Tonband-Affäre: Neustart mit neuen Doping-Richtern

Andreas Schwab ist nicht mehr Geschäftsführer der Nationalen Antidoping-Agentur. Alle Mitglieder der Rechtskommission wurden ihrer Ämter enthoben.

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(c) GEPA pictures/ Mario Kneisl

Wien/Schladming. Der illegalen Tonbandaufnahme von Christian Hoffmann folgten am Freitag personelle Konsequenzen. Der ehemalige Langläufer hatte Mitschnitte seiner Urteilsfindung durch die Rechtskommission der Nationalen Antidopingagentur vom vergangenen Dezember veröffentlicht und damit eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Das Dienstverhältnis von Nada-Geschäftsführer Andreas Schwab wurde nun einvernehmlich aufgelöst. Gleichzeitig wurden alle Mitglieder der Rechtskommission und deren Ersatzmitglieder ihrer Ämter enthoben.

„Um weiteren medialen Schaden für die Nada-Austria und die Rechtskommission im Zusammenhang mit dem Fall Christian Hoffmann zu vermeiden“, erklärte Schwab in einem sechs Zeilen umfassenden E-Mail, „teile ich mit, dass mit Bundesminister Darabos vereinbart wurde, mein Dienstverhältnis als Geschäftsführer einvernehmlich aufzulösen.“ Weitere Stellungnahmen lehnte Schwab, dessen Vertrag noch bis 2013 gelaufen wäre, in einem Telefonat mit der „Presse“ allerdings ab. Gernot Schaar, Leiter der Rechtskommission, war nicht erreichbar.

 

„Aufnahme ist authentisch“

Für Hans-Moritz Pott, er ist Hoffmanns Anwalt, kam dieser Schritt nicht „unerwartet“. Obgleich er das Geschehen mit einem weinenden Auge betrachte, immerhin sei Schwab auch ein Jugendfreund von ihm, blieb Pott dabei, dass das Band „sehr wohl authentisch ist und kein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde“.

Somit konnte laut Pott keine andere Entscheidung fallen, denn das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit sei verletzt worden. Obgleich sich der Jurist über Motiv und Entstehen der Aufnahme weiterhin auf seine anwaltliche Schweigepflicht beruft, glaubt er nicht, dass seinem Mandanten dadurch ein „Robin-Hood-Mythos“ im Sport erwachsen sei. „Darum geht es doch gar nicht – es ja auch nicht der Tod des Antidoping-Kampfes. Wir wollen alle nur faire Verhandlungen. Darum habe ich etwa Kollegen Rudolf Mayer (vertritt Susanne Pumper, Anm.) geraten, auf einen Mitschnitt bei ihrer Verhandlung zu beharren.“

Hoffmann tritt nun im Mai in zweiter Instanz vor die Schiedskommission. Deren Vorgehen ist offen, sie könnte das Urteil bestätigen, in eventu an die erste Instanz zurückweisen, aber auch schlichtweg einstellen. Dass sich Hoffmann wegen der Tonbandaufnahme vor einem Strafgericht verantworten muss, glaubt Pott hingegen nicht. „Es wäre ein Verfahren nach §120, wir stehen dem vollkommen gelassen gegenüber.“ Der Olympiasieger sei sich aller möglichen Konsequenzen bewusst und würde vor Gericht die ganze Aufnahme vorspielen ...

 

Notwendiges Vertrauen aufbauen

Norbert Darabos, Minister für Landesverteidigung und Sport, hatte eine umfassende Aufklärung dieser Causa verlangt. Konkret geklärt werden sollte, ob es sich bei der Transkription um eine authentische Wiedergabe der Sitzung handelt und ob eine Teilnahme des Geschäftsführers an einer Sitzung der Rechtskommission laut Geschäftsordnung überhaupt zulässig ist. Auch sei es für ihn Thema gewesen, ob Schwab weisungsfreien Mitgliedern der Kommission „Handlungsempfehlungen“ erteilen durfte.

Die Aufnahme, davon ging Darabos jedenfalls aus, und „die entstandene Diskussion haben der Glaubwürdigkeit der Nada geschadet“. Dadurch seien all ihre Verdienste in den Hintergrund gerückt, sagte er zur „Presse“. „Einen personellen Neustart halte ich daher im Interesse aller für richtig. Damit kann in der Öffentlichkeit wieder das notwendige Vertrauen aufgebaut werden.“

Der neue Geschäftsführer und die Rechtskommission sollen „so schnell wie möglich“ berufen werden, sagte Darabos. Die Neuausschreibung für den Geschäftsführer-Posten erfolgt noch, „und ich sage es ehrlich – ich habe keine Präferenzen. Es muss eine Persönlichkeit sein, die sportaffin ist und seriös auftritt. Egal ob Mann oder Frau.“

Keine Auswirkungen haben die Neubesetzungen auf den Dienstplan der Kontrolleure. Alle Tests laufen weiter wie gehabt.

Auf einen Blick

Christian Hoffmans Tonbandaufnahme der Sitzung in seinem Fall hat Konsequenzen: Das Dienstverhältnis von Andreas Schwab als Geschäftsführer der Nada wurde einvernehmlich aufgelöst, gleichzeitig wurden die Mitglieder der Rechtskommission samt Ersatzleuten ihrer Ämter enthoben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)

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