Wien. Jetzt ist in der Formel 1 auch diese Personalfrage geklärt, das wochenlange Rätselraten ist am Freitag beendet worden. Der Rekordweltmeister ist aus dem Rennen, Michael Schumacher wird am 25. November seinen letzten Grand Prix für Mercedes bestreiten. Der 43-Jährige wird also ausgemustert, die Ehe wird nach drei Jahren beendet. Der Rennstall aus Stuttgart stand stets treu hinter Schumacher, erst im Frühjahr hatte sich Teamchef Ross Brawn für das angeblich zu langsame Auto entschuldigt. Aber Schumacher hat Fehler gemacht, zu viele Fehler. Nach dem desaströsen Wochenende in Singapur wollten die Verantwortlichen eine endgültige Lösung – und plötzlich war die Liebe zu Michael Schumacher erkaltet. Und das Interesse an McLaren-Fahrer Lewis Hamilton größer. Auf der Vorstandssitzung ist dann die Entscheidung gefallen – zugunsten des Briten, der mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet wird.
„Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes-Team, die leider sportlich nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alles gewünscht haben“, lautete der Kommentar von Schumacher. Der alternde Superstar aus Kerpen, der noch sechs Rennen für die Stuttgarter bestreiten wird, muss aber angesichts der neuen Entwicklung ganz schön frustriert sein. „Die Trennung“, schreibt „Die Welt“, „muss ihm wie eine Kündigung vorkommen.“ Denn immerhin war Michael Schumacher 2009 gekommen, um Weltmeister zu werden.
Für den Deutschen wird der 27-jährige Brite Lewis Hamilton das Steuer der Silberpfeile übernehmen. Medienberichten zufolge soll das Vertragsvolumen bei 75,5Millionen Euro liegen. „Ich wünsche Lewis alles Gute und der gesamten Mannschaft den Erfolg, für dessen Aufbau wir so hart gearbeitet haben“, sagt Schumacher. Und Hamilton, der so richtig hoch und lange gepokert hat, meint: „Es wird Zeit für eine neue Herausforderung.“
„Das kam für mich nicht überraschend“, sagt Niki Lauda, der von Mercedes als Aufsichtsratsvorsitzender verpflichtet wurde. Lauda lobt das Team jetzt schon. „Lewis Hamilton als einen der drei schnellsten Fahrer von einem Rennstall wie McLaren wegzubekommen, das ist schlechthin eine Sensation. Für Mercedes ist das ein wirklicher Schritt nach vorne – weil das künftige Duo Hamilton/Rosberg für eine riesige Motivation sorgen wird.“ Nachsatz: „Jetzt benötigen die beiden nur noch ein Auto, das besser ist als das aktuelle.“
Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda ist künftig als Vorsitzender des Aufsichtsgremiums verantwortlich für – Erfolge. „Ich habe dort die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass unten umgesetzt wird, was von oben gefordert wird. Und der Mercedes-Konzern erwartet logischerweise Siege. Ich muss beobachten, ob die Entwicklung in die richtige Richtung geht.“ Lauda sieht da übrigens keine Unvereinbarkeit mit seiner TV-Expertenrolle. Er wird auch weiterhin RTL zur Verfügung stehen.
Die Nachfolge von Lewis Hamilton bei McLaren wird Sergio Pérez, der 22-jährige Mexikaner vom Schweizer Sauber-Team, antreten. Sein neuer Partner ist Jenson Button.
Bei Red Bull dürfte alles so bleiben wie bisher, fraglich ist nur noch die Zukunft von Felipe Massa bei Ferrari. Pérez könnte bei Sauber durch den Spanier Jaime Alguersuari ersetzt werden.
Das Transferkarussell ist in der Formel 1 in Schwung gekommen. Lewis Hamilton (li.) ersetzt bei Mercedes vorerst einmal für drei Jahre Michael Schumacher, der Mexikaner Sergio Pérez wird künftig für McLaren fahren. Ihn könnte bei Sauber der Spanier Jaime Alguersuari ersetzen.
Niki Lauda gibt eine Art Comeback in der Motorsport-Königsklasse, der 63-Jährige wird Aufsichtsratsvorsitzender beim Mercedes-Team. Lauda will dennoch TV-Experte für RTL bleiben. [imago]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2012)
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