Ein ganz anderer Boxenstopp

Formel 1. Renault gewährte in Spielberg Einblick in das Herz des F1-Teams, die „Presse“ durfte Eindrücke sammeln, das zweite Training und die Arbeit der Mannschaft rund um Alain Prost aus einem seltenen Blickwinkel mitverfolgen.

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„Du willst bei uns in die Box, den Technikern und Sportdirektor Alan Permane bei ihrer Arbeit zuschauen?“ Luca, ein Mitarbeiter des Renault-F1-Teams fragt, er lächelt. Der Italiener wollte sich nur versichern, dass er den richtigen Besucher beim Spielberg-Grand-Prix beim Eingang in Empfang nimmt, ehe er den Weg weist ins Herz der Franzosen – die Box. „Du kannst machen was du möchtest, aber wenn wir die Verkleidung der Autos heben, darfst du nicht fotografieren. Okay?“

Drinnen ist es penibel sauber, nichts erinnert an eine klassische Werkstatt. Es geht vorbei an Reifenstapeln, Kisten voll Kabeln und einem Turm, auf dem Kopfhörer und Funkgeräte sonder Zahl hingen. Daneben prangten übereinandergelagert diverse „Ersatznasen“ der Rennautos und hinter hohen Trennwänden, die endgültig jeden Blick eines Kiebitzes unmöglich machten, ruhten die beiden F1-Autos von Nico Hülkenberg (links) und Jolyon Palmer. Computer zeigten Grafikkurven, auf Bildschirmen flimmerten Testzeiten, dazu surrte unentwegt ein Kühlgerät. Diverse Reifen waren vorbereitet, aber noch mit eigenen Wärmedecken geschützt.

Boxenstopp

Countdown für Hülkenberg

Es wurde kurz ruhig, die Techniker standen plötzlich Spalier. Alain Prost, Frankreichs Motorsportlegende hatte soeben den Raum betreten. Er dient Renault als Berater und der Grande will immer hautnah dabei sein, wenn die Autos auf die Strecke fahren. Über Funk war deutlich der Countdown zu hören, der für den Deutschen Hülkenberg gedacht war. 20 Sekunden abwärts, der Motor heulte laut (!) auf. Das zweite freie Training in Spielberg konnte beginnen.

Augenblicke wie dieser sind eine Seltenheit geworden in der sterilen Formel 1, die sich eher vor neugierigen Spionen schützt denn Einblicke in ihr Innerstes zu gewähren. Bei Renault war der Wunsch schnell erfüllt, womöglich auch deshalb, weil es in dieser Saison noch immer nicht nach Wunsch läuft, Hülkenberg nach acht Rennen nur 18 Punkte zu Buche stehen hat und Palmer mit null Zählern als schwere Enttäuschung gilt. Dass Renault in Spielberg die Trendwende gelingen könnte, scheint fraglich. Im 1. Turn fuhren der Russe Sergej Sirotkin (17.) und Palmer nur hinterher (14.). In der zweiten Session für den GP von Österreich (Start Sonntag, 14 Uhr) wurde Hülkenberg Achter.

Chance für Rene Binder

In der Renault-Box traf die „Presse“ den Tiroler Rene Binder. Der 25-Jährige ist die Überraschung des GP-Wochenendes, dem ehemaligen GP2-Piloten ist seit Freitag eine Testfahrt mit einem E20-Lotus (alter Dienstwagen von Kimi Räikkönen) gewiss. Am 24. Oktober wird er in Le Castellet ein Privattraining von Renault absolvieren. Nach einem Doppelsieg in Monza für die World Series Formel V8 kam das Angebot, Binder sprach „von der größten Chance meines Lebens.“

Der Neffe des ehemaligen Ex-GP-Piloten Hans Binder träumt von einem Engagement in der Formel 1, wie viele andere auch. Die Chance sei jedoch gering. „Ich freue ,ich dennoch irrsinnig darauf“, sagte er und als Palmer zurück in die Box kam, wollte Binder am liebsten sofort ins Auto klettern, musste sich aber gedulden.

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