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Weinkrampf auf der Planche: „Habe regelkonform entschieden“

31.07.2012 | 18:06 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Die Salzburger Schiedsrichterin Barbara Csar steht nach dem Duell der Deutschen Britta Heidemann und der Südkoreanerin Shin A-Lam im Halbfinale der Degenfechterinnen in London in der Kritik.

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„Allez!“ Als die Salzburger Schiedsrichterin Barbara Csar das letzte Gefecht im Halbfinale der Degenfechterinnen im ExCel-Center freigibt, stürzen die Deutsche Britta Heidemann und die Südkoreanerin Shin A-Lam aufeinander zu. Es steht unentschieden, gelingt beiden kein Treffer, ist A-Lam dank des Aufstiegsloses im Finale. Wie beim Eishockey, es ist ein Sudden Death.

Es ist nur noch eine Sekunde lang Zeit, das zeigt die Anzeigetafel. Im Fechten ist das die kleinste gemessene Einheit. Eine auf Zehntel oder Hundertstel genaue Zeitnehmung, die in solchen Fällen höchst nützlich wäre, ist im Reglement nicht vorgesehen. Heidemann muss treffen – und damit begann ein Drama, wie es Olympische Spiele selten erlebt haben.

Heidemann trifft und siegt, doch Südkorea protestiert sofort. Der Treffer sei zu spät, nach Ablauf der Zeit, gefallen. Wütend und wild gestikulierend baute sich der Trainer vor Barbara Csar auf. Seine Fechterin weinte währenddessen Rotz und Wasser. Hektik brach aus, dann hob die 29-jährige Csar aus Großgmain, die einzige Frau im Kreis der Fechtschiedsrichter, Heidemanns Hand: Sieg.
Jubel und Geschrei vermischten sich. 25 Minuten lang diskutierten die Herren des Weltverbandes über die Entscheidung. Videos wurden studiert, die Zeitmessung kontrolliert, es war ein Theater.

Für Shin A-Lam war es jedoch ein Drama. Die Südkoreanerin war gebrochen und blieb einfach auf der Planche sitzen. Es war ihre Form des Protests, aber zugleich auch die einzige Chance. Wäre sie aufgestanden, wäre das der Anerkennung des umstrittenen Urteils gleichgekommen. So sind die Regeln im Fechten.
Erst nach 75 Minuten konnten Funktionäre die Fechterin von der Planche bitten. Sie weinte immer noch. Auch die Österreicherin Barbara Csar musste weinen, als sie die Halle verließ. Aber sie hatte richtig entschieden. Heidemann sollte später Silber gewinnen. Es war Deutschlands erste Medaille bei den Sommerspielen in London.

Wilder Streit trotz Elektronik

Auch am Tag danach beschäftigte die Entscheidung der Salzburgerin noch die Gemüter. War der Treffer korrekt? Er muss es doch gewesen sein, denn die Lampe kann nur aufleuchten, wenn die Aktion noch in der Zeit gewesen ist.

TV-Bilder von ZDF zeigen, dass der Treffer eine Hundertstel vor Kampfende gefallen ist. Warum aber die Funktionäre des Weltverbandes so lange an Csars Entscheidung zweifelten, bleibt unklar. Schließlich steht sie seit 2008 auf der Grand-Prix-Liste, an Erfahrung mangelt es ihr nicht.

Selbst bei der Frage, warum Schiedsrichter entscheiden, obwohl es elektronische Treffer-Anzeigen gibt, bleibt es mysteriös. Vor allem bei strittigen Situationen hat der Mensch das letzte Wort. Auf Csars Salzburg-Wiki-Homepage steht ein Satz. „Athleten und Trainer testen einen immer aus. Da ist es wichtig, eine klare Linie beizubehalten. Ich habe mich regelkonform verhalten.“

Die Südkoreanerin mag zwar verloren haben, doch die Bilder ihrer Verzweiflung und des Protests gingen um die Welt. Sie hatte 75 Minuten auf der hell beleuchteten Planche ausgeharrt. Dann verließ sie ihre Bühne, umarmte den Coach und wurde vom Publikum gefeiert. Zehn Minuten später kam sie zurück, der Kampf um Bronze stand an. Aber auch dieses Duell verlor sie. Ein Schultertreffer kostete die Medaille. Shin A-Lam war das egal. Ihr Herz wurde an diesem Abend schon zu tief verletzt.

Übel nahmen das umstrittene Aus einige ihrer Landsleute. „Du bist eine Rassistin“, schimpfte ein Fan aus Südkorea via Twitter. Andere User veröffentlichten im Netz E-Mail-Adresse und Handynummer von Barbara Csar.

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14 Kommentare
Gast: Affffe
01.08.2012 12:05
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Ich bin sicher es wurde korrekt entschieden

Ich würde nicht sehen, dass da ein Fehlurteil erfolgte. Natürlich waren die Umstände nicht ideal. Aber höchstwahrscheinlich war die Situation derart eigenartig, dass bei jeder anderen Reaktion ebenfalls viele von Fehlurteil gesprochen hätten.

Also ein typischer Fall von Lost-Lost.

Die Reaktion der Sportlerin finde ich äußerst unangemessen und gehört aus meiner Sicht ebenfalls mit einer Disziplinarstrafe belegt.

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Die Deutschen schulden uns jetzt jedefalls etwas

Wobei die Dikussion einfach lächerlich ist. Der Treffer ist noch in der letzten Sekunde zustande gekommen.

Die Koreanerin hätte es doch auch aktiv verhindern können, aber sie wollte die Zeit aussitzen! Das geht meist ins Auge.


Gast: Hermann vom Gipfel
01.08.2012 08:48
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Österreich: Eine Schande für Olympia

Soetwas darf nicht passieren. Besonders die Aufarbeitung einer solchen Situation durch die österreichische LEiterin ist skandalös und die eigentliche Blamage. Sie ist einem solchen Wettkampf einfach nicht gewachsen gewesen. Jeder andere hätte das souverän gemanagt. Österreich hat bei Olympia eigentlich nichts verloren.
Im übrigen kannaufgrund von Videobildern überhaupt nicht festgestellt werden, dass ein Treffer eine hunderstel Sekunde vor Ablauf der Zeit erfolgte (Bilddauer). Somit muss in Erwägung gezogen werden, dass es sich um einen ALT-österreichischen grossdeutschen Betrug gehandelt hat.

Gast: Randy
31.07.2012 20:16
0 0

Zuerst Informieren!

, bevor man hier seinen geistigen Müll ablässt.
Die Koreanerin Shin A-Lam hat zugestimmt die letzte sekunde auszufechten. Die SR hatte überhaupt keinen Einfluss auf die Entscheidung. Schwacher Artikel + noch peinlichere Kommentare

Gast: Michael Meisel
31.07.2012 17:50
1 0

Schweinerei der Frau Barbara Czar

Warum hat sie - als die Anzeige auf Null stand - die Kämpferinnen dennoch nocheinmal aufgerufen. Die Null ear lange überfällig und sie war auch angezeigt. Dasnenne ich "bösen Willen"! Und dann behauptet sie doch ungeniert, daß sie keinen Einfluß auf die Zeitnehmung habe...

Gast: thomas999
31.07.2012 15:20
2 0

Eigen

ich finde es nicht ok, dass sich in dieser "kniffligen" Frage die Technokraten und nicht die Sportleistung durchgesetzt haben.

Gast: Kurti
31.07.2012 14:51
1 4

Die österreichische Kampfrichterin hat alles richtig gemacht

Die Schuldigen sind erstens der Zeitmesser, der einmal während einer Unterbrechung die Uhr von 0:01 auf 0:00 gestellt hat. Und zweitens natürlich der koreanische Trainer, der mit dem Theater begonnen hat.

Von der Zeit her sind 4 Aktionen in 1.99 Sekunden sehr wohl möglich. Kann sich jeder auf Youtube anschauen.

Antworten Gast: Young
01.08.2012 09:47
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Re: Die österreichische Kampfrichterin hat alles richtig gemacht

1,99 Sekunden in den vier Anfälle können möglich sein. Das bedeutet aber, Fechten oder 0.xx 1,00 Sekunden im Spiel eine choran. 60,99 Sekunden vor dem Start des Spiels wird zwei 60-Sekunden-Periode, da die Zahl sein.

Gast: reinkaos
31.07.2012 13:16
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Na ja, wie immer...

Also von Der Presse habe ich eigentlich mehr Klasse und auch mehr Unparteilichkeit erwartet, aber wenn es um unseren großen Nachbarn geht, na ja, dann setzt es es halt wie üblich ein wenig aus. Die Überschrift alleine ist eigentlich eine Frechheit, denn die Geschehnisse gestern waren so weit von einem Skandal entfernt wie nur möglich. Aber dafür müsste man sich halt ein bisschen informieren und recherchieren im Vorfald, und nicht gleich reisserische Überschriften verfassen, weil ja die bösen Deutschen wieder einmal bevorteilt wurden.

Wenn diese kleingeistigen und äußerst dümmlichen Praktiken nicht so traurig wären, dann könnte man sich ja zerbröseln vor lauter Lauchen, denn peinlicher geht es nun ja wirklich nicht mehr.

Re: Na ja, wie immer...

Da haben Sie nicht ganz Unrecht. "Skandal" ist wohl etwas zu hoch gegriffen. Wir haben den Titel geändert.

Re: Re:

Es gibt überhaupt keinen Grund, vor dem Vorposter zu kriechen.
Aus einer einzigen Sekunde Zeit wurden 2-3 Sekunden Zeit gemacht, wodurch die schlechtere Sportlerin gewonnen hat. Wenn sowas in irgendeinem unbedeutenden Kampf stattfindet - was soll's? Aber bei den olympischen Spielen, die ein Lebensereignis für die Sportler sind und sie in die Sportgeschichte eingehen lassen, ist so eine Wertung skandalös.
Auch andere Medien sprechen, völlig berechtigt und ungeachtet der Nationalität der unwürdigen Siegerin, von einem Skandal.

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Re: Re: Re:

Ich würde meinen, dass beide an diesem Tag gleich gut waren. Die Glücklichere hat letzten Endes gewonnen.

Die Entscheidungen der Schiedsrichterin mit dieser letzten Sekunde sind zu akzeptieren, so wie das im Fußball auch immer der Fall ist, auch wenn die Entscheidung vielleicht nicht ganz korrekt gewesen sein sollte!

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Re: Re: Re:

..und im Gegensatz zur Kampfrichterin können Sie natürlich beurteilen, wer die schlechtere Sportlerin ist! Wobei der Ausdruck "schlechtere" eine Frechheit und Gemeinheit ist, die Sie selbst ziemlich mies dastehen lässt.

Re: Re: Re: Re:

Dass beide Spitzenklasse sind steht außer Frage, aber die Südkoreanerin wäre die gewesen, die mit fairer Zeitrechnung gewonnen hätte, also war sie in diesem Kampf die Bessere.