Bei hochsommerlichen Temperaturen verwandelte sich die Eisarena in der Albert-Schultz-Halle in einen wahren Hexenkessel. 5500 Fans sahen eine beherzte Aufholjagd der Österreicher, die jedoch am Ende unbelohnt blieb. Der 30:27-Sieg im entscheidenden Play-off-Rückspiel gegen Mazedonien fiel um drei Tore zu gering aus. Mit einem Gesamtscore von 53:51 sicherte sich der EM-Fünfte das Ticket für die WM 2013 in Spanien. „Leider haben wir nicht den Extra-Tag erwischt, den wir gegen diese Weltklassemannschaft gebraucht hätten“, bilanzierte Teamchef Patrekur Johannesson nach der Partie.
Johannesson hat im Rückspiel im Tor wieder Thomas Bauer den Vorzug gegeben, der in Skopje eine starke Leistung gezeigt hatte. Doch der Schachzug ging nicht auf. Denn sowohl Bauer als auch der in 9. Minute eingewechselte Nikola Marinovic zeigten im Spiel mehr Tiefen als Höhen, zudem war die gesamte Defensive gegen den amtierenden EM-Torschützenkönig Kiril Lazarov, der achtmal traf, sichtlich überfordert.
Allerdings lief auch in der Offensive nur wenig zusammen. Angesichts des aufzuholenden Rückstands agierten die Österreicher zu sehr mit der Brechstange, die Wurfversuche kamen zumeist viel zu überhastet. „Wir wollten zu viel, obwohl wir das vorher besprochen haben. Da fehlt uns vielleicht noch ein bisschen die Erfahrung“, meinte Kapitän Viktor Szilagyi.
Die geplante Kontertaktik aus einer gesicherten Defensive ging somit nicht auf, die abgeklärten Mazedonier ließen nur wenig anbrennen. Lediglich bei 9:6 (19. Minute) und 24:22 (52.) schien die Chance für die Österreicher kurzfristig zu leben, am Ende reichte es jedoch nicht.
„Eine große Enttäuschung“
„Im Moment ist das eine Riesenenttäuschung. Bei mir wie bei allen anderen war ein 100-prozentiger Glaube daran da. Das ist eine große Chance, die wir verpasst haben“, sagte Szilagyi. Teamchef Johannesson machte dennoch vor allem das erste Spiel als Grund für das Scheitern aus. „Uns ist die schlechte Angriffsleistung im Hinspiel auf den Kopf gefallen. 17 technische Fehler in einem Spiel, das war zu viel“, resümierte der Isländer. Dennoch habe man gesehen, dass der Unterschied zu den Topteams nicht zu groß sei.
Den Beweis können die ÖHB-Herren bereits im Herbst erbringen. Da startet die Qualifikation für die EM 2014 in Dänemark, in der es Österreich mit schwierigen Konkurrenten zu tun bekommt. Die Gegner heißen Serbien, Russland und Bosnien-Herzegowina.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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