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Olympia: Goldsprint vor dem Buckingham Palace

26.07.2012 | 16:24 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

In Großbritannien grassiert die „Cycling-Mania“: Tour de France-Sieger Bradley Wiggins und Weltmeister Mark Cavendish sollen zum Auftakt der Olympischen Sommerspiele in London das Straßenrennen gewinnen.

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London. Mit dem ersten britischen Sieg bei der Tour de France ist in England eine bislang ungeahnte Rad-Euphorie ausgebrochen. Bradley Wiggins ist der Mann der Stunde, der 32-Jährige mit seinen extravaganten Koteletten verdrängte dabei sogar Volkshelden wie David Beckham aus den Gazetten. Nachdem am Samstag auch die Sommerspiele mit dem Straßenrennen in London beginnen, fiebern die Briten nun gleich doppelt mit. „Erst die Tour, jetzt Olympia“, titelte der „Daily Telegraph“. „The Sun“ hatte aber die – für sie – griffigere Schlagzeile parat: „Schönere Koteletten als Elvis – Wiggo go for Gold“.

Der Streckenverlauf scheint Wiggins und Weltmeister Mark Cavendish regelrecht auf den Leib geschneidert. Start und Ziel liegen im Zentrum Londons bei „The Mall“, prominent auf einer breiten Straße vor dem Buckingham Palace. Der größte Verlauf führt jedoch über 250 Kilometer südwestlich von London durch die Grafschaft Surrey. Flach, bar von Anstiegen. Außer bei Box Hill wartet über drei Kilometer nur eine „Erhebung“ über 150 Höhenmeter.

Mission Gold, was sonst?

Der Rundkurs über 15,5 Kilometer ist gleich neunmal zu meistern, für Cavendish kein Problem. „Mir gefällt es, ich fahre in der Heimat, und damit ist das Ziel klar.“ Das Wort Gold musste er gar nicht aussprechen, etwas anderes würden seine Landsleute nicht hören wollen. Welche Rolle in diesem Spiel dem Steirer Bernhard Eisel zuteil wird, blieb offen. Er selbst jedenfalls beteuerte, an keinerlei Abmachungen mit dem Team Sky gebunden zu sein. Ob er im Schlusssprint dabei sein und von Landsmann Daniel Schorn Unterstützung erhalten wird, ist allerdings fraglich.

Im Rampenlicht ist derzeit ohnehin nur für die Briten Platz. Wiggins wurde sogar von Queen Elizabeth II. gelobt. Sie übersandte ihm Glückwünsche für den Tour-Sieg. „Ihr historischer Erfolg ist ein Zeugnis für ihre herausragenden Leistungen und die Ihres Teams“, schrieb die 86 Jahre alte Regentin. Es sei die perfekte Einstimmung auf Olympia gewesen, die Siegerbilder in Paris seien auch die „perfekte Kulisse für London“ gewesen, erklärte sich auch postwendend Premierminister David Cameron zum Speichen-Fan.

Frankreich mag das zwar nicht sonderlich gefallen, in Großbritannien sorgte seine Aussage aber für breites Gelächter der „Lads“ in den Pubs. Die meisten Lokale haben für den Auftakt übrigens vorgesorgt, aus Geschäftssinn, „Public Viewing“ erreicht dabei eine neue Bedeutung. Nicht Soccer im TV wird angepriesen, sondern Cycling on the Street. Der Ritterschlag, der Orden des „British Empire“ oder die Ehrenmitgliedschaft in allen Londoner Pubs entlang der Rennstrecke ist Bradley Wiggins gewiss.

Mark Cavendish könnte zusätzlicher Antreiber dieser Rad-Euphorie sein. Er gewann seit 2008 23 Etappen bei der Tour de France und könnte nun der erste Straßenfahrer überhaupt werden, der im Jahr nach WM-Gold auch bei Olympia gewinnt. Es gibt allerdings einen Geheimfavoriten, der den Briten die Tour vermiesen kann. Sprint-King Fabian Cancelara. Der Schweizer gewann 2008 in Peking das Zeitfahren und Silber im Straßenrennen.

Cavendish, 27, erinnerte sich angesichts der Rivalität zu Cancelara an sein erstes Fahrrad. Seine Mutter schenkte ihm zu seinem 13. Geburtstag das so lang ersehnte Mountainbike. Schon tags darauf gewann er damit die erste Wettfahrt gegen Burschen aus der Nachbarschaft. Gleiches will der Mann von der Isle of Man mit dem Schweizer machen: Auf seiner Insel ist für einen anderen Sieger kein Platz. Auch für Bradley Wiggins nicht? In diesem Punkt macht er vielleicht eine Ausnahme, aber: „Wenn ich 200 Meter vor dem Ziel an der Spitze bin, schlägt mich keiner mehr.“

Lauter Bradleys im Kindergarten

Ob das knallgelbe Jersey dazu führen wird, dass mit der „Wiggo-Mania“ samt dem Rückenwind, den die Sommerspiele im britischen Sport auslösen sollen, die Insel zur Radnation Nummer eins aufsteigt, wollen Fußballer, Rugbyspieler oder Cricketstars so schnell nicht gelten lassen. Ein anderes Kriterium sei da heranzuziehen, beruhigte „The Sun“ ihre Lieblinge. Erst wenn in den kommenden drei Jahren alle Kindergärten des Landes mit Buben gesäumt wären, die auf den Namen Bradley hören, müssten sich Becks, Rooney, etc. „wirklich Sorgen machen“.

Auf einen Blick
Neben Cavendish und Wiggins werden mit Daniel Schorn und Bernhard Eisel auch zwei ÖRV- Athleten das olympische Straßenrennen (morgen, 11 Uhr MESZ) in Angriff nehmen. Start und Ziel liegen im Zentrum Londons auf der Prachtstraße „The Mall“. Der größte Teil der 250 km langen Strecke verläuft außerhalb Londons in der Grafschaft Surrey. Dort gibt es einen 15,5 km langen Rundkurs, der neunmal gefahren wird.

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1 Kommentare
Gast: gast11
28.07.2012 00:43
0 0

cavendish, greipel und sagan

sind wohl zzt. die schnellsten sprinter und werden sich das untereinander ausmachen.

b. eisel kann man es nur wünschen, aber im vergleich zu den genannten, trainiert er den "endspurt" ja kaum noch.