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DTM: Neues Miteinander

03.06.2012 | 18:17 |  GERALD ENZINGER (Die Presse)

Spielberg. Audi-Pilot Edoardo Mortara feierte in Spielberg seinen ersten DTM-Sieg. Der Italiener bescherte Audi heuer den ersten Erfolg.

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Spielberg. Spielberg ist nicht Italien. Die Mitarbeiter von BMW, die aus der Tourenwagen-WM in die DTM (Deutsche Tourenwagen-Masters) gewechselt sind, schmunzeln über die neue deutsche Ordnung in einer traditionell sterilen Serie, die unter dem Einfluss der bierernsten Weltkonzerne Audi, BMW und Daimler steht.

Was in der von Italienern und Spaniern dominierten WTCC alles mit einem Augenzwinkern hingenommen wird, ist hier reglementiert. Gerade deshalb etabliert sich die DTM Monate nach einer kompletten Runderneuerung als die Motorsportserie der Zukunft. Als in Spielberg vor 48.500 wirklich begeisterten Zuschauern auch die gut ausgesuchten und politisch korrekten Piloten der Werksrennställe den immer wieder gelernten Anstand vergessen ließen, da spürte man die Kraft und die Vitalität dieser Rennserie, die wohl die gesündeste der Welt ist, wenn man eine Serie als so stark definiert wie ihr schwächstes Glied.

„Schlechte Fahrer können in die Formel 1 kommen“, sagt der Schwede Mattias Ekström, der sich seit einem Dutzend Jahren in der DTM auf höchstem Niveau halten kann, „aber ein schlechter Fahrer kann niemals hierherkommen.“ Kein deutscher Premiumhersteller würde seinen Ruf mit einem Paydriver anpatzen, es zählt zum Auftritt, dass man die Werksfahrer selbst nach Kriterien wie Klasse, sozialem Verhalten und Außenwirkung wählt. Was Motorsportpuristen oft mit Leidenschaft gegen das deutsche Tourenwagen-Masters anrennen lässt – zu Unrecht, wie der vierte Lauf der Saison in Spielberg gezeigt hat. Das Konzept von der extrem publikumsnahen Serie, in der jeder Zuschauer die Chance hat, die Stars aus der Nähe zu sehen, kommt an.

Im zweiten Jahr in Österreich ist auch das Fachwissen der Fans enorm gestiegen und zu guter Letzt räumte das Rennen am Sonntag mit dem Vorurteil auf, in dieser Meisterschaft könnte sowieso nicht überholt werden. Packende Zweikämpfe führten zu Emotionen, wie man sie seit Monaten nicht mehr gesehen hatte und zu Funksprüchen, die bei „blindes Huhn“ begannen und nach einiger Zeit immer deutlicher wurden. Doch in diesem verbal freien Raum und im Angesicht spektakulärer Zweikämpfe im Grenzbereich der Fairness hat die DTM genau den „Dirty-Faktor“ bekommen, der sie nun wieder spürbarer für die Zuschauer macht, die ja auch nicht so kommunizieren wie die Werbestrategen der neuen Mercedes-A-Klasse.

 

Kompromisse im Reglement

„Hier herrscht ein Miteinander, von der man sich in der Formel 1 eine Scheibe abschneiden kann“, sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, wenn er über die Kooperation der drei Konzerne in der Vermarktungs-Dachfirma ITR spricht. Vor zwei, drei Jahren drohte der im Jahr 2000 neu gegründeten Meisterschaft das Siechtum, in der überteuerten Meisterschaft hatten sich nur mehr Mercedes und Audi halten können. Der unerwartete Ausstieg von BMW aus der Formel 1 wurde zur letzten Chance: Man musste die Münchner zurück in die DTM bringen, um die Serie dauerhaft zu sichern, als Wettstreit der drei renommiertesten Autokonzerne Deutschlands. Dafür musste man viele Kompromisse im Reglement machen, um mit der neuen Fahrzeuggeneration auch BMW die Chance zu geben, den erfahreneren Kollegen Paroli zu bieten. Unter der Regie von Hans-Werner Aufrecht, dem Chef der ITR, einem schwäbischen Selfmade-Millionär, ist das gelungen.

Meist liegen die 22 Autos innerhalb von sieben bis acht Zehntelsekunden, und es gibt Rennen wie jenes am Sonntag in Spielberg, in denen sich Montag jeder als Sieger fühlen kann: Audi, weil man zum ersten Mal in dieser Saison siegte, durch den Italo-Franzosen Edoardo Mortara. BMW, weil man in den ersten vier Rennen immer vorn dabei war, und HWA-Mercedes, weil der Engländer Gary Paffet auf Meisterschaftskurs ist – mit vier Podiumplatzierungen in den ersten vier Rennen. Die Zuschauer reisten jedenfalls zufrieden ab, mit den Taschen voller Poster, Programmhefte und PR-Geschenke.

Ergebnisse: 1. Edoardo Mortara (ITA) Audi A5 1:12:30,277 Std. (Schnitt: 168,256 km/h) 2. Martin Tomczyk (GER) BMW M3 +1,068 Sek. 3. Gary Paffett (GBR) Mercedes AMG C 2,142 4. Mattias Ekström (SWE) Audi A5 2,769 5. Jamie Green (GBR) Mercedes AMG 5,406 6. Timo Scheider (GER) Audi A5 35,351. Weiter: 14. Susie Wolff (GBR) Mercedes AMG C 1:06,161 Min.

Gesamtwertung nach vier von zehn Rennen: 1. Paffett 83 Punkte 2. Ekström 47 3. Green 44 4. Bruno Spengler (CAN) BMW M3 43 5. Tomczyk 36 6. Mortara 31.

Nächstes Rennen: 1. Juli am Norisring in Nürnberg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2012)

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