Formel 1: Ayrton Senna – Mythos und Magie

Nur der Tod des Champions rettete in Wahrheit vielen Piloten das Leben. Parallel zu Schuldzuweisungen und Anfeindungen began damals ein Umdenken in der Formel 1.

Schließen
(c) AP (Alexandre Meneghini)

Der Grand Prix von Imola läuft. Tausende Fans feuern am 1.Mai 1994 ihre Formel-1-Stars an. Die sechste Runde beginnt, es ist 14.17 Uhr, und dann passiert es. Ein Williams-Rennauto bricht in der Tamburello-Kurve aus und rast mit 300 km/h frontal in die Mauer. Im Augenblick des Aufpralls steht der Motorsport still, denn mit dem Brasilianer Ayrton Senna sitzt der Star, der absolute Ausnahmekönner der Szene, hinter dem Steuer.

Während Senna schwer verletzt abtransportiert wird und wenig später an den Unfallfolgen stirbt, fährt Ecclestones PS-Zirkus munter weiter. The show must go on. So war es auch am Tag zuvor, als der Österreicher Roland Ratzenberger sein Leben verloren hat. Das Rennen nimmt seinen Lauf, Michael Schumacher gewinnt. Doch die Siegesfeier endet schnell, als publik wird, dass Ayrton Senna tot ist. Er ist der 34.F1-Pilot, der auf der Rennstrecke stirbt.

 

Eine Radaufhängung

Mit dem als „Magier“ gepriesenen Rennfahrer verliert die Formel1 plötzlich ihre schillerndste Figur. Über die Unfallursache entfacht in den Monaten und Jahren danach eine hitzige Diskussion. Doch alle Protokolle und Gerichtsverhandlungen ändern nichts daran, dass eine im Aufprall abgebrochene Vorderradaufhängung Sennas Helm durchbohrt hat.

Parallel zu Schuldzuweisungen und Anfeindungen aber beginnt in der Formel 1 ein Umdenken. Nicht länger wird nur die Sinnhaftigkeit des Motorsports hinterfragt, sondern werden Sicherheitsmaßnahmen und -vorkehrungen zum Schutz der Piloten getroffen. So wird die Fahrer-Gewerkschaft GPDA wieder ins Leben gerufen. Rennstrecken werden fortan mit größeren Auslaufzonen neu konzipiert. Die Motorenleistung wird gedrosselt und die Rennautos erhalten Ende der 90er-Jahre ein Monocoque. Der „Überlebenszelle“ ist es heute noch zu verdanken, dass Unfälle wie der von Robert Kubica 2007 in Montreal kein Menschenleben fordern. Obwohl totale Sicherheit im Motorsport unmöglich ist, ist seit dem Horrorwochenende von Imola 1994 kein Fahrer mehr gestorben.

PS-Monster, schlechte Strecken und gefährliche Kurven sind in Vergessenheit geraten. Der Mythos Ayrton Senna aber fährt bei vielen weiterhin im Gedächtnis mit. Nur der Tod des Champions rettete vielen Piloten das Leben. fin

ZUR PERSON

Ayrton Senna
(* 21. März 1960 in São Paulo;
† 1. Mai 1994) war einer der besten Formel-1-Piloten aller Zeiten. Beim GP von San Marino verunglückte er in Imola tödlich.

Er bestritt 161 Grand Prix für Toleman, Lotus, McLaren und Williams, gewann 41 und wurde dreimal Weltmeister (1988, 1990, 1991). [EPA]

Senna wurde 2004 von einem Fachgremium „zum schnellsten F1-Fahrer der Geschichte“ gewählt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2009)

Kommentar zu Artikel:

Formel 1: Ayrton Senna – Mythos und Magie

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen