Markus Rogan: „Berühmtheit ist die Droge von heute“

21.05.2012 | 16:46 |  Von Christoph Gastinger (Die Presse)

Wie eine Briefmarke Markus Rogans Selbstwertgefühl veränderte, warum Österreichs erfolgreichster Schwimmer vor den Olympischen Sommerspielen in London panische Angst hat und er deshalb seine Familie ignoriert.

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Debrecen/Wien. Als das Mikrofon weitergereicht wird und in seine Hände gelangt, ist er voll in seinem Element. Markus Rogan teilt sich gerne mit, er beantwortet Fragen wie immer mit Begeisterung. Er genießt diese Aufmerksamkeit. Das ist an jenem Freitagvormittag in Wien nicht anders. Der Schwimmverband lädt anlässlich der Europameisterschaft im ungarischen Debrecen, die am Dienstag für Rogan mit dem Rennen über 200 Meter Lagen beginnt, zum PR-Termin. Und Rogan steht wieder im Mittelpunkt des medialen Interesses. „Ich werde das schon vermissen“, sagt der 30-Jährige und lässt den Blick durch den von Journalisten gefüllten Raum schweifen.

Es ist höchstwahrscheinlich, dass Österreichs erfolgreichster Schwimmer nach den Olympischen Spielen seine Badehose endgültig in den Trockner wirft. In London will sich Rogan in Form einer Medaille für vier Jahre Schinderei noch ein letztes Mal selbst „verarzten“. Denn der Stachel der Pekinger Enttäuschung sitzt immer noch tief. 2008 reiste er als amtierender Weltmeister und Topfavorit zu den Spielen, um als Vierter über 200 Meter Rücken die größte Enttäuschung seiner Laufbahn zu erleben. „Damals habe ich mich selbst viel zu geil gefunden“, sagt Rogan heute. Eine ihm zuvor gewidmete Briefmarke und ein zur Verfügung gestellter Luxuswagen trugen ihren Teil dazu bei.

Die Droge des kleinen Mannes

Rogan ist überzeugt davon, als Mensch gereift zu sein und hätte dennoch nichts gegen eine weitere Briefmarke. „Du weißt, dass so etwas deinem Ego schadet, findest es aber trotzdem geil.“ Der Wiener ist eben gerne eine Person des öffentlichen Interesses. Für den Modellathleten mit intellektuellem Charme bräche eine Welt zusammen, würde sich daran irgendwann etwas ändern. Der Drang nach Aufmerksamkeit ist eine regelrechte Sucht, ein ständiges Verlangen. „In den 60er-Jahren gab es Marihuana, in den 80ern Kokain. Die Droge von heute ist Berühmtheit“, erklärt Rogan im Interview mit der „Presse“. Die Droge für den kleinen Mann seien demnach Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter. „Warum diese Dinge funktionieren? Weil wir alle glauben, wir sind wichtig.“

Der Sportler Rogan ist wichtig genug, um nicht darauf angewiesen zu sein, auf Facebook sein Leben mit dem Rest der Welt teilen zu müssen. Der Wahl-Amerikaner hat eines gelernt: „Es geht nie um dich als Person, sondern um dich als Schauspieler. Ich spiele als Schwimmer eine Rolle, wie ein Burgschauspieler.“ Diese Bühne möchte Rogan keinesfalls missen. Am liebsten wäre ihm, der Lichtkegel nach dem Olympiafinale über 200 Meter Lagen am Abend des 2. August wäre nur auf ihn gerichtet.

Zehn Wochen vor seinem vielleicht letzten Rennen schwimmt der 33-fache Medaillengewinner bei Großereignissen der ersehnten Form hinterher. Dementsprechend groß sind seine Sorgen. „Ich habe panische Angst vor dem Start“, fürchtet Rogan den Untergang im Aquatics Centre zu London. Das Warten auf den Startschuss sei für ihn die reinste Tortur. „Ich schlafe schlecht, mir schmeckt das Essen nicht. Ich ignoriere sogar Freunde und Familie.“

„Wir sind Adrenalin-Junkies“

Trotzdem, es ist die Angst vor dem Versagen, die ihn im Becken weiter vorantreibt. Geistig und körperlich sei er dadurch voll da, er spüre sich selbst, sagt er. Und illustriert es. „Wenn man von einem hohen Gebäude herunterblickt, ist man in dieser einen Sekunde voll präsent. Sportler brauchen genau diesen Kitzel. Wir sind Adrenalin-Junkies. Oder warum fährt Marcel Hirscher so schnell mit dem Auto?“

Bei der Europameisterschaft, die für Rogan am Dienstag beginnt, kann er einen Hauch Zuversicht gewinnen. Es warten aber weder Briefmarken noch ein schicker Luxuswagen. Gut so.

Auf einen Blick
Markus Rogan startet heute bei der Schwimm-EM in Debrecen, Ungarn, über 200 Meter Lagen. Er erhofft sich nicht nur den Finaleinzug, sondern auch Aufschlüsse über Form, Wohlbefinden und Konkurrenz. Vor den Olympischen Spielen in London (ab 27. Juli) plagt ihn jedoch die Ungewissheit. Er hat Angst zu versagen.

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13 Kommentare
Gast: XXX
22.05.2012 11:25
0

Lieber Herr Rogan

nehmen Sie sich nicht so wichtig, Sie sind es nämlich nicht.
In kürzester Zeit kennt Sie kein Mensch mehr und Sie sind vergessen........

So ein Depp!!

Total überheblich! Zuletzt hat er im Orf gesagt dass er sich in Amerika so wohlfühlt weil ihn niemand kennt!! Warum auf einmal diese Wende? Ist bei deiner Luxuskarosse ein Service fällig und hast Angst es übersteigt dein Budget! Da mach ma doch gleich wieder ein paar Werbeauftritte...

?

was ist das eigentliche Problem? dass Rogan einer der erfolgreichsten Sportler Österreichs ist? wirklich schlimm! dass er somit viel Aufmerksamkeit für unser Land erregt hat? weg mit dem Pass! dass er sich ausdrücken kann und leidlich Intelligenz besitzt? uga grunz, Schande! dass er eine ordentliche Portion Arroganz besitzt? unglaublich, wo mir täglich Heerscharen Menschen mit dieser Charaktereigenschaft begegnen, die dafür weiß Gott weniger Grund haben. die Geschichte mit dem Raufhandel? natürlich, jeder von uns poliert seinen Heiligenschein ja von Jugend an.
Sorry, Freunde. ich finde den Rogan "cool"!


"... mit intellektuellem Charme ..."

Dies in einem Artikel über diesen Schwimmheini? Ich fürchte, es war nicht einmal sarkastisch gemeint.

Na dann ist Rogan clean ...

der Schaumschläger Nr. 1 mimt den Zirkusclown.

Antworten Gast: b754
21.05.2012 21:16
0

Re: Na dann ist Rogan clean ...

der war nur bei seine mama in behandlung

eine frage!

kann man mir einmal begreiflich machen, wieso dieser gewisse Herr Rogan ein Interview verdient? Ich mein, es ist sicherlich gesund, wenn man Sport betreibt und schwimmen geht. aber wieso redet er von seiner angeblichen "Berühmtheit"? dafür muss man doch etwas geleistet haben, oder? Ich glaube dieser Herr Rogan ist ein Kasperle, das besser im Schwimmbecken aufgehoben ist als bei einem Interview! Das kühle Wasser hat sicherlich auch ernüchternde Wirkung! :)

Gast: b754
21.05.2012 19:36
0

endlich gibt er zu das er dopt


Re: endlich gibt er zu das er dopt

".. er zu, dass ..."
Bitte lernen Sie zumindest das Grundlegendste in Deutsch und belästigen Sie uns nicht weiter.

Schön, Herr Rogan,

dass auch Sie es endlich gemerkt haben. Mit der Eitelkeit verhält es ich so ähnlich wie mit einem betrogenen Ehemann..... Selbst ist man immer der letzte, der es erfährt... Für Sie spricht jedenfalls, dass Sie die Gabe der Selbstreflexion besitzen und das macht Sie für mich (a bisserl spät aber doch) sympathisch.....

Na wenigstens........

hat er sich 'geil' gefunden - :O))

Gast: b754
20.05.2012 11:42
0

der hat immer noch einen österreichischen pass


Re: der hat immer noch einen österreichischen pass

Wie lange müssen Sie noch auf den öst. Pass warten.

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