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Fest der Pferde: Simon brennt auf GP: "Boden wird glühen!"

13.11.2006 | 00:00 |   (Die Presse)

Spektakuläres Derby an Außenseiter. Frühmanns Sixth Sense zeigte Angst des Rosses vor der Videowall.

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WIEN (-tzg-). Heute geht's zur Sache: Mercedes-Grand-Prix, finales Highlight beim Fest der Pferde, wo es um den Höchstpreis geht - finanziell und sportlich: 73.000 Euro, Sieg unter einem Stern auf vier Rädern. "Sehr gut dotiert", sagt Marcus Ehning, Nr. 1 der Weltrangliste aus Borken bei Münster, erstmals seit 2000 Jahren in Wien zu Gast. "Aber es kann nach oben nie genug sein!" Die Reiterei ist ein teurer Spaß und nur für Betuchte ein Steckenpferd.

Ehning hatte sich Samstag geärgert, weil er mit einem Flüchtigkeitsfehler das Stechen im spektakulären Wr. Hallen-Derby als Fünfter verpasst hatte - und damit die Chance, den Siegespreis (6000 Euro) in der zweitwichtigsten Einzelprüfung einzusackeln. Also will der Sieger des Eröffnungsspringens im Grand Prix die Nr. 1 hervorkehren, "die du nur wirst, wenn du besser bist als andere!"

Aber wie erlebt - eine Kleinigkeit wirft auch die Besten aus dem Sattel, wenn nicht buchstäblich, so im übertragenen Sinn. Wie Thomas Frühmann, der wider Erwarten Sixth Sense aus dem Stall geholt hatte, das weltbeste Pferd, "weil der andere Gaul nicht fit ist - ich weiß nicht, was der hat, ich krieg das Gebiss nicht in die Reihe!" "Sense" wiederum, den er gesattelt hatte im Derby, sprunggewaltig, aber hochsensibel, mähte die Kombination um, die normal für sie ein Kinderspiel ist. Fehler von Reiter oder Ross? "Nein", verriet Frühmann. "Ihn hat die Video-Wall irritiert. Er hat aufs Bild geschaut und vergessen, zu springen. War schon in Stuttgart so!"

Offenbar scheut der "Sechste Sinn" instinktiv, wenn er sich selbst sieht. So können (Wunder)
Pferde sein. Lebewesen, keine PS-Maschine. Statt aufs Podest zu springen salutierte Frühmann ab. Und schonte Sixth Sense auch im Teamspringen.

Wie bei Hugo Simon und Caldato, "der so ein Derby noch nie gegangen ist. Er ist erst acht, das jüngste Pferd hier. Und einmal muss man anfangen!" Zwei Abwürfe, Platz 16 und damit chancenlos, den sechsten Derby-Sieg in Wien zu erringen. Im GP, versprach Hugo fast listig-verschmitzt, werde es anders ausschauen, "da reit' ich den anderen!" Und geriet ins Schwärmen ob "Lors de Loi", dem er ähnliche Qualitäten bescheinigt wie E. T., dem er optisch ähnelt. "Ein Sieger-Typ", so Hugo, "der Publikum liebt. Wenn er in Fahrt ist, glüht der Boden!" Der Funke sprang schon im Teamspringen über, in dem Hugo ("Ich bin immer Team-Player gewesen!"), frenetisch bejubelt von den Fans, sein Österreich-Trio (mit Julia Kayser, Jürgen Krakow) zum Erfolg führte - und die Einzelwertung gewann auf Lors de Loi. Ist auch er außerirdisch wie E. T.? Wie auch immer: Hugo mag man eben. Andersrum: Kleiner Kämpfer, großer Liebling.

Im Hallen-Derby neu, dem längsten der Welt (700 m) mit Donau und Hürden wie in Pionierzeiten hatte WM-Parcours-Chef Frank Rothenberger einen Kurs hingestellt, der alles brachte, Stürze (wie von Meister Stefan Eder) inklusive. "Am Ende sind vier übergeblieben, fast ein Wunsch", meinte Rothenberger zur packenden Konkurrenz mit deutschem Außenseitersieg: Thomas Mühlbauer aus Bayern, Besitzer eines 5-Stern-Wellness-Hotels, der aus Berufsstress selten reitet, errang nach dem Sieg im GP München auf Asti Spumante den nächsten Erfolg. Frühmann, der ihn eingeladen hatte ("Ich kenn den Vater 35 Jahre") zog den Hut. "Er reitet echt gut. Und ist ein Superbursch!"

Gegen Mühlbauer, Böckmann und Europameister Ahlmann (alle D) konnte Julia Kayser aus Tirol, seit 2000 in Holland (mit Marc Houtzager) daheim, keinen Alarm mehr schlagen - obwohl das Ross so heißt. Trotzdem war's eine Sensation. Im Frühjahr hatte sich Julia die Schulter, dann den Knöchel gebrochen. Gelobt sei, was hart macht. Auf Pherna rechnet sich Julia GP-Außenseiterchancen aus.

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