Wien. Wenn die Formel 1 nach Monte Carlo kommt, dann spielt die Königsklasse des Motorsports verrückt. Der Grand Prix von Monaco, der am Sonntag zwischen den Häuserschluchten seine 70. Auflage erlebt, verspricht wie immer Hochspannung. In den bisherigen fünf Saisonrennen hat es fünf verschiedene Sieger gegeben, setzt sich dieser Trend fort, dann erlebt Monaco einen Eintrag in die Formel-1-Geschichtsbücher. „Vielleicht“, orakelt Sebastian Vettel, der im Vorjahr triumphieren konnte, „ereignet sich wieder eine Überraschung. Zum Beispiel mit einem Timo Glock und einem Marussia auf der Pole.“
Als Favorit gilt Vettel diesmal nicht, auch wenn der Red-Bull-Pilot als WM-Führender (gemeinsam mit Fernando Alonso) an die Cote d'Azur gekommen ist. Nico Rosberg, die Mercedes-Hoffnung, wagt auch keinerlei Prognosen. „In Monaco“, sagt er, „haben mindestens zehn Fahrer Siegchancen.“ In der heurigen Saison scheint alles möglich zu sein. Das wittern die Fahrer. „In Monte Carlo will doch jeder einmal gewinnen!“, unterstreicht McLaren-Star Jenson Button. Der Brite ist einer von insgesamt sieben Piloten im Feld, die schon mindestens einmal als Sieger in die Fürstenloge durften. Neben dem Red-Bull-Duo Vettel und Webber gelang dieses Kunststück auch schon Hamilton, Räikkönen und Alonso.
Die Tücken des Stadtkurses
Dietrich Mateschitz, der Red-Bull-Boss, sieht die Situation in der Formel 1 durchaus erfreulich. „Es ist spannender – und weniger vorhersehbar als je zuvor“, sagt er. Zufalls-Champion aber werde es nicht geben. Das glaubt auch Sebastian Vettel. „Am Ende wird man sicher nicht sagen können, der Sieger hat einfach nur Glück gehabt.“
In Monte Carlo warten viele Tücken, der Stadtkurs ist das Gegenteil von einem modernen Kurs. Sainte Devote, Tunnel, Schwimmbad oder Rascasse, die Wegmarken der nur 3,340 Kilometer langen Strecke lassen die Herzen der Formel-1-Fans höher schlagen. 78-mal müssen die Piloten daran vorbei. Wobei hier andere Regeln gelten. Denn im Spielerparadies begnügt man sich mit 260 km, die Mindestdistanz an sich beträgt in der Formel 1 aber 305 km. Die Erklärung ist denkbar einfach. „Hier liegt das Geld!“, formuliert es Frank Williams salopp.
Rund 200-mal betätigen die Piloten während einer Runde eine Funktion am Lenkrad, dabei sind die Kontakte mit dem Gas- und Bremspedal nicht miteingerechnet. Im Schnitt wird alle 54 Meter der Gang gewechselt, fast 4900-mal während des Rennens – eine Herausforderung, auch wenn dies inzwischen per Wippe am Lenkrad erfolgt. „Auf dieser Strecke spielt sich so viel in deinem Kopf ab. Dieses Gefühl kann süchtig machen“, sagt der Österreicher Alexander Wurz. Der ehemalige Formel-1-Fahrer (69 Rennen), TV-Experte beim ORF, ist beim Williams-Team als Berater der Fahrer Pastor Maldonado (Venezuela), vor knapp zwei Wochen Überraschungssieger beim Spanien-Grand-Prix in Barcelona, und Bruno Senna (Brasilien) angestellt.
Auf ein Heimspiel freuen sich auf ihrer größten Bühne gleich mehrere Fahrer. Es handelt sich um Nico Rosberg, Kamui Kobayashi, Paul di Resta – und neuerdings auch Jenson Button. Warum der Brite, der von der Nordseeinsel Guernsey aus seine Sachen gepackt hat? „Wegen des Wetters. Ich trainiere hart, um mich für meine Triathlonwettkämpfe fit zu halten. Ich liebe ultimative Herausforderungen. Nach dem Formel-1-Grand Prix werde ich auch sehr erschöpft sein. Es ist nur eine andere Art von Erschöpfung.“
Stand in der WM-Wertung
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