Vettel erobert Graz "Spielberg wäre unser Heim-GP"

01.12.2012 | 18:25 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Vettel begeisterte 30.000 Fans bei seinem Auftritt in Graz. Er ließ die Reifen rauchen und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Red Bull muss für 2013 die Rekordstartgebühr von 2,5 Mil. Euro an die FIA entrichten.

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Menschenmassen drängten in die Grazer Innenstadt. „Gemma Vettel schauen“ hieß das Motto, und selbst das nasskalte Wetter konnte dem Auftritt des Dreifach-Weltmeisters Sebastian Vettel nicht den Glanz nehmen. Der Deutsche ließ auch die Reifen des RB8-Rennwagens rauchen, der 25-Jährige fuhr eine Runde durch die obere Altstadt, stand Rede und Antwort und schrieb geduldig Autogramme oder trug sich mit Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko in das Goldene Buch der Stadt ein.

Schon eine Stunde vor dem Start waren alle Plätze an den Absperrungen und Zäunen dicht besetzt. Das Durchkommen zum Freiheits- und Karmeliterplatz war nahezu unmöglich. Laut Veranstalter soll der jüngste Dreifach-Champion der Formel 1 über 30.000 Menschen am ersten Adventsamstag angelockt haben. Für seinen eigenen Fanclub hatte Vettel auch Sorge getragen. 200 Mitglieder des Fanklubs aus Heppenheim, seiner Heimatstadt, wurden extra nach Graz eingeflogen.

Österreich und Red Bull hat der Hesse jedoch als „zweite Heimat“ zu schätzen gelernt, sagte er beim PR-Termin in der Grazer Universität. Und dabei ließen er und Marko aufhorchen – eine Rückkehr eines Österreich-GP sei trotz der F1-Expansion nach Asien nicht ausgeschlossen. Vettel sagt: „Spielberg, das wäre dann ja unser Heim-Grand-Prix.“ Marko fügte hinzu: „Bei Didi Mateschitz heißt es: Sag niemals nie...“


Wie viel Österreich? Viele Formel-1-Fans stellen sich auch immer öfter – vor allem nach Siegen und dem Ertönen der Bundeshymne – eine Frage: Wie viel Österreich steckt wirklich im Red-Bull-Team?

Das Racingteam hat seinen Sitz in Milton Keynes, 57 Kilometer von London entfernt. In Großbritannien werden die Rennwagen unter Aufsicht von Designer Adrian Newey konstruiert und gebaut. Das Budget – es soll sich auf 270 Millionen Euro pro Jahr belaufen – wird in Fuschl am See festgelegt. Hier beraten Didi Mateschitz, Teamchef Christian Horner und Motorsport-Experte Helmut Marko auch über Strategien und Personalentscheidungen. Weil das Team mit österreichischer Lizenz unterwegs ist, ertönt bei Siegen die Hymne.

Technische Belange obliegen vorwiegend den Briten, vereinzelte Teile jedoch werden aus Österreich zugeliefert. Für Pleuelstangen, Kolben, Zahnräder und den Auspuff sorgt etwa die Firma Pankl, in der kompletten Formel1 läuft übrigens kaum ein Motor ohne Zubehör der AG aus Bruck an der Mur. Aus Salzburg kommen Chassis-Teile, entwickelt von der Firma Carbo-Tech. Beide Unternehmen verdanken gut 25 Prozent ihres Umsatzes der Formel 1, und eine weitere Steigerung ist in Sicht. 2014 soll der Rennbetrieb auf 1,6-Liter-Motoren mit Hybrid-Eigenschaften umgestellt werden. Dieses Unterfangen verlangt jedoch noch viele Tests und somit stets neues Material.


Kassa der FIA klingelt. Der Internationale Automobilweltverband (FIA) verlangt für die Saison 2013 von jedem Team einen Fixbetrag von 385.000 Euro. Dazu kommen pro WM-Punkt 3850 Euro, Red Bull muss als Konstrukteursweltmeister somit 4620 Euro für jeden seiner 460 Zähler locker machen. Damit wurde der Rekordbetrag von 2,5Millionen Euro fällig. Ferrari muss 1,9 Mio. Euro einzahlen.

Bislang hatte die Startgebühr pro Team nur 309.000 Euro pro Saison betragen, das Gebührensystem wurde jedoch – aus purer Fairness, wie FIA-Präsident Jean Todt erklärt – reformiert; die Beitragssummen wurden erhöht. Den Schatzmeister freut es, kolportierte 12,7 Millionen Euro wurden eingenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2012)

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6 Kommentare

Logistik katastrophal

Wie für diesen Menschenauflauf eine Genehmigung erteilt werden konnte, schleierhaft. Dass "Veranstalter" sich diese Events kräftig von der öffentlichen Hand sponsern lassen und nicht einmal die Verkehrslogistik für so einen Besucheransturm überdenken müssen, ist ein Skandal.

Re: Logistik katastrophal

Wenn der Besucheransturm zum die Radfahrer- und die Läufer schauen gleich mehrere Stadtbezirke stundenlang blockieren ist das natürlich wieder ganz etwas anderes. Außerdem kamen alle mit den Öffis ins Zentrum, da wegen dem 1. Advent gratis. Vielleicht fiel auch für die Innenstadtgeschäfte auch noch was zusätzlich ab. Sonst wutzeln sich die Leute durch die Einkaufszentren am Stadtrand. Da fahren aber alle mit den PKWs hinaus und wieder zurück.

Re: Re: Logistik katastrophal

Es kamen eben nicht alle über die Öffis in die Innenstadt. So manch eine Tram war an der Endhaltestelle schon so überfüllt, dass etliche genervt wieder in ihr Auto stiegen oder wieder mit dem Bus ihre Rückfahrt antraten. Auch ohne Großveranstaltung wären die Öffis aus- bis überlastet gewesen.
Die Radfahrer und Läufer haben auf so kleinem Flecken jedenfalls noch nie solche Menschenmassen angezogen, wobei ersters Event am späten Nachmittag/Abend unterm Jahr gewesen und nicht mehr ist sowie die Läufer Sonntage lahm legen, wo ohnehin schon nur mehr ein Rumpf-Öffi-Verkehr geboten wird. Und nein, das ist nicht was ganz anderes - der heurige Stadtmarathon war schlichtweg eine Zumutung, da bis auf eine Brücke, sämtliche Brücken über die Mur blockiert waren und ein Durchkommen zwischen dem Osten und Westen der Stadt oft nicht einmal zu Fuß möglich war.

Die ganze hysterische und stadtvereinanhmende "Organisation" von Events in Graz, begünstigt durch effektheischende Politiker und willfährig-kompenzlose Beamtenschaft, ist indiskutabel.

Re: Re: Re: Logistik katastrophal

Da muss ich Ihnen ja beipflichten,wenn auch andere Veranstaltungen ganze Straßenzüge und die Öffis blockieren . Und genau so war es auch von mir auch gemeint mit:... ist das ganz was anders. ..."stadtvereinanhmende "Organisation" von Events..."ist wohl auch der Versuch die Menschen wieder vermehrt ins Zentrum zu bringen.Zu den Fußballspielen und anderen Veranstaltungen im Stadion gibt es ja auch Einschubwägen. Sicher hat man diesmal darauf vergessen.Deshalb in dem Fall ganz richtig:Logistik katastrophal!

Re: Re: Logistik katastrophal

Es kamen eben nicht alle über die Öffis in die Innenstadt. So manch eine Tram war an der Endhaltestelle schon so überfüllt, dass etliche genervt wieder in ihr Auto stiegen oder wieder mit dem Bus ihre Rückfahrt antraten. Auch ohne Großveranstaltung wären die Öffis aus- bis überlastet gewesen.
Die Radfahrer und Läufer haben auf so kleinem Flecken jedenfalls noch nie solche Menschenmassen angezogen, wobei ersters Event am späten Nachmittag/Abend unterm Jahr gewesen und nicht mehr ist sowie die Läufer Sonntage lahm legen, wo ohnehin schon nur mehr ein Rumpf-Öffi-Verkehr geboten wird. Und nein, das ist nicht was ganz anderes - der heurige Stadtmarathon war schlichtweg eine Zumutung, da bis auf eine Brücke, sämtliche Brücken über die Mur blockiert waren und ein Durchkommen zwischen dem Osten und Westen der Stadt oft nicht einmal zu Fuß möglich war.

Die ganze hysterische und stadtvereinanhmende "Organisation" von Events in Graz, begünstigt durch effektheischende Politiker und willfährig-kompenzlose Beamtenschaft, ist indiskutabel.

Pressekonferenz in der Universität?

Also die Pressekonferenz war keineswegs in der Universität, sondern in der Aula der alten Universität. Das war zwar mal die erste grazer Uni, eigentlich eine Jesuitenschule, hat aber mit keiner der grazer Unis was zu tun, sondern dabei handelt es sich um ein Veranstaltungszentrum der Stadt und einen der schönsten Säle von Graz der bis 2003 als Aktenarchiv missbraucht wurde, dann aber im Zuge des Kulturhauptstadtjahres renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde

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