Yeongam/Fin. Es war nicht anders zu erwarten. Die letzten Rennen sowie das Qualifying für den GP von Südkorea waren schlichtweg zu eindeutig verlaufen: Sebastian Vettel befindet sich auf dem besten Wege, der jüngste Dreifachweltmeister der Formel 1 zu werden.
Vettel, 25, feierte einen Start-Ziel-Sieg vor seinem Teamkollegen Mark Webber. Für seinen 25. Sieg erhielt er 25 Punkte und übernahm damit auch die WM-Führung. Vettel hat 215 Punkte, Fernando Alonso 209. Und noch sind vier Rennen in Indien, Abu Dhabi, den USA und Brasilien zu bestreiten.
Kein Problem mit Webber
Nach dem vierten Saisonerfolg, dem dritten en suite nach Singapur und Suzuka, scheint Vettel nicht mehr aufzuhalten. Die zuletzt als Problemfall bezeichnete Lichtmaschine erfüllt ihren Dienst plötzlich tadellos. Die beiden Boxenstopps liefen ebenfalls wie am Schnürchen, die Crew benötigte 2,8 und 2,9 Sekunden. Auch vom australischen Teamkollegen gab es – wenig überraschend – keinen Einwand gegen Vettels Sieg.
„Ich bin erleichtert, das war ein fantastisches Rennen, besser hätte es nicht laufen können“, sagte der Heppenheimer. „Die Basis für diesen Sieg war der gute Start. Obwohl ich von der schmutzigen Seite weggefahren bin, habe ich es geschafft, an Mark vorbeizuziehen. Ich habe dann das Kers ausgequetscht, um vorne zu bleiben. Aber unsere Mechaniker sind der nackte Wahnsinn!“
Vettel, der zuletzt nach dem Rennen am 13. Mai in Barcelona WM-Spitzenreiter gewesen war, zog mit 25 GP-Siegen auch in der „ewigen“ Bestenliste mit großen Namen gleich. Etwa mit Niki Lauda und dem Schotten Jim Clark. Nur noch sechs Piloten haben in der Königsklasse mehr Rennen gewonnen. Einer von ihnen ist der um sechs Jahre ältere Alonso, der in Südkorea keine Chance auf seinen 31. Sieg hatte.
„Wir sind ein wenig hinter den Red Bulls zurück, die im Moment schwer zu besiegen sind“, gestand der Asturier, dessen brasilianischer Teamkollege Felipe Massa Vierter wurde und sich nun wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Vertragsverlängerung bei der Scuderia machen darf.
Kaum Hoffnungen auf den Titelkampf haben hingegen die Briten Jenson Button und Lewis Hamilton. Nach dem enttäuschenden 10. Platz räumte Hamilton seine Chancenlosigkeit offen ein. „Die Logik sagt, dass es das für mich war mit dem Sieg in der Weltmeisterschaft. Also werde ich die letzten vier Rennen genießen...“
Das Überholmanöver der Saison
Für das Highlight der ganzen Saison sorgte am Sonntag jedoch Nico Hülkenberg. Der ansonst in seinem Force-India-Boliden zum Hinterherfahren gezwungene Deutsche holte in der 40. Runde zum großen Manöver aus und ließ dabei sowohl Hamilton als auch Romain Grosjean (Lotus) sehr schlecht aussehen. „Ich habe danach gejubelt, als hätte ich das Rennen gewonnen“, verriet Hülkenberg. Platz 6 blieb dennoch das Maximum der Ausbeute, allerdings verschaffte ihm der Südkorea-GP im Poker um einen neuen Vertrag die besten Karten. Da Massa bei Ferrari bleiben wird, ist Hülkenberg nun bei Sauber im Gespräch. Er soll Sergio Pérez, der zu McLaren wechselt, nachfolgen.
Grand Prix von Südkorea
1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:36:28,651
2. Mark Webber (AUS) Red Bull +8,231
3. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +13,944
Weiters: 4. Massa (BRA) Ferrari 20,168 5. Räikkönen (FIN) Lotus 36,739 6. Hülkenberg (GER) Force India 45,301 7. Grosjean (FRA) Lotus 54,812 8. Vergne (FRA) Toro Rosso 1:09,589 9. Ricciardo (AUS) Toro Rosso 1:11,787 10. Hamilton (GBR) McLaren 1:19,692.
Fahrer-WM: 1. Vettel 215 2. Alonso 209 3. Räikkönen 167 4. Hamilton 153 5. Webber 152.
Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 367 2. Ferrari 290 3. McLaren 284 4. Lotus 255 5. Mercedes 136.
Nächstes Rennen: Grand Prix von Indien am 28. Oktober in Noida, Delhi.
Sebastian Vettel machte mit dem Gewinn des F1-GP von Südkorea den nächsten Schritt in Richtung erneuten Titelgewinn. Der Doppelweltmeister feierte in Yeongam einen souveränen Start-Ziel-Sieg vor Mark Webber und übernahm mit seinem insgesamt 25.GP-Erfolg auch die WM-Führung.
Es ist sein vierter Saisonerfolg, der dritte en suite nach Singapur und Suzuka.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)
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