Jimmy Vaccaro ist schwer nervös. Es passiert selten, dass ein Sportereignis dem Chef des Wettbüros „Lucky's Race and Sports Book“ in Las Vegas schlaflose Nächte bereitet. Doch wenn heute in Indianapolis der Ankick zum 46. Super Bowl erfolgt, wird der ansonsten stets „Unparteiische“ nur auf einen Sieg der New England Patriots hoffen. Der Buchmacher ist aber weder Patriot noch Patriots-Fan, Vaccaro hat andere Beweggründe, warum er den NY Giants den Triumph nicht vergönnen würde. Nach dem Abschluss der Regular Season, also des Grunddurchgangs der National Football League, hatte er die Giants mit nur neun Siegen und sieben Niederlagen als krassen Außenseiter eingestuft.
„Kaum Chancen auf den Super Bowl“ stand in seiner Bewertung. Aus historischer Sicht hatte Vaccaro auch vollkommen recht – noch nie zuvor war es einem NFL-Klub mit einer so schlechten Ausbeute gelungen, doch noch den Titel zu gewinnen. Aber nach Playoff-Siegen gegen Atlanta, Green Bay und San Francisco stürmten die Giants in das Endspiel. Jimmy Vaccaro hatte das Team aus New York mit einer Quote von 1:80 ins Wettrennen geschickt. Gewinnen die Giants zum vierten Mal in ihrer Klubgeschichte den Titel, muss der Buchmacher tief in die Geldtasche greifen. Hunderte unverbesserliche New Yorker ließen sich bei dieser Quote nicht zweimal bitten.
10.000 Dollar für ein Ticket. Beim 46. Super Bowl dreht sich einmal mehr alles nur um Geld. Die Preise für TV-Werbespots erreichten dabei eine neue Rekordmarke. 2012 kosten 30 Sekunden beim Sender NBC stolze vier Millionen Dollar. Während 173 Millionen Amerikaner vor den Fernsehschirmen zittern werden, verfolgen knapp 70.000 Zuschauer die Partie im Lucas Oil Stadium. Es ist ein teures Vergnügen, denn die billigste Karte wurde für 2500 Dollar verkauft, in der mittleren Kategorie betrug der Preis bereits 4500 Dollar. Es ist daher kaum verwunderlich, dass der Schwarzmarkt blüht und Tickets wenige Stunden vor dem Ankick für 10.000 Dollar (ca. 8000 Euro) den Besitzer wechseln dürften.
Auch die Trophäen haben ihren Preis. Die „Vince Lombardi Trophy“ für das Siegerteam ist mit 12.500 Dollar veranschlagt. Der Nobeljuwelier Tiffany ist auch für die Super-Bowl-Ringe verantwortlich. Die Liga gewährt dem Champion 150 mit Diamanten besetzte Ringe zum Einzelstückpreis von 5000 Dollar. Die Verlierer erhalten ebenfalls 150 Schmuckstücke um den halben Wert.
Damit auch die Show den nötigen Glanz erhält, muss in der Halbzeitpause immer ein Superstar auftreten. Am Sonntag wird diese Ehre Madonna zuteil, „The Star-Spangled Banner“ intoniert – hoffentlich fehlerfrei – Kelly Clarkson. Dass beide gemeinsam aber die Rekordgage der Rolling Stones von 2006 nicht knacken können, ist unbestritten. Damals kam ein Extrasponsor für den Auftritt von Mick Jagger und Co. auf und blätterte für das zwölf-minütige Konzert sofort 12 Millionen Dollar auf den Tisch.
Schaulaufen der Millionäre. Für die National Football League sind diese Kosten aber nur Peanuts. Sie lässt sich ihr Spektakel eben etwas kosten, zumal ihr Gewinn aus einer kompletten NFL-Saison im amerikanischen Profisport einzigartig ist. 2011 schüttete die NFL dank ihrer TV-Verträge mit NBC, CBS, Fox, ESPN und DirecTV, mit Ticketverkauf und weltweitem Merchandising an alle 32 Vereine vier Milliarden Dollar aus.
Dementsprechend hoch sind auch die Gagen der Superstars. Ihre Popularität belebt den Verkauf diverser Utensilien. Die Palette reicht vom T-Shirt bis zur simplen Kaffeetasse und das will nebst sportlichen Ausrufezeichen auch entlohnt sein. Die 32 Quarterbacks, das sind die Spielmacher, stemmen aktuell ein Gehaltsvolumen von 1,12 Milliarden Euro, wenn man ihre Verträge trotz unterschiedlicher Laufzeiten zusammenaddiert. Der Durchschnitt beläuft sich pro Jahr auf 6,63 Millionen €.
Im Scheinwerferlicht stehen heute Tom Brady und Eli Manning. Brady, der Star der New England Patriots, ist dreifacher Super-Bowl-Sieger und verdient pro Jahr 12,24 Millionen Euro. Manning, der die Giants schon 2008 gegen die Patriots zum Titel führen konnte, rangiert mit 11,9 Millionen Euro an fünfter Stelle dieser Geldrangliste. Die Nummer eins der „Gagenkaiser“ ist aber sein Bruder Peyton. Den Indianapolis Colts sind seine Würfe jährlich 14,1 Millionen Euro wert.
Indianapolis ist eine der Sport-Hochburgen Amerikas. Der PS-Klassiker „Indy 500“, das Basketballfinale der College Liga NCAA, die NBA-Stars der Indiana Pacers und die Colts-Footballer sind in der zwölftgrößten Stadt der USA beheimatet. Dementsprechend groß ist die Begeisterung der Bevölkerung über den Super Bowl. Ihren sentimentalen Favoriten haben die Colts-Fans längst auserkoren – die Giants. Allein schon der Familie Manning wegen, aber auch ob der Tatsache, dass Teams aus Boston sich in ganz Amerika nicht sonderlicher Beliebtheit erfreuen.
Bier, Burger und Chips. In den USA bereiten sich auch Supermarktketten und Partyveranstalter auf den Ansturm vor. 2011 gaben Amerikaner laut einer Studie des nationalen Verbandes für Einzelhandel sieben Milliarden Dollar nur für Halloween aus. Die Ausgaben für Weihnachten stehen mit sechs Milliarden zu Buche. Aber der Super Bowl? Laut dieser Studie soll heuer jeder erwachsene TV-Zuschauer im Durchschnitt 63,87 Dollar für Bier, Hot Dogs, Burger, Chips etc. ausgeben. Der Gesamtumsatz übertrifft alle Erwartungen und soll unfassbare elf Milliarden Dollar (8,35 Milliarden Euro) in die Kassen spülen.
Vielleicht wechselt Buchmacher Jimmy Vaccaro ja die Branche. Denn diese Einnahmen sind eine risikolose Einserbank.
Super Bowl: Das Milliardenspiel
04.02.2012 | 16:50 | von MARKKU DATLER (Die Presse)
Der erste Sonntag jedes Februars gilt in Amerika als der Zahltag. Beim Super Bowl, dem Endspiel der NFL, ist mehr Geld im Spiel als zu Halloween oder Weihnachten. Einzelhandel erwartet heuer elf Milliarden Dollar.
2 Kommentare
fehlerhafte Grafik
Die Grafik ist - wie immer, wenn österreichische Medien über US-Sport berichten - sehr fehlerhaft:* Was bitte soll ein "Aufsteiger" sein? Da hat wohl der Ferialpraktikant den Begiff "runner-up" übersetzt.
* Das letzte Match Patriots vs. Giants hat am 9. Spieltag der aktuellen Saison, am 6. November 2011 stattgefunden, NY hat 24-20 gewonnwn.
* Die 2. Playoff-Runde heißt "Divisional Playoffs"
* Dass bei Statistiken die Passversuche, INTs usw. PRO SPIEL aufgelistet werden, hab ich noch nie gesehen...

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