London. Dinko Jukic hatte sich so viel vorgenommen für sein erstes Olympia-Finale. Der Schwimmer hatte sogar davon gesprochen, dass er Gold gewinnen kann. „Denn ich bin einer der besten acht Schwimmer der Welt – alle sind in diesem Finale.“
Aber bei der Entscheidung über 200 Meter Delfin im Aquatics Center konnte sich der 23-Jährige seinen großen Traum Dienstagabend nicht erfüllen. Ihm blieb nach einem extrem kraftvollen Auftritt nur der undankbare vierte Platz. Selbst der OSV-Rekord von 1:54,35 Minuten reichte nicht für den ersehnten Podestplatz. Auf Bronze fehlten ihm 1,14 Sekunden.
Die Show hatten ihm andere gestohlen, die an diesem Abend einerseits den besseren Start erwischten, andererseits auf allen vier Längen ein gehöriges Tempo an den Tag legten. Allen voran US-Superstar Michael Phelps, der sich in diesem Rennen endgültig zum erfolgreichsten Olympioniken krönte. Zwar musste er im Endspurt noch dem Südafrikaner Chad le Clos den Vortritt lassen, der in 1:52,96 Minuten triumphierte, doch damit hatte Phelps kein Problem. Silber tat es auch, zumal er nur knapp eine Stunde später mit der US-Staffel die 4 x 200 Meter Freistil vor Frankreich und China gewann. Damit überholte Phelps Larissa Latynina (UdSSR) und ist mit 19 olympischen Medaillen der erfolgreichste Sportler bei Sommerspielen.
Jukic will bis Rio weitermachen
Jukic ließ das Rennen schnell noch einmal in seinen Gedanke Revue passieren. „Ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe alles gegeben“, sagte er und kontrollierte noch einmal seine Durchgangszeiten. Er schüttelte nur einmal den Kopf, dann lächelte er schon wieder. Die Show muss weitergehen, als nächstes Rennen warten die 100 Meter Delfin. „Ich muss es abhaken, darf der Chance nicht trauern. Platz 4 ist so undankbar.“
2008 in Peking war Jukic noch auf Platz 10 gelandet, nun ist er auf seiner Paradestrecke in der Weltspitze angekommen. Er kann mit Größen wie Phelps mithalten, das gab ihm die Zuversicht, dass die Zusammenarbeit mit seinem Vater in die richtige Richtung weist und die Zukunft ihm gehören könnte.
Angst vor einer Sperre hat er ja keine, selbst wenn sie verhängt werde, hänge er seine Badehaube sicher nicht an den Nagel. „Ich blicke weit nach vorne“, sagte er, „für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro schaut diese Ausgangsbasis sehr gut aus.“ Dem müssen nun nur noch die Funktionäre des Verbandes zustimmen. Sie könnten allerdings durch die Tatsache, dass Jukic ihr einziges Aushängeschild bis dorthin sein wird, einlenken und den Sportler weiterhin unterstützen. Das war nach Jukic's Gegenschlag plötzlich im Österreich-Haus am Tower Hill zu vernehmen. Auch Jukic glaubt nun daran: „Ich mache nach den Spielen Urlaub und ich glaube, dass ich im September wieder vor der TV-Kamera lächeln werde . . .“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 1.07.2012)
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