Das zweite Olympiagold hat der neuen chinesischen Starschwimmerin Ye Shiwen im Anschluss eine Art Kreuzverhör beschert. Bei einer Pressekonferenz mit Zügen einer Inquisition musste sich Ye nach ihrem Sieg über 200 Meter Lagen am späten Dienstagabend in London harte Fragen gefallen lassen. Wie in einem amerikanischen Gerichtssaal fragte ein Reporter: "Haben Sie jemals leistungssteigernde Mittel genommen? Antworten sie nur mit Ja oder Nein!" Die 16-Jährige blieb äußerlich gelassen und wurde mit: "Auf keinen Fall" übersetzt.
Über die andauernden Doping-Fragen sagte die Gewinnerin beider Lagen-Distanzen: "Es ist ein bisschen unfair, aber es beeinflusst mich nicht." Unterstützung erhielt Ye von der drittplatzierten Caitlin Leverenz. "Es ist nicht an mir, andere zu beurteilen oder mit dem Finger auf sie zu zeigen", sagte die US-Amerikanerin. Die ehemalige deutsche Starschwimmerin Franziska van Almsick nannte die Doping-Verdächtigungen eine "Unverschämtheit", die sie nicht nachvollziehen könne. "Ich bin 1992 auch mit 14 zu Olympia gefahren und war erfolgreich. Es gilt die Unschuldsvermutung", sagte Van Almsick, die in Barcelona vier Medaillen geholt hatte.
(ag)
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