Mögen die Spiele beginnen: In London werden am Freitagabend (ab 22.00 Uhr MESZ/live in ORF eins) die XXX. Olympischen Sommerspiele feierlich eröffnet. Vieles rund um die Zeremonie wurde noch erfolgreich geheim gehalten. So darf wohl bis zum Schluss gerätselt werden, ob der fünffache britische Ruder-Olympiasieger Steve Redgrave, die Zehnkampf-Legende Daley Thompson oder doch eine Gruppe das Feuer entzünden wird. David Beckham winkte bereits ab.
Auch die Zeremonie selbst birgt noch viele Fragezeichen: Der Oscar-prämierte Filmregisseur Danny Boyle durfte für die Show immerhin rund 27 Millionen Pfund (34 Millionen Euro) ausgeben. Vor dem Auftakt sickerten Informationen nur spärlich durch. Details des formellen Teils und Personalien blieben geheim.
62.000 Menschen, die am Montag bei der Probe anwesend waren, wissen da bereits mehr. Doch es gab keine "Leaks". Viele der Besucher machten sich eine Hetz daraus, Neugier zu wecken und trotzdem den Mund zu halten: Spektakulär werde es. Wer Freitag etwas anderes als Fernsehen vorhat, soll es absagen.
Keine Schweigeminute: USA verschnupft
Israel machte die Feier im Vorfeld zudem zum Politikum. Die Israelis wollten eine Schweigeminute für die Opfer des Olympia-Attentats von München 1972, das IOC lehnte dies ab. Die USA, die sich vor allem in Person von Außenministerin Hillary Clinton für die Schweigeminute stark gemacht hatten, reagierten enttäuscht.
Ein paar Programmpunkte allerdings stehen fest. Entweder, weil sie das Protokoll vorschreibt oder weil sie Tradition sind. Zu Beginn der Zeremonie um 21.00 Uhr Ortszeit wird Königin Elizabeth II. im Olympiastadion eintreffen. Begrüßt wird sie vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge. Die Nationalhymne "God Save the Queen" wird gesungen, die britische Flagge gehisst.
Rogan trägt Österreichs Fahne
Es folgt die Parade der Athleten aus aller Welt. 204 Nationen werden dabei sein, Österreichs Abordnung wird als 13. Land einmarschieren, Markus Rogan wird die rotweißrote Frage tragen. Traditionell geht Griechenland als Mutterland der modernen Spiele vorneweg, am Ende steht das Team Großbritanniens als Ausrichterland.
Als Symbol für den Frieden werden danach Tauben aufsteigen, die Queen wird als Staatsoberhaupt die Spiele für eröffnet erklären. Einer der Athleten wird stellvertretend für die mehr als 10.000 Teilnehmer den olympischen Eid leisten. Eine Neuheit bei Olympia in London wird der Eid eines Trainers sein. Nach ihrer 8000 Meilen langen Reise durch das ganze Land trifft die Fackel im Stadion ein. Schließlich lüftet sich das Geheimnis um den letzten Fackelläufer, der das Feuer im Stadion entzünden wird.
Kommt Craig im Hubschrauber?
Wenn das Feuer brennt, beginnt das künstlerische Programm. Dafür hat sich Boyle vom Shakespeare-Stück "Der Sturm" inspirieren lassen, in dem ein Zauberer und dessen Tochter auf einer einsamen Insel landen. Grüne britische Landschaften hat er angekündigt, Menschen beim Picknick und echte Pferde, Kühe, Schafe und Enten. Der Titel lautet "Inseln der Wunder". Angeblich ist eine Sequenz bereits abgedreht: James-Bond-Darsteller Daniel Craig soll im Buckingham Palast die Queen getroffen und ein Video aufgenommen haben. Gemunkelt wird auch, er könnte per Hubschrauber im Stadion eintreffen.
Allzu idyllisch jedenfalls dürfte es nicht werden, denn schließlich ist Boyle als Macher von Filmen wie "Trainspotting" und "Slumdog Millionär" für seine Porträts der eher dunklen Seiten des Lebens bekannt. Und so sollen neben den Tausenden Sängern, Tänzern, Schauspielern auch Krankenschwestern des kriselnden nationalen Gesundheitsdienstes NHS mitmachen.
Die Feier wird von einem Milliardenpublikum in aller Welt gesehen - und soll die Werbetrommel für das von wirtschaftlichen Problemen und Rezession gebeutelte Land rühren. Es steht einiges auf dem Spiel, denn gerade die Eröffnungszeremonie wird traditionell besonders scharf beäugt.
So spaltete die als "sehr amerikanisch" bezeichnete Feier in Atlanta 1996 mit dem kranken Muhammad Ali als Fackelträger die Gemüter. In Peking schickten die Macher 14.000 Menschen in die Arena, um die Welt von der Größe ihrer Nation zu überzeugen. Dies zu übertreffen, würde keinen Sinn machen, waren sich die London-Organisatoren schon damals einig. Stattdessen wollen sie lieber etwas eigenes machen - das ganze eben "very british".
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(APA/Red.)
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