Kurven mit Gänsehautfaktor

Als Rennleiter sorgt Andreas Meklau für den reibungslosen Ablauf der Motorrad-WM in Spielberg, für den Ex-Profi eine Herausforderung zwischen Verantwortung und Faszination.

Weltmeister Marc M´arquez sicherte sich im Qualifying vor den Ducati-Piloten Andrea Dovizioso und Jorge Lorenzo die Pole-Position.
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Weltmeister Marc M´arquez sicherte sich im Qualifying vor den Ducati-Piloten Andrea Dovizioso und Jorge Lorenzo die Pole-Position.
Weltmeister Marc M´arquez sicherte sich im Qualifying vor den Ducati-Piloten Andrea Dovizioso und Jorge Lorenzo die Pole-Position. – (c) APA/AFP/ROBERT MICHAEL (ROBERT MICHAEL)

Fünf Wochen nach der Formel 1 versetzt die Motorrad-WM Spielberg noch einmal in Ausnahmezustand. Nach 19 Jahren Pause hat die Königsklasse auf zwei Rädern im Vorjahr ihr umjubeltes Comeback in Österreich gegeben und lockt auch heuer Besucher in Scharen an. 200.000 Fans, 95.000 Frankfurter, 150.000 Liter Getränke und 20.000 Liter Bier lauten die Zahlen des diesjährigen Rennwochenendes in der Südsteiermark, das mit dem MotoGP-Rennen heute (14 Uhr, live Servus TV) seinen Höhepunkt erlebt. Auf 48 TV-Schirmen wird Andreas Meklau den Grand Prix verfolgen, als Rennleiter ist er in Spielberg für die reibungslose Durchführung des Rennens und damit etwa die Koordination der Streckenposten sowie die Gewährleistung der Rettungskette verantwortlich. „In den ersten paar Minuten, bis alles läuft, ist schon eine gewisse Anspannung da, aber das gehört dazu“, erzählt der 50-Jährige.

Meklau war früher selbst Zweirad-Profi, gewann 19 internationale Titel und beendete 2013 mit einem Sieg in der Superbike-Meisterschaft auf dem Red Bull Ring seine aktive Karriere. Aufgewachsen in Spielberg verbinden ihn viele Erinnerungen mit der Strecke, schon als kleiner Bub kam er mit seinem Vater zu den Rennen, im Schutz der Abenddämmerung wurden dann die eigenen ersten Fahrversuche unternommen. Seit 2011 organisiert und koordiniert er nun als „Clerk of the course“, so der offizielle Titel, die Rennen. „Ich bin hier groß geworden, habe alles erlebt. Es ist schön, auch nach der Karriere hier zu arbeiten.“

Den klassischen Sommerurlaub kennt Meklau nicht, für ihn sind Juli und August mit den Gastspielen von Formel 1 und Motorrad-WM die Monate mit dem höchsten Arbeitspensum. „Für mich ist das normal. Wenn alles vorbei ist, dann kommt für mich der Sommer“, erzählt der zweifache Vater im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Die Anforderungen sind hoch, denn mit der Technik müsse sich auch die Rennstrecke stetig weiterentwickeln. „Es gibt kein Stehenbleiben, man ist immer gefordert.“

Fast 400 Mann umfasst Meklaus Team für den Rennsonntag. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Umsetzung der Sicherheitsvorkehrungen – und jene für Motorräder unterscheiden sich stark von denen der Formel 1. Allein 1,3 Kilometer „Airfence“, also Luftpolsterungen, wurden entlang der Strecke verbaut, um im Falle von Stürzen größtmöglichen Schutz zu bieten. „Da gilt es, eine lange, lange Liste abzuarbeiten“, berichtet der Steirer. Auch Anregungen und Beschwerden der Piloten in Bezug auf die Rennstrecke landen auf seinem Tisch, mit persönlichen Sonderwünschen der Stars hält sich der Ex-Profi aber nicht auf. „Dafür bin ich zum Glück nicht verantwortlich.“

Optimistischer Ausblick

Meklau kennt den Motorradsport sowohl von Rennfahrer- als auch Zuschauerseite, die Faszination daran ist für ihn leicht erklärt. „Auch als Laie sieht man die Action, die Geschwindigkeit, wenn der Rennfahrer quer andriftet. Und auch der Sound ist sehr beeindruckend. Da stellen sich die Härchen auf den Unterarmen auf“, schildert der 50-Jährige. Dass die Zweirad-Action nicht nur in Spielberg auf größeres Zuschauerinteresse als die Formel 1 stößt, überrascht ihn nicht. Bei den vierrädrigen Boliden mangle es nicht nur an spannenden Überholmanövern und der entsprechenden Geräuschkulisse, auch seien die Motorrad-Stars viel nahbarer und offener als ihre Rennauto fahrenden Pendants. „Das bestätigen mir die Fans immer wieder. Da kann sich die Formel 1 etwas von der MotoGP abschauen“, ist Meklau überzeugt.

Große Freude bereitet dem Steirer, dass seit heuer mit KTM wieder ein heimischer Hersteller in der MotoGP-Klasse mitfährt. „Das ist ganz wichtig. Wir haben eine Rennstrecke und eine österreichische Marke im Einsatz, jetzt fehlt uns nur noch ein Toprennfahrer“, sagt Meklau. In einem kleinen Land wie Österreich dürfe man jedoch keine übertriebenen Erwartungen hegen. „Wir können stolz sein, internationalen Motorsport in Österreich zu haben. Es ist lange nichts passiert. KTM ist jetzt dahinter, junge Talente heranzuführen, aber das braucht seine Zeit“, erklärt er. Generell blickt er optimistisch in die rot-weiß-rote Motorsport-Zukunft. „Wir haben einen Sponsor, Teams, eine Rennstrecke, also eigentlich alles, um eines Tages wieder einen Weltmeister zu stellen.“

An diesem Wochenende fahren noch andere um den Sieg, Weltmeister Marc Márquez startet aus der Pole Position und könnte mit dem dritten Erfolg in Serie den nächsten Schritt Richtung Titelverteidigung machen. Der hügelige Kurs mit seinen extrem harten Brems- und Beschleunigungspunkten favorisiert jedoch eher die Ducatis, das sieht auch Meklau so: „Ich tippe auf Andrea Dovizioso.“

AUF EINEN BLICk

Spielberg. Die Motorrad-WM macht nach 1996, 1997 und 2016 zum vierten Mal Station in der Südsteiermark.

Österreich hat deutlich mehr Rennen erlebt: Auf dem Salzburgring gastierten die Zweiradpiloten insgesamt 22 Mal zwischen 1971 und 1994.

Red Bull Ring weist auf seinen 4,318 Kilometern Länge insgesamt acht Kurven auf. Der Motorrad-Streckenrekord datiert mit 1:24,561 Minuten
von Vorjahressieger Andrea Iannone.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2017)

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