Yeongam/Wien. Die Formel 1 gilt als steriler, von Macht, Industrie und Intrigen geprägter Sport. In keiner anderen Sportart steht Geld so unbestritten im Vordergrund. Mitunter wird in der Box spioniert oder auf der Strecke gerempelt, das wird noch in Kauf genommen. Aber solche Skandale, wie sie der Radsport erlebt, sind in Ecclestones PS-Zirkus aus Geschäfts- und Imagegründen undenkbar.
Die Enthüllungen der Dopingpraktik von Lance Armstrong durch die US-Anti-Doping-Agentur verdarben F1-Weltmeister Sebastian Vettel die Stimmung. Die schnellste Runde beim Training für den Grand Prix von Südkorea am Sonntag (8Uhr, ORFeins) war schnell vergessen. Vettel sagt: „Ich habe mein Vorbild verloren. Armstrong ist vielen Leuten ein Begriff, nicht nur im Radsport. Im Nachhinein in dieser Hinsicht enttäuscht zu werden ist sehr, sehr schade.“
Träger des „Gelben Armbandes“
Das Denkmal Armstrong existiert nicht mehr. Auch F1-Stars sind manchmal nur Fans und der 25-jährige Heppenheimer war glühender Anhänger des Texaners, der ihm mit seiner Lebensgeschichte, Leiden und Siegen imponiert hat. Dass der Radstar laut USADA „das raffinierteste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben“ hat und Kollegen eingeschüchtert haben soll, deprimierte Vettel.
Fernando Alonso trug wie viele andere auch stolz das „Gelbe Armband“ mit dem Livestrong-Schriftzug. Es irritiert, das alle Erfolge des Texaners nur dank der verbotenen Substanzen zustande gekommen sein sollen, meinte Alonso, der Armstrong dennoch als „Inspiration“ bezeichnete.
Wer in den Rückspiegel blickt, sieht nicht nur seine Verfolger, sondern überdenkt mitunter auch die eigenen Fehler. Aber nicht jeder will sich diesem Blick stellen oder fällt gar ein Urteil, etwa wie Michael Schumacher. Armstrong gewann sieben Mal die Tour de France, der Deutsche sieben Mal die Formel-1-WM. Auch er war nicht immer makellos (Ramm-Unfälle, Teamorder etc.) unterwegs, er sagt: „Eine Sportart findet immer zu einem bestimmten Zeitpunkt unter bestimmten Umständen statt. Aber zehn Jahre später mit dem heutigen Wissen über Dinge von damals zu urteilen, halte ich nicht für gut.“
Verteilte die Exfrau Cortison?
Am Freitag sickerten weitere Details über Armstrongs System durch. So soll laut dem USADA-Bericht seine Exfrau Kristin Cortison-Tabletten in Alufolie verpackt und an Fahrer verteilt haben. Auch der Weltverband rückt nach seiner zurückhaltenden Aufklärungsarbeit bei diesem oder anderen prominenten Dopingfällen in den Mittelpunkt der Kritik. Die Präsidenten Pat McQuaid und Hein Verbruggen sollen Doping-Stars protegiert und Befunde sogar vertuscht haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)
Stand in der WM-Wertung
Grid GirlsSchönheiten der Boxenstraße
SchnappschussDie besten Sportbilder