ÖOC-Prozess: Das Komitee der Gutgläubigen

08.05.2012 | 18:07 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Ex-Präsident Leo Wallner will nichts von „Schwarzgeldkonten“ gewusst haben und stritt auch jegliche Zusatzvereinbarung mit dem ehemaligen Generalsekretär ÖOC Jungwirth vehement ab.

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Wien. Die zweite Runde im Untreue-Prozess gegen Heinz Jungwirth, den ehemaligen Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees, und dessen Assistentin Manuela K. versprach Spannung. Ex-Präsident Leo Wallner war am Dienstag im Straflandesgericht als Zeuge geladen. Der 76-Jährige war am Vortag von Jungwirth schwer belastet worden und konterte nun gelassen: „Jungwirth war für alle administrativen Sachen zuständig. Ich wusste nichts vom Schwarzgeldkonto. Auch hatte ich keine Kenntnis darüber, dass er ÖOC-Gelder für private Zwecke verwendet hat.“

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Jungwirth, 60, und K. müssen sich vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Georg Olschak wegen des Vorwurfs der Untreue (§153 StGB) verantworten. Laut Anklage geht es um 2.782.898,88 Euro, die von 2003 bis 2009 für private Zwecke verwendet worden sein sollen. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Nachdem zwei zuvor einvernommene Zeugen dem Richter keine neuen Erkenntnisse geliefert hatten, war Wallner am Wort und ließ aufhorchen. In seiner 19-jährigen Amtszeit habe er sich „nie“ in finanzielle Angelegenheiten eingemischt, dazu sah er als Präsident keinerlei Veranlassung. „Ich habe Jungwirth und den Rechnungsprüfern vertraut“, sagte er und erntete dafür einen prüfenden Blick des Richters. „Im ÖOC hat damals wohl jeder jedem vertraut...“

 

„Meine“, keine Geschäftsordnung

Dass ehemalige Sportler als Prüfer agierten oder bei Kontrollen eingeforderte Beläge beim Steuerberater in Bearbeitung waren, irritierte den ehemaligen Casino-General nicht. „Die Finanzen waren immer positiv, es gab auch keine Reklamationen.“ Dass Jungwirth private Behebungen vornahm, so Wallner, sei mit ihm nicht besprochen worden. „Dafür hatte er keine Ermächtigung. Das entspricht nicht meiner Geschäftsordnung.“ Wallner sagte, er habe die Übertragung der Zeichnungsberechtigung für die ÖOC-Konten an Jungwirth einfach von seinem Vorgänger übernommen. „Er war für vieles zuständig, zeichnungsberechtigt. Das braucht nicht schriftlich fixiert werden.“ Eine ÖOC-Richtlinie wurde übrigens erst nach Bekanntwerden der Ungereimtheiten 2009 fixiert.

Damit steht Wallners Aussage im Widerspruch zu Jungwirths Erläuterungen. Ebenso bei den Bonifikationen gibt es Differenzen. Dass der Generalsekretär für Salzburgs Mission „Olympia 2014“ ein Sonderhonorar von 212.000 Euro erhalten haben soll, wies Wallner entschieden zurück. „Einen Bonus gab es doch nur nach den Spielen alle zwei Jahre! Es waren zwei bis drei Gehälter.“ Darüber hinaus wurde „gar nichts“ bezahlt.

Heute folgen weitere Einvernahmen, ein Urteil ist jedoch nicht zu erwarten. Das Gericht muss Jungwirths Stellungnahme, die abgezweigten Beträge mittels Gegenverrechnungen und Einzahlungen rückgeführt zu haben, von Sachverständigen überprüfen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2012)

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9 Kommentare

Welche Partei hat diese Bande gefoerdert?

Da steckt doch System dahinter!!

Gast: =EHM=
08.05.2012 10:14
1

Der Gesundheit des Herrn wäre eine Kur in einer geschlossenen Kuranstalt sicher nicht abträglich.

Da ja die Gewichtsreduktion nicht so rasch erfolgen soll - zwecks Umkehreffekt - würde ich die Kur auf mehrere Jahre ausdehnen.

Gast: alte weinstrasse
07.05.2012 23:19
0

... bekommt er jetzt auch einen orden ...

für diese 'machenschaften' hätte er sich vielleicht auch das goldenen hufeisen am bande verdient; zumal er dann auch in dieser ehrenwerten gesellschaft befindet ... de brauchen einen ehrenkodex ... es ist einfach ein wahnsinn...si

Re: ... bekommt er jetzt auch einen orden ...

dem Installateur in der Hofburg, mit Spezialausbildung WC, waere es zuzutrauen! Angeblich macht er bald den Master of Art in Wr. Neustadt dazu! ;-)

Gast: SeinNachbar
07.05.2012 20:16
5

Das sind alles ehrenhafte Herren!

Bevor der Dreck aufgewirbelt worden ist, waren das alles ehrenhafte Herren und Spitzenmanager der Republik. Jetzt erkennt man immer mehr, dass zwischen kleinen Gaunern und diesen Herren nur der Anzug und der Chefposten den Unterschied ausmacht.

Re: Das sind alles ehrenhafte Herren!

Und die Höhe der Beträge ...

Gast: total crash
07.05.2012 16:56
2

Mir ist einer Bekannt,

bei dem hatt`s mit einer handgeschriebenen Wischiwaschi Rechnung begonnen.Einige Wiederholungen später war`s auch noch niemand aufgefallen.

Mutiger begann er einen höheren Betrag mittels Scheinrechnung abzuzwacken.
Ging einige male gut.

Monate später kommt der Moment wo`s einen Juckt,die Deppen merken ohnedies nix,na versuch ma mal einen höheren Betrag,gesagt getan,oh super die Wixer merken wider nix,ih bin da greste,mia kummans ned drauf,ih bin so schlau und klever.

Na langer Rede kurzer Sinn,seine anhaltende Selbstherrlichkeit,Geldgier,"erworbenes Gewohnheitsrecht" und Unterschätzung der Kassamenschen führten zu seiner Verhaftung,Entlassung, 3 1/2 Jahre Schmalz und Wiedergutmachung, nur weil er dachte er is so super ;o)

Wenns`t nich weißt wann`s gnuag is und es dauert halt bis da draufkommen,ja da wirst halt Überheblich und das bricht dir dann das Knack ;o)

Ist auch recht so,das einen erwischen ;o)

Eine weitere österreichische Sumpfpflanze!

Das ÖOC natürlich! "Was san scho 3,5 Mio.? ( € natürlich, = 48,2 Mio ATS). Aber jahrelang den "Big Spender" geben, was für eine "Leistung". Mit vollen Hosen ist gut stinken, Hauptsach is, mia ham was g'lernt und dass' guat war. Und erst die Umwegrentabilität...

Gast: tc_t
07.05.2012 12:11
2

wer viel hat, will immer mehr....


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