chapeau

Gast: JokeoftheYear
07.02.2011 16:55
0

wenn interessierts

wenn interessiert eigentlich das ami-football bei uns und warum werden wir seit neuesten in allen medien damit beglückt? ich kann mir nicht vorstellen, das us-medien über österr. fußball berichten?!

Antworten Gast: Vom österreichischen Fussball
07.02.2011 20:06
0

Re: wenn interessierts

gibt es auch nichts zu berichten!

Gast: Blankenstein Husar
07.02.2011 10:07
0

Appropis: Beim Eisstockturnier

des Kärntner Güterbeförderungsgewerbes konnte sich die Moarschaft von Felix Hozstocknigg klar durchsetzen.


Antworten Gast: Auch
07.02.2011 14:01
0

Auch

Auch der Österreichische Sport ist wichtig! Ein Spielbericht darüber interessiert bestimmt mehr. Aber solche Artikel muss man selber schreiben und kann sie nicht billig vorgekaut von einer Argentur übernehmen - daher weht der Wind liebe Presse.

Antworten Antworten Gast: gast
07.02.2011 15:21
0

Re: Auch

Über den österreichischen Sport wird doch eh dauernd berichtet, da tun die paar Berichte über das weltweit größte Einzelsportereignis nicht weh. Wenn eine Zeitung den anspruch hat, ihre Leser umfassend zu informieren, kann man es sich meiner Meinung nach nicht leisten, so etwas auszulassen...
Allerdings teile ich Ihre Meinung in der Hinsicht, dass man mehr über österreichischen Sport abseits von Fußball und Wintersportarten berichten könnte...

Antworten Antworten Gast: Schreiberling
07.02.2011 15:18
0

Re: Auch

Gute Pressereferenten des Vereine liefern auch druckfähige Artikel an die Redaktionen ab!

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