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Football-WM: Stojaspal - Football statt Fußball

12.07.2011 | 18:34 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Österreich verlor auch das zweite Gruppenspiel gegen Frankreich, aber gelingt der erste Sieg. Davon ist Philip Stojaspal, Enkel der Austria- und ÖFB-Legende, überzeugt.

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Graz. Rückblende, es ist der 3. Juli 1954, es läuft die Fußball-WM in Zürich. Österreich trifft im Spiel um Platz drei auf Uruguay, und Austrias Goalgetter Ernst Stojaspal bringt die ÖFB-Auswahl mit einem verwandelten Foulelfmeter auf die Siegerstraße. Österreich gewinnt mit 3:1 und WM-Bronze – ein Meilenstein im rot-weiß-roten Sport.

57 Jahre später findet in Innsbruck, Graz und Wien erstmals eine Weltmeisterschaft im American Football statt. Österreich verliert die ersten Gruppenspiele gegen Japan mit 6:24 und gegen Kanada mit 14:36, dabei hatte sich Philip Stojaspal so verausgabt. Der Abwehrspieler zeigte vor 5000 Zuschauern großen Einsatz, trotz der Niederlage verbucht Österreich einen Achtungserfolg.

Für die Familie Stojaspal genießen beide Events dennoch großen Stellenwert. Obwohl der 23-jährige Footballer kein großes Aufsehen um seine Wurzeln macht, ist er stolz, als er von der „Presse“ auf seinen bekannten Namen angesprochen wird. „Ja, natürlich gibt es da eine Verbindung. Ernst Stojaspal war mein Opa.“

 

Die nächste Generation

Während sein Großvater fünf Mal Torschützenkönig in Österreich und mit der Austria drei Mal Meister und zwei Mal Cupsieger wurde, kann Philip mit dem runden Ball „eher weniger anfangen“. Es blieb beim Versuch in der Schülerliga, „mir fehlte aber einfach die Begeisterung dafür“, fügt er hinzu. Sein Vater brachte ihn als Elfjährigen schließlich zum Football, bei den Vikings fühlte er sich auf Anhieb wohl und mit dem „Eierlaberl“ vertraut. Das war der Beginn seiner Sportkarriere, als Amateur in einer Randsportart, für die aber sein Herz schlägt.

Natürlich werde er hin und wieder auf den Großvater und Austrias Jahrhundertspieler angesprochen, erzählt der 23-Jährige. Vorwiegend von „eingefleischten Austria-Fans oder Neugierigen, die nach dem Spiel zu mir kommen und einfach fragen.“ Doch diese Fragen und Vergleiche werden seltener. „Es war eine andere Generation, Opas große Zeit ist weit über 50 Jahre her“, sagt der 1,84 Meter große und 93 Kilogramm schwere Footballer mit leiser Stimme. Auch wüsste er eigentlich nicht genau, was er denn alles erzählen sollte. Seinen Großvater, der 2002 in Moulins-lès-Metz in seiner Wahlheimat Frankreich gestorben ist, lernte er persönlich nie kennen. „Irgendwann ist der Kontakt zu ihm abgebrochen. Mein Vater aber hat mir alle Geschichten über ihn erzählt.“ Zurück bleiben Erinnerungen und der Name, und wer weiß, vielleicht wird Philip Stojaspal irgendwann seinem Sohn oder Enkel davon erzählen, dass er einst bei einer Footballweltmeisterschaft und im Happel-Stadion gespielt hat.

Mit diesem Event wurde in Österreich bereits viel bewegt, schätzt der Spieler der Vikings. Die Begeisterung auf den Rängen sei enorm, auch der Verband sei über den Ablauf und das Interesse begeistert. Auch von Vikings-Klubmanager Alfred Neugebauer hörte Stojaspal bereits, dass die Ticket-Nachfrage oder Anfragen für Probetrainings gestiegen sein sollen. „Für uns ist die WM jedenfalls die größte Ehre, die uns als Amateuren zuteil werden kann.“

Nach zwei Niederlagen soll aber in Graz der erste Sieg folgen. Gegen Vizeeuropameister Frankreich werden der AFBÖ-Auswahl durchaus Chancen eingeräumt, davon ist auch Philip Stojaspal überzeugt. „Das ist möglich, und für den Football in Österreich wäre das ein noch größerer, ein sehr wichtiger Schritt.“ Auch für die Fans, denn mit einem Sieg wäre das Team nämlich zum WM-Abschluss am Samstag im Spiel um Platz fünf im Einsatz – als Gegner würde im Happel-Stadion voraussichtlich Erzrivale Deutschland warten. „Wir wollen schließlich das beste europäische Team bei der WM sein“, sagt Philip Stojaspal. Das wäre in gewisser Weise auch ein sportlicher Meilenstein – so wie 1954 für Zeman, Hanappi, Happel, Ocwirk, Körner I, Körner II, Probst und Großvater Stojaspal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2011)

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