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Aus Vettel wird zum Glück nie ein Schumacher

09.10.2011 | 18:08 |  von Gerhard Hofer (Die Presse)

Wie einst Michael Schumacher diktierte Sebastian Vettel die Saison und krönte sich frühzeitig zum Weltmeister. Trotz der Überlegenheit von Red Bull ist die Formel1 um keine Spur langweiliger geworden.

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Tokio. „So viel will man in diesem Moment sagen, aber ich bin in erster Linie nur unendlich dankbar.“ So ist er, der jüngste Doppelweltmeister der Formel-1-Geschichte. Sebastian Vettel ist menschlich. Zumindest, sobald er seinen Boliden entstiegen ist. Am Sonntag begnügte sich der Red-Bull-Pilot nicht ganz freiwillig mit dem dritten Platz, um seinen Titel zu verteidigen. Vettel war aus der Poleposition gestartet, hatte McLaren-Piloten Jenson Butten nach dem Start mit einem wilden Spurwechsel hinter sich gelassen und trotzdem nicht gewonnen. Beim ersten Boxenstopp war Button vorbeigezogen, und beim zweiten auch Ferrari-Pilot Fernando Alonso.

>>> Zum Video: Fans feiern Vettel

Auch wenn ihn alle bejubelten, in der Stunde des Triumphs grübelte Vettel darüber nach, warum es mit dem Sieg beim Großen Preis von Japan in Suzuka nichts geworden ist. „Wir waren auf den weichen Reifen leider nicht so schnell wie erhofft“, sagte der 24-jährige Heppenheimer. So ist er auch. Ein bisschen die Sau rauslassen, aber gleich wieder alles unter Kontrolle haben. Wenige Tage nach seinem Triumph in Abu Dhabi im Vorjahr fuhr er bereits zu Reifentests. Und heute, Montag, wird's ebenfalls nichts mit Katerfrühstück. Am Morgen hat Vettel einen PR-Termin bei Nissan.

Vielleicht wird er vor dem Einschlafen noch einmal das Rennen Revue passieren lassen. Überlegen, wo er es verloren hat. Die meisten Beobachter werden ihn von aller Schuld freisprechen. Zumindest, was das Rennen betrifft. Dass sich sein Ausritt im Freitagstraining auf das ganze Set-up ausgewirkt hat, dass der im letzten Augenblick aus England eingeflogene neue Frontflügel doch nicht hundertprozentig gepasst hat, alles Spekulationen.

Doch dieser Tage wird in der Formel 1 mehr spekuliert als gefeiert. Die Rennställe haben die Saison abgehakt. Spätestens nach Vettels neuntem Sieg in Singapur. Ferrari und McLaren testen längst fürs nächste Jahr. Und das eine oder andere Teil soll bereits am Sonntag erprobt worden sein. Vor allem McLaren machte binnen kürzester Zeit in der Entwicklung einen riesigen Schritt. Hatte der Wagen zu Beginn der Saison neben Red Bull noch wie eine Rikscha gewirkt, so könnten Button und Lewis Hamilton in den kommenden Rennen in Korea und Indien schon jene sein, die es zu schlagen gilt. Und auch aus Maranello, wo Ferrari den Wagen für das kommende Jahr baut, werden hinter vorgehaltenen italienischen Händen Wunderdinge erzählt. Mit anderen Worten: So eine einseitige Saison dürfte es so schnell nicht mehr geben.

Der jüngste Dreifachweltmeister: Die rasante Karriere des Sebastian Vettel

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Neue Strecken, mehr Action

Ja, die Saison war einseitig. Aber im Gegensatz zu Schumachers Zeiten war sie nicht langweilig. Das liegt einerseits daran, dass Vettel mit den Weltmeistern Button, Hamilton und Alonso genügend ernst zu nehmende Konkurrenz hat. Andererseits sorgt das neue Reglement für Spannung, auch wenn der Sieger am Ende Vettel heißt.

Die „Welt am Sonntag“ zählte mit und kommt heuer im Schnitt auf 63 Überholmanöver pro Rennen. 2009 waren es 14. Zu Schumachers Glanzzeiten hatte man als Zuschauer vor dem Fernsehschirm ohnehin das Gefühl, dass neben der Strecke Überholverbotsschilder montiert waren.

Grund für die Action auf dem Asphalt ist das von Bernie Ecclestone ausgetüftelte Reglement. Ausklappbare Heckflügel und das Kers-System, das den Boliden per Knopfdruck Flügel verleiht, bringen das Publikum auf Touren. Das hat vielleicht nichts mehr mit dem guten alten Automobilsport zu tun, als die Piloten noch Männer waren, Kette rauchten und den Lungenkrebs ohnehin nicht mehr erlebten, aber es lockt die Massen vor die Fernsehschirme.

 

Reifen sorgen für Spannung

Als Michael Schumacher mit Ferrari alles in den Schlaf fuhr, hatte sein Ferrari-Team einen unbegrenzten Überziehungsrahmen und einen Exklusivvertrag mit dem Reifenhersteller Bridgestone.

Heute gibt es Budgetgrenzen für die Rennställe, heute werden Pirelli-Reifen aufgezogen, die sich innerhalb von 15 Runden in Pudding verwandeln. Heute wird nicht der mit dem meisten Geld, sondern der mit dem besten Team Weltmeister. Red Bull hat ganz einfach die hellsten Köpfe rund um das Supertalent Sebastian Vettel vereint, mit dem Überkopf Adrian Newey, dem Konstrukteur des Red-Bull-Autos. Denn längst entscheiden nicht mehr die PS, sondern macht die Aerodynamik den Unterschied.

Die Formel 1 ist eine große Show geworden – und auf die Tradition wird gepfiffen. Zu Recht gepfiffen. Auch die historischen Rennstrecken werden immer weniger. Man fährt in China, Malaysia, Indien, in der Türkei, in Abu Dhabi, bald wird man in Russland fahren. Klassiker wie San Marino, Magny Cours, Estoril und zum Leidwesen vieler österreichischer Motorsportfans Spielberg wurden aussortiert. Weil sie einst für Rennautos und nicht für Fernsehsender errichtet wurden. Weil sie nicht für die Show geschaffen waren. Weil moderne Rennen auf Designerstrecken stattfinden.

 

Alles für die Show

Aus Sebastian Vettel kann also zum Glück nie ein Michael Schumacher werden. Nicht nur, weil sich die Formel 1 in nur wenigen Jahren grundlegend verändert hat. Langweiler Schumacher hat dafür gesorgt, dass Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone nie wieder einen siebenfachen Weltmeister zulassen wird. Sollten Vettel und Red Bull nächstes Jahr wieder allen davonfahren, steht eben die nächste Regeländerung ins Haus. Schlimmstenfalls muss Vettel mit der Rikscha fahren.

Ergebnisse: 1. Jenson Button (GBR) McLaren-Mercedes 1:30:53,427 Schnitt: 202,972 km/h
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +1,160
3. Sebastian Vettel (GER) Red Bull +2,006
4. Mark Webber (AUS) Red Bull +8,071 5. Lewis Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes +24,268 6. Michael Schumacher (GER) Mercedes +27,120 7. Felipe Massa (BRA) Ferrari +28,240 8. Sergio Perez (MEX) Sauber +39,377 9. Witali Petrow (RUS) Lotus-Renault +42,607 10. Nico Rosberg (GER) Mercedes +44,322.

WM-Stände (nach 15 von 19 Rennen) Fahrerwertung: 1. Vettel (GER) Red Bull 324 2. Button (GBR) McLaren-Mercedes 210 3. Alonso (ESP) Ferrari 202 4. Webber (AUS) Red Bull 194 5. Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes 178.

Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 518 2. McLaren-Mercedes 388 3. Ferrari 292 4. Mercedes 123 5. Lotus-Renault 72 6. Force India 48 7. Sauber 40 8. Toro Rosso 29 9. Williams 5.

Nächstes Rennen: Sonntag (16. Oktober) Grand Prix von Südkorea in Yeongam.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2011)

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24 Kommentare
Gast: kubica
15.10.2011 17:18
0 0

vettel4victory

...und die mannschaftswertung wird in indien gefeiert! hier ein vorgeschmack:
http://www.youtube.com/watch?v=6y8lustUbwc

Antworten Gast: F1-Fan
16.10.2011 11:30
0 0

Re: vettel4victory

Hey das ist ja ein toller Trailer! Ich freu mich schon auf Indien, Vettle wird sicher wieder das Rennen machen.

weil es bei vettel die öst. hymne spielt!?

in der gazzetta würde man schreiben:
vettel wird leider nie ein schumacher!

ich war dabei als senna verunglückte, als berger rennen gewonnen hat, als schumacher zum erfolgreichsten aller zeiten wurde und als nachwuchsfahrer in die topautos gesetzt wurden.

ich werde auch künftig "dabei" sein.

Antworten Gast: Vater Morgana
16.10.2011 20:49
0 0

Re: weil es bei vettel die öst. hymne spielt!?

Ist doch wurscht - und wird auch dem Vettel wurscht sein -, was für eine Hymne gespielt wird.
Da geht es nicht um Hymnen, sondern um den Sieg!

zweite antwort:

schumacher hatte großen einfluss auf vettel und der heppenheimer hatte keinerlei einfluss auf michaels karriere.

MSC musste sich das top-cockpit erst verdienen, deswegen halte ich vettel und hamilton für "halb-starke".

im sinne eines james dean sollte das nicht nur negativ gesehen werde.

Re: zweite antwort:

was sie da zamschreiben ist echt grausam.

wirklich!

schummi war ja auch nicht der "erste" und er musste sich auch nix verdienen - im gegenteil.

heute ist die konkurrenz viel größer wie man sieht, es fahren glaub ich 7 weltmeister im feld, wann gabs denn das früher.

da war immer ein dominator und sonst nix.

sie sollten lernen sachverhalte besser zu reflektieren!

Antworten Antworten Antworten Gast: Monza 12
16.10.2011 20:47
0 0

Re: Re: zweite antwort:

@der_mann
Quatsch nicht solch einen Unsinn!

Gast: Juan manuel
10.10.2011 16:35
0 5

Total langwweilig

als Schumi noch die F1 dominierte was es insofern spannend, da man immer hoffte es soll jemand anderer gewinnen nur nicht Schumi. Das hatte auch seinen Reiz.

Momentan ist es nur mehr langweilig, da sportlich schnell alles entschieden war und ob jetzt Vettel, Button, Alonso etc. gewinnt ist mir so total egal.

Es fehlt einfach ein Reibebaum, jemand den man nicht mag oder jemand den man besonders mag. Das würde das ganze Wieder spannender machen. Jetzt gibt es ja nur mehr aalglatte Piloten die einem ohnehin egal sind

Re: Total langwweilig

wenn sie es so langweilig und egal finden - warum schauen sie dann überhaupt ?
heuer ist die wm trotz vettels dominanz spannend wie lange nicht dank neuer regeln wie drs etc.
und ich schau seit 1975.

Gast: lime
10.10.2011 13:30
1 1

vettel kein schumi niemals

ein schumacher unschlagbar und der beste f1 pilot aller zeiten das bleibt auch so

Gast: Halbwissen
10.10.2011 10:50
2 4

die F1 ist nicht langweiliger geworden

weil sie gar nicht langweiliger werden kann

Re: die F1 ist nicht langweiliger geworden

Bei der heutigen Senderauswahl steht es Ihnen glücklicherweise frei, sonntags zwischen 14 und 16 Uhr was anderes zu schauen.

Re: Re: die F1 ist nicht langweiliger geworden

wenn's denn nur sonntags wäre

Gast: gast:1
10.10.2011 07:10
0 2

naja, ...

Für mich ist die F1 leider schon seit einiger Zeit nur noch langweilig.
Es hat mit den Serien-Siegen von Schumacher begonnen und wurde durch Faktoren wie "auf dieser Strecke kann man nur schwer oder garnicht überholen" noch verstärkt - ein Rennen das in der Box = vom Mechaniker entschieden wird? interessiert mich nicht....

Re: naja, ...

Es gibt in dieser Saison bedingt durch KERS und DRS mehr Überholmanöver als jemals zuvor.

Antworten Antworten Gast: gast:1
10.10.2011 13:19
0 1

Re: Re: naja, ...

Vielleicht hab ich meinen Standpunkt nicht genau genug erklärt:

"Damals" als der Schumacher als SerienSieger alles gewonnen hat und die Anderen letztlich um Minuten abgehängt hat, habe ich mein Interesse an der F1 verloren.

AUCH weil eben bei Langweiler-Strecken wie Monaco und solchen wo man kaum überholen konnte, schon vorher klar war: so wie die Startaufstellung aussieht, so werden die wohl auch ins Ziel kommen...= fad.

Dass es JETZT vielleicht interessanter ist, mag ja gut sein - mich interessiert es bloß einfach nicht mehr...

(Ähnlich geht/ging? es ja auch in der WRC: Loeb gewann 7x in Serie die WM...)

Re: Re: Re: naja, ...

das mit monaco stimmt aber auch nicht, weil es dort immer super crashes gibt. ist sogar ein österreicher draufgegangen.

und langweilerstrecken ohne überholmöglichkeit gibt es auch kaum.

das ist so wie wenn ich sage - ich geh nicht mehr schwimmen, weil es regnet ja eh nurmehr die ganze zeit.

Gast: Thomas Schneider
09.10.2011 23:17
4 5

Langweiler Schumacher?

Es ist mehr als traurig lesen zu müssen, dass eine Legende wie Schumacher als Langweiler abgestempelt wird. Der damalige Schumi -Wahn war vergleichbar mit dem jetzigen Vettel - Wahn und die Leute haben sich damals definitv nicht gelangweilt. Und Schumacher konnte doch auch nichts dafür, dass die Regeln damals nun mal ein wenig anders waren als jetzt. Er hat aus den Regeln nunmal das Beste von allen herausgeholt, und das mehrfach. Solche unsachlichen Aussagen in einem Artikel lassen an der Seriosität dieser Seite doch sehr stark zweifeln.

Re: Langweiler Schumacher?

als schummi gewann haben sich die leute sehr wohl gelangweilt - nicht umsonst hätte es so große umbrüche in der formel 1 gegeben.

das weiss ich auch von mir selbst - irgendwann hab ich einfach nimma geschaut.

Antworten Gast: klartechst
10.10.2011 08:26
1 3

Re: Langweiler Schumacher?

"Schumi" war einer der besten aller Zeiten, richtig. Aber das er, wie Sie schreiben: "aus den Regeln nunmal das Beste von allen herausgeholt" hat, - ich glaub da muss er selber lachen.

Hätten sich die Offiziellen an die Regeln gehalten, hätte er lebenslanges Fahrverbot bekommen müssen...auch auf öffentlichen Straßen.

1 8

wie er den button in die wiese unfähr gedräng hat,

ist schumachers linke touren ebenbürdig!
er schaut nicht so blöd wie der schummelschumi.
wenn er so weitermacht wird er ihn aber noch übertreffen!

2 6

Re: wie er den button in die wiese unfähr gedräng hat,

er schaut nicht so blöd wie der schummelschumi.
Nein, er schaut noch blöder und sein ewig ausgestreckter Finger... Wie ein Spasti

Antworten Antworten Gast: gast_123
10.10.2011 15:19
0 2

Re: Re: wie er den button in die wiese unfähr gedräng hat,

ein "Spasti" wäre beleidigt mit Vettel verglichen zu werden....

Re: Re: Re: wie er den button in die wiese unfähr gedräng hat,

Und wenn er nicht aus Deutschland, sondern aus Österreich käme, dann wäre die Geste gut, das Überholmanöver gegen Button fair und der Vettel ein ganz klasser Bursch. Ihr seid wirklich unterste Schublade.

Die Formel-1-Saison 2013