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London 2012: Die Spiele der Windsors

29.07.2012 | 18:32 |   (Die Presse)

Queen Elizabeth II. wirkte bei der Eröffnung der Sommerspiele mit, Charles und Camilla zeigen sich volksnah, auch William, Kate und Harry mischen sich unter die Olympia-Besucher. Die Royals sind Sportbegeisterte.

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London/Fin/Red. Die Sommerspiele laufen und die königliche Familie spielt eine große Rolle. Queen Elizabeth II. war Teil der Eröffnungszeremonie, auch Prinz Charles und Camilla sind bei Olympia oft zu sehen. Der Prince of Wales klopfte einem steirischen Journalisten beim Besuch des Radrennens sogar auf die Schulter. Die Windsors zeigen sich volksnah. Olympia in London ist wahrlich ein royales Schauspiel.

Im Frühjahr besiegte Prinz Harry Sprint-Superstar Usain Bolt in einem Showrennen auf Jamaika. Voller Vorfreude auf Olympia in London tönte Harry jüngst: „Ich habe Karten für die Finali über 100 und 200 Meter vorgemerkt.“ Ansonsten habe er Tickets für das Vielseitigkeitsreiten reserviert – denn Cousine Zara ist am Start. Und er geht zum Beachvolleyballfinale der Damen.

Die Windsors galten schon seit jeher als sportverrückt. Ein Königshaus voller Pferdenarren, was den Stand für Herzogin Kate nicht leicht macht. Sie hat eine Pferdehaar-Allergie.

Die Königin selbst ist von Kindesbeinen an, übrigens schon wie ihre Mutter, Reiterin und Expertin für Pferderennen. Sie ist Stammgast beim Galopp-Klassiker in Ascot, bei dem ihre Pferde schon viele Preise abgeräumt haben. Nur mit ihren bunten Hüten und Kostümen haben die Juroren nach wie vor so ihre Probleme. Die Queen berührt das nicht, sie besitzt und züchtet ohnehin viel lieber Vollblüter. Ansonsten wandert die 86-Jährige gerne, spaziert mit ihren Labradors und tanzt schottische Tänze.

 

Goldmedaille im Königshaus

Ihr Mann, Prinz Philip, war passionierter Segler und Cricket-Spieler. Auch der 91-Jährige ist Pferdenarr und vertrat Großbritannien im Vierspänner-Fahren bei Welt- und Europameisterschaften. Allerdings verletzte er sich auch oft bei Reitsportunfällen. Deswegen musste er dem Polo, auf Anraten der Ärzte, abschwören. Zuletzt gingen ihm 2010 die Pferde durch, seine Kutsche krachte gegen einen Baum.

Prinzessin Anne war eine der erfolgreichsten Military-Reiterinnen des Landes und gewann 1971 die EM. Die BBC kürte sie damals gar zur Sportlerin des Jahres. Pech hatte sie allerdings auch bei den Spielen 1976 in Montreal, als sie mit „Goodwill“, einem Pferd der Queen, nach einem Sturz nur 24. wurde. Derzeit sitzt sie im Internationalen Olympischen Komitee und ist folglich auch Mitglied des Organisationskomitees bei den Spielen in London. Ihr Vater, Prinz Philip, formulierte einmal ihr sportliches Engagement allerdings ganz anders: „Anne interessiert sich für niemanden, der kein Heu frisst und furzt ...“

Ihre Tochter Zara Phillips trat in die Fußstapfen der Eltern. Annes Ex-Mann Mark Phillips hatte bei Olympia 1972 in München Military-Gold im Team gewonnen. Die Lieblingsenkelin der Queen hatte zweimal olympisches Pech: Vor den Spielen 2004 in Athen und 2008 in Peking verletzte sich jeweils ihr damaliges Pferd „Toytown“. „Geil“ nannte die 31-Jährige unschicklich ihre Last-minute-Nominierung für die Heimatspiele. Sie ist mit Rugby-Nationalspieler Mike Tindall verheiratet.

 

Fallschirm, Polo und Gartenarbeit

Prinz Charles sieht man oft als wandernden Naturfreak auf Fotos. Dabei ist er eine wahre Sportskanone. Er nahm als Jockey an Pferderennen teil, tauchte und segelte. Wie sein Bruder Andrew löste er bei der Royal Air Force auch eine Fallschirmlizenz. Bis 2005 spielte er Charity-Polo mit beachtlichem Handicap, trat nach 40 Jahren aber zurück. Auch auf Skiern macht er eine gute Figur, traditionell beim Winterurlaub mit seinen Söhnen in Klosters in der Schweiz. Seine Frau Camilla liebt ebenfalls den Reitsport. Ansonsten spaziert sie nur durch die schottische Natur – und verdonnert Charles oft zur Gartenarbeit.

Prinz Harrys Party-Marathons sind nicht seine einzige Konditionsübung. Der Draufgänger fährt Ski und spielt mit Vorliebe Rugby oder Polo. Prinz William war in der Schule Kapitän des Rugby-Teams und behauptete sich ebenso beim Tontaubenschießen. Seit 2006 ist er Ehrenpräsident des englischen Fußballverbandes (FA). Auch seine Frau, Her Royal Highness Kate, ist sehr sportlich: Tennis, Hockey und Netball ist auf www.royal.gov.uk über ihre Interessen zu erfahren.

Für viele mag es ein zusätzlicher Anreiz sein, um ins olympische London zu reisen. Für den steirischen Reporter glich die Begegnung jedenfalls einem Ritterschlag ...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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