[Valencia/sb] In der 34. Runde wurde es so laut, als hätte Spanien schon die Fußball-EM gewonnen. Lokalmatador Fernando Alonso übernahm im Ferrari die Führung, zeitgleich war das Rennen für Doppelweltmeister Sebastian Vettel zu Ende. Am Red-Bull-Boliden des Deutschen gab es einen technischen Defekt. „Das ist Scheiße gelaufen", meinte Vettel wortkarg.
Kaum Worte fand nach den 57 Runden auch Alonso - allerdings vor Freude. Der Spanier schaffte es als Erster, heuer zwei Saisonrennen zu gewinnen. Mit feuchten Augen lauschte der 30-Jährige den Klängen seiner Hymne. „Das war vielleicht der emotionalste Sieg, den ich jemals hatte", meinte Alonso später. „Jetzt, während die Fußball-EM läuft und mit all den Fans, fühle ich mich sehr stolz, ein Spanier zu sein."
Der Finne Kimi Räikkönen als Zweiter setzte die tolle Saison von Lotus fort.
Grund zur Freude hatte auch Michael Schumacher. Zum ersten Mal seit seinem Comeback stand der Rekordweltmeister wieder auf dem Podium, der 43-Jährige hatte sechs Jahre darauf warten müssen. „Erst als ich die Linie überquert habe, habe ich meine Freunde in der Box gefragt, wo wir gelandet sind. Ich konnte es gar nicht glauben", meinte „Schumi" perplex. Red Bull forderte noch eine Untersuchung, weil Schumacher trotz Gelbphase am Heckflügel seines Mercedes das sogenannte DRS-System geöffnet hatte. Doch der Deutsche durfte seinen dritten Platz behalten.
Dem Mercedes-Piloten kamen dabei auch einige Ausfälle zugute: Neben Vettel fiel auch der bisherige WM-Leader Lewis Hamilton (McLaren) nach einer Kollision mit Williams-Pilot Pastor Maldonado in der vorletzten Runde aus. Wütend schlug der Brite auf sein Lenkrad ein, ehe er aus dem Wagen stieg. Maldonado, der als Zehnter ins Ziel gekommen war, fasste nachträglich eine Zeitstrafe aus und rutschte aus den Punkterängen. Auch Räikkönens Teamkollege Romain Grosjean musste schon vorzeitig Feierabend machen. Der Franzose wäre fast der achte Sieger im achten Rennen geworden, lag nach 41 Runden noch aussichtsreich auf Platz zwei, ehe eine defekte Lichtmaschine seinen Arbeitstag beendete.
Vettel wittert Verschwörung
Dasselbe Problem kostete auch Vettel seinen dritten Sieg in Folge auf dem kurvenreichen Kurs in Valencia. Red Bulls Motorsportdirektor Helmut Marko vermutete, dass sich der 24-Jährige das Problem während der Safety-Car-Phase eingefangen hatte. Auch Vettel war danach sauer auf die Rennleitung, witterte eine Verschwörung. „Das Safety Car hätte man sich sparen können. Ich glaube, da ging es darum, das Feld einzubremsen." Der Zorn war nachvollziehbar: Fast eine halbe Minute Vorsprung hatte Vettel, bis Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) mit Heikki Kovalainen (Caterham) kollidierte und in der 30. Runde das Safety Car auf die Strecke geschickt wurde.
Ergebnis des Grand Prix von Europa:
1. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:44:16,649
2. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus +6,421
3. Michael Schumacher (GER) Mercedes +12,639
4. Mark Webber (AUS) Red Bull +13,628
5. Nico Hülkenberg (GER) Force India +19,993
6. Nico Rosberg (GER) Mercedes +21,176
7. Paul di Resta (GBR) Force India +22,866
8. Jenson Button (GBR) McLaren +24,653
9. Sergio Perez (MEX) Sauber +27,777
10. Pastor Maldonado (VEN) Williams +34,630
11. Bruno Senna (BRA) Williams +35,961
12. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso +37,041
13. Witali Petrow (RUS) Caterham +1:15,871
14. Heikki Kovalainen (FIN) Caterham +1:34,654
15. Charles Pic (FRA) Marussia +1:36,551
16. Felipe Massa (BRA) Ferrari +1 Runde
17. Pedro de la Rosa (ESP) HRT +1 Runde
18. Narain Karthikeyan (IND) HRT +1 Runde
19. Lewis Hamilton (GBR) * McLaren +2 Runden
*Hamilton nach Kollision mit Maldonado in vorletzter Runde out, aber in der Wertung. Dieser Zwischenfall wurde nach dem Rennen untersucht.
Ausgeschieden: Romain Grosjean (FRA) Lotus, Kamui Kobayashi (JPN) Sauber, Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso, Sebastian Vettel (GER) Red Bull
Nicht am Start: Timo Glock (GER) Marussia (wegen Darminfektion)
Stand in der WM-Wertung
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