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Markus Rogan: "Olympia ist die Überdosis"

28.07.2012 | 17:16 |  von Christoph Gastinger (Die Presse)

Die Gedanken von Schwimmer Markus Rogan drehen sich seit zwei Jahren ausnahmslos um Olympia. Vor dem Sprung ins Wasser plagt ihn die Angst vor dem endlosen Unglück. Ein "Presse"-Interview.

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Haben Sie Ihren Auftritt als Fahnenträger eigentlich geübt?

Markus Rogan: Ich hatte zwar eine Fahne, aber keine Stange. Insofern hat sich das Training als schwierig herausgestellt. Ich wollte nur nichts falsch machen.

Kann man denn dabei etwas falsch machen?

Und wie. Man kann die Fahne verlieren, stolpern oder vor lauter Aufregung der eigenen Mannschaft davonlaufen. Es hat schon Fahnenträger gegeben, die haben die vordere Nation eingeholt.


Ihr erster olympischer Auftritt in London ist jedenfalls geglückt. Sind Sie für Ihre Starts im Wasser zuversichtlich?

Ja, weil ich merke, dass sich alle Entbehrungen im Vorfeld, die brutalen Trainingseinheiten und sämtliche Wutausbrüche gelohnt haben.

 

Woraus schließen Sie diese Erkenntnis?

Ich verspüre eine riesige Vorfreude, kann stolz behaupten, dass ich alles für diesen Wettkampf getan habe. Ich vergleiche meine Vorbereitung mit einem Rendezvous.

 

Schildern Sie uns Ihre Gedanken?

Vor einem Rendezvous müssen Sie vieles erledigen. Sie brauchen genug Geld für das Abendessen, die richtige Kleidung, das richtige Restaurant. Und beim Abendessen selbst müssen Sie Ruhe bewahren. Dann können Sie die Dame vielleicht mit nach Hause nehmen.

Sie klingen entspannt, dabei geht es doch um sehr viel.

So ist es auch wieder nicht. Ich bin noch nie zu Olympischen Spiele gefahren und habe dieses Ereignis als Spiele gesehen. Das ist die brutalste Ironie überhaupt. Der ernsthafteste Wettkampf der Welt wird Spiele genannt. Das ist eigentlich bescheuert.

 

Haben Sie einen Vorschlag?

Olympische Ernsthaftigkeit.

 

Was sieht die finale Vorbereitungsphase im Wasser aus?

Ich probe verschiedene Teilmomente des Rennens. Den Start, die Wende, das alles im Idealfall in Wettkampfgeschwindigkeit. Man probt den Ernstfall. Nicht zehn Mal, sondern ein Mal am Tag. Die Kunst ist es, etwas nicht irgendwann, sondern im richtigen Moment zu beherrschen. Bei Olympischen Spielen schwimmen statistisch gesehen nur zehn Prozent persönliche Bestzeit. Das war in der Vergangenheit oft mein Glück. Ich konnte Dinge nur dann, wenn es darauf ankam.

 

Können Sie kurz vor dem Wettkampf noch an etwas anderes als an Olympia denken?

Ich kann seit 30 Jahren meinen Kopf nicht ausschalten. Und seit zwei Jahren denke ich an nichts anderes mehr als an Olympia, 24 Stunden am Tag. Während des Wettkampfs bin ich nicht dumm genug, um meinem Körper einfach die Arbeit verrichten zu lassen. Ich würde gern mit dieser Hirnwichserei aufhören. Aber mehr als ein paar Sekunden Ablenkung sind unmöglich.

 

Wie gelingt es Ihnen, sich für einige Sekunden abzulenken?

Das passiert nicht aktiv, sondern eher zufällig. Bevor ich nach London gereist bin, habe ich ein Trainingslager in der Schweiz absolviert. Als ich ohne Zeitnahme durch einen See geschwommen bin, habe ich für kurze Zeit an gar nichts gedacht. Das war wunderschön. Ich wünschte, ich könnte so richtig dumm sein und mir gar keine Sorgen machen.

 

Sehnen Sie den Moment herbei, in dem der olympische Druck von Ihnen abfällt?

In Wahrheit habe ich Angst davor. Ich habe Angst vor dem endlosen Unglück. Sollte ich anschlagen und wie in Peking wieder Vierter sein: Bist du wahnsinnig, damit müsste ich den Rest meines Lebens leben.

 

Wird diese Angst mit jedem Tag größer?

Ja, klar. Die wird immer größer, je näher der Wettkampf kommt.

 

Könnten Sie diese Angst nicht in irgendeiner Form verdrängen?

Verdrängen wäre das absolut Falsche. Du musst sie akzeptieren und damit arbeiten. Im schlimmsten Fall kann ich drei Tage vor dem Wettkampf nicht schlafen. Im besten Fall nimmst du die Angst als Motivator. Wenn du Todesangst hast, bist du am stärksten.

Plagen Ihre Konkurrenten ähnliche Sorgen?

Die Hirnwichser schon. Also die, die zu viel im Kopf haben. Manche sind richtige Naturburschen wie Ryan Lochte, der hat überhaupt kein Problem damit. Beim Skifahren war Hermann Maier auch so ein Naturtyp. Der hat die Strecke gesehen und sich einfach gedacht: „Ich fahre da runter.“ Stefan Eberharter hat viel mehr nachgedacht. Tennisspieler Andy Murray ist ein extremer Fall. Den hat es von allen Sportlern am schlimmsten erwischt. Und ich fürchte, ich habe ein wenig vom Murray-Syndrom.

 

Sie haben Ihre letzten beiden Rennen vor Olympia über 200 Meter Lagen und 200m Meter Kraul in Abwesenheit der Weltelite gewonnen. Ein letztes Doping für den Kopf?

Ich werde bei den Spielen zu 100 Prozent nicht Erster. Vielleicht wäre es demnach besser gewesen, ich wäre beim „L.A. Invite“ Dritter geworden. Ich werde es erst nach Olympia wissen, ob diese Siege etwas gebracht haben.

 

Was wissen Sie über die Vorbereitung der US-Topstars Ryan Lochte und Michael Phelps? Sie gelten als Favoriten über Ihre Paradestrecke, die 200 Meter Lagen?

Wenig bis gar nichts. Die Amerikaner sperren sich im Vorfeld von Olympia weg, da kommst du nicht ran, geschweige denn, dass du mit ihnen trainieren könntest.

 

Beachvolleyballer Clemens Doppler wurde bei seiner Olympia-Premiere 2008 von der Größe und Bedeutung der Veranstaltung regelrecht erdrückt. Lassen Sie sich bei Ihren vierten Spielen davon noch beeindrucken?

Ich kann Clemens verstehen, obwohl er bei seiner Größe eigentlich keine Angst haben sollte (lacht). Mir ist es in Sydney 2000 ähnlich ergangen. Mittlerweile gefällt mir dieses Bewusstsein. Es ist schön, daran erinnert zu werden, dass es sich bei Olympia um einen entscheidenden Wettkampf handelt. Der Sport ist wie ein Droge, und Olympia ist knapp vor der Überdosis. Nein, eigentlich ist das die Überdosis. Eine Europameisterschaft bekommt mit den Jahren einen gewissen Beigeschmack: „Na ja, Olympia ist es nicht.“ Ich bin jetzt schon so lange dabei, dass ich schon die große Menge an „Stoff“ brauche, um es noch zu spüren.

1982
wird Markus Rogan am 4. Mai in Wien geboren.

2000
beginnt er mit seinem Wirtschaftsstudium in Stanford, Kalifornien.

2001
gelingt Rogan bei der WM in Fukuoka der Durchbruch. Über 200 Meter Rücken gewinnt er Silber. 33 weitere Medaillen bei Großereignissen folgen.

2004
erobert Rogan bei den Olympischen Spielen in Athen zwei Silbermedaillen.

2008
wird Rogan bei den Olympischen Spielen in Peking über 200 Meter Rücken Vierter. Er erlebt die größte Enttäuschung seiner Karriere.

2012
bestreitet Rogan in London vermutlich sein letztes Großereignis. Über 200 Meter Lagen erhofft er sich eine Medaille.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

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25 Kommentare
 
12
Gast: Affffe
30.07.2012 17:44
0 0

Eigentlich sollte man so eine Aussage nicht ausstrahlen

Ich fest davon überzeugt, dass das was gesagt wurde, aus irgendeiner Emotion heraus, nicht so gemeint war, wie es nun ausgelegt wird.
Eigentlich würde ich es von den Medien auch in Ordnung finden, wenn solche Sequenzen einfach rausgeschnitten werden.
Wahrscheinlich sind Sportler, ob intelligent oder weniger, dann erfolgreich, wenn sie genügend Biss, Ausdauer, Talent und auch Glück haben.

Gast: M.Eischi
30.07.2012 12:54
2 0

Das wird böse enden...

Schade. Riesentalent eigentlich. Sportler sind aber auch Vorbilder und wissen das auch, vorausgesetzt sie sind halbwegs intelligent. Offenbar sind Sie das nicht Hr. Rogan, auch wenn diese Einsicht irgendwann ihre größte Niederlage sein wird.
Wenn er irgendwann in naher Zukunft zu langsam wird für den Spitzensport, dann fürchte ich er wird irgendwann aufwachen und merken, dass er ausser seinem Talent nie etwas hatte, schon gar keine Persönlichkeit für die sich irgendjemand nun interessieren könnte. Die einzige Möglichkeit ist dann ein weiteres Interview in welchem er in einem Anfall von purem Neid andere schlecht und klein macht, nur um sich selbst in seiner Welt ein gewisses Maß an Größe zu verleihen. Naja, vielleicht bekommt er eine Reality-Soap auf ATV, das ist leider die einzige Bühne die er verdient hat.
Traurig traurig....

1 0

lasst ihn doch reden....

...das tut er doch so gerne!
ich find es ja sehr spannend wenn er sich als athlet davor "fürchtet" dass ihm die Fahnenstange aus der Hand faellt oder er stolpert. naja da wird es mit einer Medaille schwierig, besser er konzentriert sich wieder auf die leichten Mädels, die hören ihm gern zu, und vielleicht kriegt er wieder mal ein blaues Auge, ist auch eine Form von "Auszeichnung" ;)
trotzdem alles gute, hoffentlich hält er beim schwimmen den Mund, sonst bremst das...

alles Gute!

eine unserer wenigen Medaillen Hoffnungen und dies in einer Welt-Sportart! Man muß ihn nicht mögen, aber seine sportlichen Leistungen bis dato wurden und werden sehr selten von Österreichern erreicht werden...
Anmerkung: immer wieder traurig sind die bashing Gast-Kommentare!

Antworten Gast: dfdfg
29.07.2012 18:45
6 1

Re: alles Gute!

@bonomax
ich hoffe auch du wirst es einsehen, dass herr allgott allmächtiger ach so toller markus rogan es aber schon vor allem selbst mit seiner großen und arroganten klappe herausfordert, dass man einfach auf ihn verbal eindreschen muss.

selten habe ich so einen unsypatischen wichtigtuer wie herrn rogan gesehen, der anscheinend noch immer in schwerer pupertätskrise eines 16 jährigen steckt, demm jeglich erfolg und auch misserfolg sofort in den kopf steigt.

Gast: Grieg, Liszt & Händel
29.07.2012 13:20
2 1

Der Rogan

ist das schwimmende Pedant zu Steffi Graf, der Leichtathletin.
Immer hinterher und nie vorne allein bei wichtigen
Veranstaltungen.

Rogan ermüdet!

In jedem seiner Worte offenbart sich letztlich eine grenzenlose Selbstverliebtheit - genau jene, die ihn ohne Medaille wieder nach Hause fahren lässt. Rogan hat tolle Leistungen gezeigt, aber den Zeitpunkt des Rücktritts verpasst. Er hat eigentlich keine Chance, erfolgreich heimzukehren. Interviews sowie "Airplay in der Öffentlichkeit" sind ihm leider schon lange viel zu wichtig geworden. Herr Rogan, sie machen mich müde mit ihrer "Hirnwichserei", die vielleicht in der einen oder anderen zweitklassigen Talkshow noch Gehör finden würde.....

Die Gedanken von Schwimmer Markus Rogan ...

... sind ebenso erfolgreich (die Gedanken), wie die meinen - grübel, grübel und so dahin geschwommen!

Hannes Androsch

Niki Lauda
Markus Rogan

Antworten Gast: b754
29.07.2012 10:36
0 0

Re: Hannes Androsch

lugner
stronach

Gast: gast11
28.07.2012 23:56
0 0

chinesisches oder US-amerikanisches doping bräuchte man

denn das deutsche zeug kann scheinbar nicht mithalten.

weltrekordhalter biedermann ist schon im vorlauf ausgeschieden.

Dieser Markus R. ...

... ist eine konkurrenzlose Weichbirne. Jeder weitere Kommentar ist überflüssig.

Antworten Gast: b754
29.07.2012 15:58
1 0

Re: Dieser Markus R. ...

http://www.news.at/articles/1230/268/336389/markus-rogan-spitzensportler
laut seiner theorie simmt dein posting

4 0

Re: Dieser Markus R. ...

warum so bösartig?
Wir werden ja bald sehen welche Leistung er erbringt!

Gast: b754
28.07.2012 21:05
4 1

eine fahne hatter er schon öfter


Gast: kyn
28.07.2012 19:38
8 6

Die Gedanken von Schwimmer Markus Rogan drehen sich seit zwei Jahren ausnahmslos um Olympia.

- der muss ja dann viel zu denken haben...

7 3

Re: Die Gedanken von Schwimmer Markus Rogan drehen sich seit zwei Jahren ausnahmslos um Olympia.

nun, unsere erfolgreichen Salzburger Fußballer denken auch. dauernd. ans Geld. wieviele Medaillen hat Markus Rogan schon gewonnen? und die restlichen Schwimmer zusammen? seit Beginn der Aufzeichnungen? ok.

Gast: b754
28.07.2012 18:46
3 16

wieso hat der noch einen österreichischen pass


Re: wieso hat der noch einen österreichischen pass

weil er in italien keinen kriegt

12 2

Re: wieso hat der noch einen österreichischen pass

sie sind unglaublich...

Gast: Besucher
28.07.2012 18:13
6 16

Gast

Jemand der betrunken über eine Disco Mauer klettert und danach die Angestellten bedroht, danach dementiert und danach wiederrum zugibt hat bei mir ausgeschissen! Eine Schande, Österreich weiterhin zu vertreten.

9 3

Re: Gast

Das war damals sicher ein Fehler. Haben wir sonst in Österreich nur fehlerlose Menschen?
Wieviele Sportler haben wir, welche wirklich Weltklasseniveau haben?

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Re: Gast

wohl nie jung gewesen? wohl ein Pharisäer ?

Antworten Antworten Gast: sdfsdfsdf
28.07.2012 22:38
4 2

Re: Re: Gast

rogan ist und war zu diesem zeitpunkt nicht mehr jung, sondern ist einfach nur arrogant und denkt er kann sich alles erlauben.
ich habe mich dumm und dämlich gelacht, wie er damals eine auf seine vorlaute pfeife bekommen hat.

denn wir können uns alle nur ZU GUT vorstellen, was davor herr rogan in bekannt arroganter art von sich gegeben haben wird ...

Re: Re: Re: Gast

er ist mit Sicherheit einer der nervigsten Sportler, ich frage mich wie er zu Interviews kommt ...

 
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