Bereits nach wenigen Sekunden stockte den Zuschauern der Atem. Unmittelbar nach dem Start touchierte Lotus-Pilot Romain Grosjean bei einem unmotivierten Seitenwechsel das Rad von Lewis Hamiltons McLaren, der Engländer konnte nicht verhindern, dass er das Auto des Franzosen direkt auf Fernando Alonso katapultierte. Der Spanier hatte Riesenglück, der Lotus flog nur Zentimeter an seinem Kopf vorbei. Das Rennen aber war für den WM-Führenden bereits nach wenigen Sekunden vorbei – die erste Nullnummer nach 23 Rennen in den Punkterängen.
Während Hamilton, Grosjean und der ebenfalls verwickelte Mexikaner Sergio Pérez ihre Boliden selbst verlassen konnten, mussten Alonso Stewards zu Hilfe kommen. Doch glücklicherweise überstanden alle Piloten den Crash unverletzt. Vor allem Hamilton ließ seinem Ärger freien Lauf und bedachte Grosjean mit wenig netten Gesten. „Über den Start will ich nicht sprechen. Jeder konnte sehen, was passiert ist“, gab sich Hamilton danach wortkarg.
Nach vier Safety-Car-Runden führte sein Teamkollege Jenson Button das Feld vor Kimi Räikkönen (Lotus) und Michael Schumacher (Mercedes) an. Der Rekordweltmeister war im Chaos vom 13. auf den fünften Platz nach vorne gespült worden und ließ in seinem „Wohnzimmer“ seine Klasse aufblitzen, war phasenweise sogar Zweiter. Nach dem Verlust des sechsten Ganges am Ende belegte Schumacher in seinem 300. Grand Prix schließlich Rang sieben.
Einziger dunkler Punkt war ein unsauberes Manöver des 43-Jährigen gegen Vettel bei der Boxeneinfahrt – eine Aktion, die die FIA noch beschäftigen könnte. An der Spitze fuhr Button ein souveränes Rennen und hatte mit der Ein-Stopp-Strategie auf den schnellen Hügeln von Spa auf die richtige Karte gesetzt. Der Engländer verbuchte einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg und triumphierte nach dem Grand Prix von Australien zum zweiten Mal in dieser Saison. „Die Strecke ist etwas Besonderes. Hier zu gewinnen ist sehr speziell“, sagte Button nach seinem ersten Sieg in Spa.
Vettel begeistert mit Aufholjagd
Zu Button aufs Podest gesellten sich Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel und Räikkönen. Der Deutsche war nur von der zehnten Position ins Rennen gegangen, startete jedoch eine eindrucksvolle Aufholjagd. Nachdem er beim Start zwei Plätze zurückgefallen war, hatte sich der 25-Jährige bis zur 20. Runde bereits auf Rang zwei vorgearbeitet, den er auch nach dem Boxenstopp wieder zurückeroberte.
„Es war ein verrücktes Rennen. Wir hatten eine gute Strategie“, sagte Vettel, der sich nun auch wieder Hoffnungen auf die Titelverteidigung machen darf. Denn aufgrund von Alonsos Ausfall fehlen ihm in der Gesamtwertung nur noch 24 Punkte auf den Spanier. Für Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko wäre sogar noch mehr zu holen gewesen: „Leider war Sebastians Start nicht gut, sonst hätten wir sogar gewinnen können.“
Nach der Sommerpause jagt in der Formel 1 in den nächsten Wochen ein Highlight das nächste: In nur 83 Tagen stehen acht Rennen auf dem Programm. Bereits am kommenden Sonntag wird im italienischen Monza das letzte Europa-Rennen gestartet. Ohne Grosjean. Er wurde wegen der von ihm verursachten Startkollision für ein Rennen gesperrt. Zudem muss der Franzose 50.000 Euro Bußgeld zahlen.
Ergebnis: 1. Button (GBR) McLaren 1:56,163 2. Vettel (GER) Red Bull 13,624 3. Räikkönen (FIN) Lotus 25,334 4. Hülkenberg (GER) Force India 27,843 5. Massa (BRA) Ferrari 29,845 6. Webber (AUS) Red Bull 31,244 7. Schumacher (GER) Mercedes 53,374 8. Vergne (Frau) Toro Rosso 58,865 9. Ricciardo (AUS) Toro Rosso 1:02,982 10. Di Resta (GBR) Force India 1:03,783.
Fahrer-WM (nach zwölf von 20 Rennen): 1. Alonso (ESP) Ferrari 164 2. Vettel (GER) Red Bull 140 3. Webber (AUS) Red Bull 132 4. Räikkönen (FIN) Lotus 131 5. Hamilton (GBR) McLaren 117 6. Button (GBR) McLaren 101.
Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 272 2. McLaren 218 3. Lotus 207 4. Ferrari 199.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)
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