22.05.2013 10:56 Merkliste 0

Abschied vom schnellsten Lebensretter der Welt

13.09.2012 | 17:28 |  Von Markku Datler (Die Presse)

Der Motorsport trauert um Formel-1-Arzt Sid Watkins. Der englische Neurochirurg rettete vielen Piloten das Leben, bei Senna und Ratzenberger aber war auch der „Prof“ machtlos. Er starb am Mittwoch in London.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

London/Wien. „Setzen Sie sich, junger Mann, kein Problem. Es ist wie mit den Fahrern. Alle gehören zu meiner Familie. Sie reden mit mir und schon geht es ihnen besser!“ So steril die Formel 1 auch sein mag, es gibt immer wieder Persönlichkeiten, die für Lichtblicke sorgten. Einer dieser seltenen Spezies war Professor Sid Watkins, der am Mittwoch im Alter von 84 Jahren in London verstorben ist.

Der englische Neurochirurg war von 1978 bis 2004 fixer Bestandteil des F-1-Zirkus und hatte für Fahrer, Funktionäre und Journalisten immer ein offenes Ohr. Für viele war Watkins nicht nur die gute Seele, die während des Rennens in der Ausfahrt der Boxengasse auf seinen Einsatz wartete, sondern auch der Lebensretter. Er war zur Stelle, als Gerhard Berger 1989 in Imola seinen schrecklichen Unfall hatte, der Brite leistete auch die Erstversorgung von Karl Wendlinger 1994 in Monaco. „Nur bei den Unfällen von Ratzenberger und Senna in Imola 1994 konnte ich nichts mehr machen. Das waren meine schlimmsten Stunden“, sagte Watkins 2001 im Gespräch mit der „Presse“ beim Golfturnier im Rahmen des Spielberg-GP.

Als Vorsitzender der FIA- Kommission für Sicherheit hatte Watkins großen Anteil daran, dass Chassis verstärkt wurden und die Sicherheit der Piloten gewährleistet war. Obwohl tödliche Unfälle nach Senna bis dato in der Formel 1 ausblieben, ließ Watkins niemals den Faktor der Gefahr außer Acht geraten, betrachtete ihn jedoch stets mit britischem Humor: „Ich habe Menschen vom Barhocker fallen sehen, die sich dabei das Genick brachen. That's life!“

Nachfolger als Chefmediziner in der F-1-WM ist seit 2004 der US-Arzt Gary Hartstein. Er setzte Watkins' Arbeit fort, soll jedoch sofort bei seinem ersten Einsatz Änderungen am Dienstfahrzeug vornehmen haben lassen. Mercedes hatte dem „Prof“ in Indianapolis 2000 eine „Spezialanfertigung“ geschenkt. Das Handschuhfach im AMG-Medical-Car wurde in einen Humidor umgebaut, in der Mittelablage war Platz für eine Minibar. So hatte es sich Sid Watkins immer gewünscht. Jeden Sonntag, nach einem für ihn problemlosen Rennen, gönnte er sich, nachdem das letzte Auto über die Ziellinie gefahren war, eine dicke Cohiba-Zigarre und dazu einen tüchtigen Schluck Single-Malt-Whisky.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

1 Kommentare
Gast: ladie frolic
17.09.2012 11:01
0 0

"Senna" im Filmmuseum

Sid Watkins Bemühen um das Leben der Rennfahrer ist zu sehen in der nicht konventionellen Biografie "Senna" am 27. und 28. September im Österreichischen Filmmuseum.

Die Formel-1-Saison 2013