Vettel erobert Graz "Spielberg wäre unser Heim-GP"

Vettel begeisterte 30.000 Fans bei seinem Auftritt in Graz. Er ließ die Reifen rauchen und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Red Bull muss für 2013 die Rekordstartgebühr von 2,5 Mil. Euro an die FIA entrichten.

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(c) GEPA pictures (GEPA pictures Hans Oberlaender)

Menschenmassen drängten in die Grazer Innenstadt. „Gemma Vettel schauen“ hieß das Motto, und selbst das nasskalte Wetter konnte dem Auftritt des Dreifach-Weltmeisters Sebastian Vettel nicht den Glanz nehmen. Der Deutsche ließ auch die Reifen des RB8-Rennwagens rauchen, der 25-Jährige fuhr eine Runde durch die obere Altstadt, stand Rede und Antwort und schrieb geduldig Autogramme oder trug sich mit Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko in das Goldene Buch der Stadt ein.

Schon eine Stunde vor dem Start waren alle Plätze an den Absperrungen und Zäunen dicht besetzt. Das Durchkommen zum Freiheits- und Karmeliterplatz war nahezu unmöglich. Laut Veranstalter soll der jüngste Dreifach-Champion der Formel 1 über 30.000 Menschen am ersten Adventsamstag angelockt haben. Für seinen eigenen Fanclub hatte Vettel auch Sorge getragen. 200 Mitglieder des Fanklubs aus Heppenheim, seiner Heimatstadt, wurden extra nach Graz eingeflogen.

Österreich und Red Bull hat der Hesse jedoch als „zweite Heimat“ zu schätzen gelernt, sagte er beim PR-Termin in der Grazer Universität. Und dabei ließen er und Marko aufhorchen – eine Rückkehr eines Österreich-GP sei trotz der F1-Expansion nach Asien nicht ausgeschlossen. Vettel sagt: „Spielberg, das wäre dann ja unser Heim-Grand-Prix.“ Marko fügte hinzu: „Bei Didi Mateschitz heißt es: Sag niemals nie...“


Wie viel Österreich? Viele Formel-1-Fans stellen sich auch immer öfter – vor allem nach Siegen und dem Ertönen der Bundeshymne – eine Frage: Wie viel Österreich steckt wirklich im Red-Bull-Team?

Das Racingteam hat seinen Sitz in Milton Keynes, 57 Kilometer von London entfernt. In Großbritannien werden die Rennwagen unter Aufsicht von Designer Adrian Newey konstruiert und gebaut. Das Budget – es soll sich auf 270 Millionen Euro pro Jahr belaufen – wird in Fuschl am See festgelegt. Hier beraten Didi Mateschitz, Teamchef Christian Horner und Motorsport-Experte Helmut Marko auch über Strategien und Personalentscheidungen. Weil das Team mit österreichischer Lizenz unterwegs ist, ertönt bei Siegen die Hymne.

Technische Belange obliegen vorwiegend den Briten, vereinzelte Teile jedoch werden aus Österreich zugeliefert. Für Pleuelstangen, Kolben, Zahnräder und den Auspuff sorgt etwa die Firma Pankl, in der kompletten Formel1 läuft übrigens kaum ein Motor ohne Zubehör der AG aus Bruck an der Mur. Aus Salzburg kommen Chassis-Teile, entwickelt von der Firma Carbo-Tech. Beide Unternehmen verdanken gut 25 Prozent ihres Umsatzes der Formel 1, und eine weitere Steigerung ist in Sicht. 2014 soll der Rennbetrieb auf 1,6-Liter-Motoren mit Hybrid-Eigenschaften umgestellt werden. Dieses Unterfangen verlangt jedoch noch viele Tests und somit stets neues Material.


Kassa der FIA klingelt. Der Internationale Automobilweltverband (FIA) verlangt für die Saison 2013 von jedem Team einen Fixbetrag von 385.000 Euro. Dazu kommen pro WM-Punkt 3850 Euro, Red Bull muss als Konstrukteursweltmeister somit 4620 Euro für jeden seiner 460 Zähler locker machen. Damit wurde der Rekordbetrag von 2,5Millionen Euro fällig. Ferrari muss 1,9 Mio. Euro einzahlen.

Bislang hatte die Startgebühr pro Team nur 309.000 Euro pro Saison betragen, das Gebührensystem wurde jedoch – aus purer Fairness, wie FIA-Präsident Jean Todt erklärt – reformiert; die Beitragssummen wurden erhöht. Den Schatzmeister freut es, kolportierte 12,7 Millionen Euro wurden eingenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2012)

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