Neu delhi/Wien. Wie im Vorjahr und zum vierten Mal in Folge erklang nach dem Grand Prix von Indien zuerst die deutsche und dann die österreichische Hymne. Red Bull spielte seine schon in Training und Qualifying angedeutete Überlegenheit auch im Rennen aus, Sebastian Vettel bejubelte auf dem Buddh International Circuit den dritten Start-Ziel-Sieg en suite. Mehr als neun Sekunden später überquerte sein WM-Rivale Fernando Alonso im Ferrari die Ziellinie, das Podest komplettierte Vettels Teamkollege Mark Webber.
Mit dem Triumph baute Vettel seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf Alonso von sechs auf 13Punkte aus. Von einer Vorentscheidung vor den drei noch ausstehenden Rennen in Abu Dhabi, Austin und Interlagos wollte der deutsche Titelverteidiger aber nichts wissen: „Wir müssen am Boden bleiben, es ist noch ein weiter Weg. Jedes Rennen kann jetzt entscheidend sein, deshalb dürfen wir nicht zu weit nach vorn blicken, sondern müssen uns auf den nächsten Schritt konzentrieren.“
Vettel beweist Reifengespür
Von der 35.Poleposition seiner Karriere gestartet, behielt Vettel auch dank seines großen Reifengespürs die Top-Position. Erst nach mehr als der Hälfte des Rennens und deutlich später als alle anderen Topfahrer kam er zum ersten Boxenstopp. Einsam an der Spitze drehte er seine Runden auf dem „Achterbahnkurs“ im Südosten Neu Delhis, der ihm und seinem Auto sichtlich liegt. Die scherzhafte Frage, ob er gar an der Konstruktion beteiligt war, verneinte Vettel. „Alles ist perfekt gelaufen, es war ein fantastisches Wochenende. Ich bin zufrieden und glücklich“, sagte Vettel, der mit seinem 26. Sieg an Niki Lauda vorbeizog und nun auf Platz sieben der ewigen Bestenliste liegt.
WM-Konkurrent Alonso zeigte eine beherzte Aufholjagd, die am Ende aber unbelohnt blieb. Bereits im ersten Renndrittel überholte der von Platz fünf gestartete Spanier die vor ihm postierten McLaren von Lewis Hamilton und Jenson Button. Am zweitplatzierten Webber biss sich Alonso lange Zeit die Zähne aus, erst als beim Australier das Energierückgewinnungssystem KERS streikte, zog er vorbei. An der Spitze war Vettel jedoch uneinholbar. Trotz des angewachsenen Rückstands glaubt Alonso weiter an seine WM-Chance: „Wir werden nicht aufgeben. Natürlich haben wir wieder Punkte verloren, aber das war ja fast der Plan, denn wir wussten, dass wir nicht schnell genug sind. Mit Platz zwei war es das absolute Minimum und ich bin überzeugt, es kommen noch bessere Rennen.“
Die Abschiedstournee von Rekordweltmeister Michael Schumacher steuert derweil auf ein unwürdiges Ende zu. Der 43-jährige Deutsche musste nach 57 Runden aufgeben. Bereits in der ersten Kurve hatte sein Mercedes bei einer Kollision mit Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne einen Platten, weswegen Schumacher ans Ende des Feldes zurückfiel.
Der Formel-1-Tross reist nun weiter nach Abu Dhabi, am kommenden Sonntag kann jedoch noch keine WM-Entscheidung fallen. Red Bull sieht sich dort auch nicht in der Favoritenrolle. „Das ist vielleicht die Strecke, auf der wir am schwächsten sein werden“, erklärte Teamchef Christian Horner.
Grand Prix von Indien
1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:31:10,744
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +9,437
3. Mark Webber (AUS) Red Bull +13,217
Weiters: 4. Lewis Hamilton (GBR) McLaren +13,909 5. Jenson Button (GBR) McLaren +26,266 6. Felipe Massa (BRA) Ferrari +44,674 7.Kimi Räikkönen (FIN) Lotus +45,227 8. Nico Hülkenberg (GER) Force India +54,998 9. Romain Grosjean (FRA) Lotus +56,103 10. Bruno Senna (BRA) Williams +01:14,975.
Fahrer-WM (17 von 20 Rennen): 1.Vettel 240 2. Alonso 227 3. Räikkönen 173 4. Webber 167.
Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 407 2. Ferrari 316 3. McLaren 306 4. Lotus 263 5. Mercedes 136.
Nächstes Rennen: GP von Abu Dhabi, 4. 11.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2012)
Stand in der WM-Wertung
Grid GirlsSchönheiten der Boxenstraße
SchnappschussDie besten Sportbilder