Fernando Alonso behält weiterhin die Vorfahrt in der Formel 1. Der spanische Ferrari-Fahrer war am Sonntag auch beim Grand Prix in Hockenheim nicht zu bremsen und fuhr nach dem Gewinn des Qualifyings einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen.
Hinter Alonso aber wurde es im Duell um die weiteren Podestplätze interessant. Denn in der vorletzten Runde überholte Sebastian Vettel den Briten Jenson Button und verließ bei diesem Manöver mit allen vier Rädern die Rennstrecke. Es war der zweite Punkt, in dem Red Bull an diesem Renntag in Konflikt mit dem Reglement des Automobilweltverbandes FIA geriet. Der Rennstall wurde freigesprochen, Vettel aber bestraft und mit einer 20-Sekunden-Zeitstrafe belegt. Damit verlor er den zweiten Platz an Jenson Button und landete auf Platz 5.
Alonso tangierte all das nicht. Er feierte seinen 30. GP-Sieg und befindet sich weiter auf WM-Kurs. Nach zehn von 20 Saisonrennen führt er dank des dritten Saisonsieges mit 154 Punkten vor Red-Bull-Pilot Mark Webber (120) die Fahrer-WM an. „Was soll ich sagen? Es hat alles einfach gepasst."
Wirbel vor und nach dem Rennen
Vor jedem Grand Prix untersuchen „Stewards" der FIA und technische Delegierte noch jeden Rennwagen. Es könnte ja sein, dass an Chassis und Motor etwas verändert wurde, was dem Reglement widerspräche. Am Hockenheimring ließ der Delegierte Jo Bauer nach seinem Rundgang aufhorchen: Er bemängelte den Motor der Red-Bull-Rennwagen. Kurzerhand war von einem Start aus der Boxengasse oder sogar einer Disqualifikation die Rede.
Vettel beim Heimrennen nicht dabei, eine Horrorvision für Vermarkter und Veranstalter. Bauer stellte dennoch das Drehzahlmoment infrage. Seiner Meinung nach liege ein Verstoß gegen Artikel 5.5.3 des Technischen Reglements (Stichwort: Motor) vor.
Damit zog er sich den Zorn des RB-Chefs Christian Horner zu. „Ich weiß nichts von Regelwidrigkeiten", grollte er, verlor aber über die Verwendung der Auspuffgase für die Aerodynamik kein Wort. Das Team um Designguru Adrian Newey hatte die Autos mit Löchern im Unterboden, vor den Hinterreifen, ausgestattet. Das war nachträglich verboten worden. In Deutschland jedoch blieben Sanktionen aus. Horner: „Wir haben die Sache mit den Stewards diskutiert. Unser Auto ist regelkonform."
Die offizielle Mitteilung klang wenig später jedoch anders: „Die Rennkommissare haben nicht alle Argumente von Red Bull akzeptiert." McLaren protestierte - aber nicht wegen des Autos, sondern Vettels Fahrstils. Die Briten sollte recht behalten, der Deutsche nahm es zerknirscht zur Kenntnis. „Zu mir hat Button nichts gesagt."
Ergebnis, GP von Hockenheim:
1. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:31:05,862
2. Jenson Button (GBR) McLaren 6,949
3. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 16,409
4. Kobayashi (JPN) Sauber 21,925
5. Vettel (GER) Red Bull 23,721
6. Perez (MEX) Sauber 27,896
7. Schumacher (GER) Mercedes 28,970
8. Webber (AUS) Red Bull 46,941
9. Hülkenberg (GER) Force India 48,162
10. Rosberg (GER) Mercedes 48,889.
Fahrer: Alonso (154) vor Webber (120).
Konstrukteure: 1. Red Bull 238 2. Ferrari 177.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)
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