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Schwimmen: Rogan im Halbfinale disqualifiziert

01.08.2012 | 23:04 |  von Christoph Gastinger (London) (Die Presse)

Markus Rogan wurde im womöglich letzten Rennen seiner Karriere, dem Halbfinale über 200 Meter Lagen, disqualifiziert. Die Blamage von London war perfekt.

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Markus Rogan, der Mann der großen Worte, war plötzlich ganz kleinlaut. Nach dem Halbfinale über 200 Meter Lagen verstand er die Welt nicht mehr – und einen Schiedsrichter. Rogan wurde im „Rennen seines Lebens“ disqualifiziert. Eine falsche Wende wurde dem Wiener zum Verhängnis. In 1:58,81 Minuten schlug er als Vierter seines Halbfinals an.

Markus Rogan: Österreichs erfolgreichster Schwimmer aller Zeiten

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Eine Zeit, die ohnehin nicht zum Einzug in den Endlauf gereicht hätte. Rogan schwamm nur die neuntschnellste Zeit unter 16 Athleten. Dennoch legte der österreichische Verband Protest ein. Rogan wollte die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht würde einer der Finalisten seine Nennung zurückziehen, weil er am Donnerstag auch andere Bewerbe zu schwimmen habe. „Aber bei Olympia ist das relativ unwahrscheinlich“, gab Rogan zu Protokoll. Tatsächlich wird der Südafrikaner Chad le Clos, der sich als Siebenter qualifizierte, nicht im Finale antreten. Es brachte Rogan aber nichts. Der Protest wurde abgewiesen, die Disqualifikation bleibt aufrecht.

Blamage zum Abgang

Unabhängig davon war es dem 30-Jährigen wichtig, in der Ergebnisliste seines womöglich letzten Rennens mit einer Platzierung aufzuscheinen. Der Protest lenkte in gewisser Weise auch von der enttäuschende Leistung Rogans ab. Schon nach dem Vorlauf, den er als Achter abschloss, äußerte er Bedenken. Er wisse nicht, ob er noch schneller schwimmen könne.

Die ernüchternde Antwort auf diese Frage fand er auf Bahn sechs des Aquatics Centre zu London. Rogan, mit 34 Medaillen bei Großereignissen Österreichs mit Abstand erfolgreichster Schwimmer, wusste sich nicht zu steigern. Im Halbfinale war er um 15 Hundertstelsekunden langsamer als noch im Vorlauf. Die Blamage war perfekt. Unmittelbar nach seinem Halbfinale war Rogan gedankenverloren, fand keine Erklärung für seine Darbietung: „Ich kann nicht beschreiben, was in mir vorgeht. Mein Ende habe ich mir anders vorgestellt.“ Der Traum vom Glück in Form einer Medaille sollte sich nicht erfüllen, platzte auf brutalste Art und Weise.

Rogans Scheitern wird in Österreich von seinen Kritikern, die in den letzten Tagen nach seine respektlosen und unangebrachten Äußerungen über Hermann Maier deutlich mehr wurden, kopfnickend zur Kenntnis genommen.

Halbfinal-Ergebnis:
1. Ryan Lochte (USA) 1:56,13 Min.
2. Laszlo Cseh (HUN) 1:56,74
3. Michael Phelps (USA) 1:57,11
4. Thiago Pereira (BRA) 1:57,45
5. Kosuke Hagino (JPN) 1:57,95
6. Ken Takakuwa (JPN) 1:58,31
7. James Goddard (GBR) 1:58,49
7. Chad le Clos (RSA) 1:58,49.

Disqualifiziert: Markus Rogan (AUT).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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125 Kommentare
 
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Gast: Affffe
02.08.2012 18:17
1 0

Interessante Kommentare

Wäre ich Spitzensportler, ich würde es mir dreimal überlegen für Österreich anzutreten, es sei denn ich wäre Wintersportler, die mit Geld überschütteten und gehätschelten Liebkinder in Österreich.

Mich würde nicht wundern, wenn Dinko Jukic künftig lieber für Kroatien an den Start gehen würde, bei soviel Häme, selbst wenn man ein außergewöhnlicher Spitzensportler ist.

Was Intelligenz betrifft - ich glaube, es gibt verschiedene Arten von Intelligenz - sicher die Bauernschläue eines Hermann Maier und die der schulischen Ausbildung von Herrn Rogan.

Beides ist ok und beides führt zum Ziel. Ich glaube eher Herr Rogan wollte zum Ausdruck bringen, dass man nicht zuviel überlegen sollte, wenn man ein Risiko eingeht und das wieder könnte für beide möglich sein oder auch nicht.


Re: Interessante Kommentare

Dinko Jukic wäre in der Tat gut beraten für ein anderes Land zu starten - ein Land, in dem es zumindest ein Schwimmbecken zum trainieren gibt, wo man nicht zwischen plantschenden Badegästen seine Längen ziehen muss.

In Österreich erfolgreicher Schwimmer zu werden ist in etwa genauso aussichtsreich, wie erfolgreicher Skifahrer in Jamaika.

Gast: gast11
02.08.2012 17:08
1 0

der arme rogan

hat für den pöbel zuviel- und für alle anderen zuwenig hirn. wenn er ehrlich ist, wird ihm das wort im mund verdreht und wenn er nicht ganz ehrlich ist, wird ihm das auch vorgehalten.

zum glück dreht es sich beim zeitung lesen nicht um menschen, sondern um themen und gegenüber themen muss man keine rücksicht nehmen.... oder doch?

Rogans Glück und Ende

Rogan tat mir leid, glich einem Häufchen Elend beim Interview, dann auch noch die entbehrliche Frage des Journalisten - Wie fühlen sie sich jetzt. Na ja, die Wettkampfregeln sollte man trotzdem umsetzen können um erfolgreich zu sein - was seine eigene Erfolgstheorie wiederum absurdum führt.

Gast: Hr. Huber
02.08.2012 14:53
1 1

Konvertieren statt verlieren

Mach dir nix draus, Markus. Badehose runter, Kippa rauf, und auf gehts ins internationale Bankgeschäft.
Bessere Voraussetzungen gibt es gar nicht. ;)

Gast: Don Quichote
02.08.2012 14:49
5 0

Es ist schon beschämend, ...

... wie hier manche, die das Wort Leistungssport vermutlich nicht einmal buchstabieren können, mit Bierbauch, Doppelkinn und Gössermuskeln ausgestattet vor dem PC sitzend über einen Ausnahmesportler herziehen, weil er ihre nationalen Erfolgsbedürfnisse nicht befriedigen konnte und zudem ein paar unglückliche Sager getan hat. Ein wenig mehr Großzügigkeit wäre schon angebracht, wenn einer von den einstmals ganz Großen die Bühne verläßt.

Re: Es ist schon beschämend, ...

Völlig richtig.
Dass die Worte von Rogan bei diesem Ö3 Interview gewiss alles andere als glücklich gewählt waren, ist das Eine, das Andere ist das meines Erachtens widerwärtige mediale Getöse darüber.
Er wollte sicher nicht weder Maier beleidigen noch pauschal die Intelligenz anderer Sportler in Frage stellen.
Österreich ist alles andere als ein Land, in dem Sportausübung dominiert, geschweige denn Hochleistungssport (auch in Relation zu seiner Größe nicht). Kein Wunder auch, dass wir auch i.d. Vergangenheit Medaillengewinne in erster Linie Individualisten zu verdanken hatten.
Rogan ist halt kein Angepasster und schadet sich insoweit nur selbst (Sponsoren usw.).
Fraglos ist er aber einer der besten und erfolgreichsten Sportler die Ö. je hatte. Noch dazu in einer Sportart, die bei uns wahrlich keine bes. Bedeutung hat.

Antworten Gast: gast11
02.08.2012 17:09
0 0

Re: Es ist schon beschämend, ...

danke!

Gast: 4ß0324
02.08.2012 14:43
1 1

zu ...

zu langsam, zu schön, zu dumm ... ???

Re: zu ...

Sie haben da was falsch verstanden - zu gescheit wäre wohl richtig... ;-)

Gast: b754
02.08.2012 14:35
3 1

wir wissen ja jetzt dass sieger nicht viel im kopf haben

aber was ist dann erst mit denen die disqualifiziert werden

Zu Schadenfreude und Lästerei

Ein Volk von Patrioten feiert die Erfolge seiner Sportler. Doch noch größeres Vergnügen als der Applaus bereitet die Schadenfreude. Jede Charakterschwäche, jedes unüberlegte Wort, jeder Fehler und alles Stolpern und Scheitern wiegt soviel wie die Errungenschaften der ganzen Karriere, und man ist sich einig: Diesen Menschen darf man an den Pranger stellen.

http://nachtliteratur.wordpress.com/2012/07/18/zu-schadenfreude-und-lasterei/

Gast: Gewerke
02.08.2012 13:46
2 4

mit 34 medaillen am hals

würden viele etwas daraus machen ( der kann halt zufällig von natur aus schnell schwimmen mehr aber anscheinend auch nicht u. ich meine so richtig gut im inter. vergleich ist er sowieso nie gewesen) --> gesellschaftlich,geschäftlich,karitativ ..... der aber kann nur deppat daherschwaffeln u. dafür hats eben auch nur für den gelben verband von raiffeisen auf seinen ..... - schädel gereicht (wahrscheinlich hat in aber der kopfverband gar vor grösseren verletzungen bewahrt bzgl. tetschn/türsteher in italy ) !! kann mir auch nicht vortstellen das es einen derart maroden (sport-)sender gibt der ihn als "experten" heranziehen möchte, denn wer ausser ein paar seinesgleichen(meine damit nicht die schwimmsportler) möchte so jemanden schon hören bzw. sehen (freiwillig) !!

Re: mit 34 medaillen am hals

soviel neid spricht aus diesen worten...unser international bester schwimmer(!)ist auch karitativ tätig!!!

Re: Re: mit 34 medaillen am hals

In der Diskothek war er auch schon einmal tätig... ;-)

Gast: Roh Gan
02.08.2012 13:30
3 2

Ich wollt ja gar nicht denken aber war plötzlich was im Kopf, vielleicht auch nur Wasser ...

...und plötzlich hab ich plötzlich keine Kraft mehr um noch schneller zu schwimmen. Das war echt so wie ich es schon gesagt hab... Ich hab nur mehr an i glaub des Wasser im Kopf denken müssen...

Gast: Kleki Petra
02.08.2012 13:19
10 2

Typisch österreichischer Umgang mit ehemaligen Helden

Der Hr. Rogan durchläuft grade ein typisch österreichisches Schicksal. Er ist der mit Abstand erfolgreichste österreichische Schwimmer aller Zeiten, seine vielen Medaillen geben davon Zeugnis. Trotzdem mag ihn jetzt keiner mehr, weil er unüberlegt drauflos geredet hat und solcherart an einem Denkmal gekratzt hat. Und dann auch noch das Unglück mit dem verpatzten Semifinale. Das verzeiht ihm der berühmte Hr. Karl keinesfalls. Der Hermann wird's im Gegensatz dazu aushalten, denke ich.
Manchmal kann der Markus halt sein Maul nicht halten, aber das können und konnten auch andere nicht, die dennoch in den Himmel gehoben werden und wurden, obwohl sie kaum etwas Vergleichbares erreicht haben.
Merke: Gscheiter als andere zu sein, kommt nicht gut an, darüber zu reden, schon gar nicht.

Antworten Gast: froma distance
02.08.2012 14:12
1 0

Re: Typisch österreichischer Umgang mit ehemaligen Helden

Markus Rogan zählt sicher zu den gebildetsten Sportlern des Landes. Bildungsbürgerlich wurde er quasi mit goldenen Löffeln geboren und gefördert. Ob er auch so intelligent ist wie sein Selbstmarketing verheisst, ist ein anderes Thema.

Rogan ist aber jedenfalls ein Spitzenathlet, der für sich und wohl auch Österreich als Schwimmernation Großes erreicht hat. Seine Leistung verdient Respekt, unabhängig von persönlicher Sympathie oder der Dummheit mancher Aussagen.

Österreich neigt leider zu distanzloser Vereinnahmung oder Abschätzigkeit.

Sportler

sollte man an Leistung messen.
Politiker sollte man am Charakter messen.
Ich bedanke mich bei Rogan, das ich oft vorm TV mitfiebern durfte!

Hochmut kommt vor dem Fall..

.. ein Scheitern vergönne ich auch niemanden, so viel sei gesagt. Aber Herr Rogan macht es einem durch seine Arroganz und Halbintelligenz nicht einfach ihn zu bedauern. die Kombination ist fatal

4 4

Intelligenz!?

Jetzt kann er fortan in den Fettnäpfchen schwimmen, in die er so fulminant - dank seiner ebenso fulminanten Intelligenz - hineinspringt!

5 1

Auch Sportler sind Menschen

Ich bin wirklich überhaupt kein Fan von Rogan, auch ich gönne ihm sein gestriges Scheitern - seine Aussage war mehr als überheblich. Dennoch finde ich, darf man seine sportliche Gesamtleistung in seiner Karriere nicht herunterspielen. Dass er sehr unglücklich ausgedrückt hat, ihm fehle viel an mentaler Kraft, ist durchaus eine legitime - wenn auch im Zusammenhang mit Hermann Maier und anderen Sportlern unvorteilhaft formulierte - Beschreibung seines Trainingszustandes. Es besteht ein Unterschied zwischen schlechtem Sportler und schlechtem Rhetoriker. Rogan verhält sich rhetorisch gesehen wie ein Elefant im Porzellanladen. Seine oftmalige Arroganz und Selbstverherrlichung potenziert das ganze. Sportlich gesehen konnte er durchaus ausgezeichnete Leistungen erbringen. Die gestrige Disqualifikation trägt naturgemäß wenig dazu bei, den "Dumme-Sportler"-Spruch ad acta zu legen. Trotzdem gibt es den Menschen hinter dem Leistungssportler - das sollte man trennen.

In Wahrheit raffiniert

Unser Gscheiterl hat ja in weiser Voraussicht schon den Grund für sportliche Minderleistungen genannt.

Blamage? - Wieso?

Mir ist der Rogan nie besonders sympathisch gewesen. Nichtsdestotrotz ist er ein Weltklasse Schwimmer und hat seinem Land durchaus Ehre gemacht.

Seine ein oder zwei kleinen Eskapaden im Zuge seiner Karriere...naja, da haben wir schon Schlimmeres gesehen.

Seine Leistung als Blamage zu bezeichnen finde ich ein wenig respektlos. Das hat Rogan nicht verdient.

Antworten Gast: Johann S
02.08.2012 12:59
2 0

Re: Blamage? - Wieso?

Bin auch kein Rogan Fan,ist aber ein guter Sportler und hatte auch das Pech,in seiner Glanzzeit, den nicht zu schlagenden Kontrahenten Peirsol, als Gegner zu haben.

Einen solchen Abgang gönnt man wirklich keinem Sportler

Gast: Pips
02.08.2012 11:14
9 1

Als

Sportler tut er mir leid. Man trainiert ja jahrelang auf so ein Ereigniss hin. Sein Manko ist, er fühlt sich offenbar als Superstar mit aussergewöhnlichen Quotienz. Beides wurde ihm nun ernüchternd widerlegt. Besser im Leben ist stets - Leistung erbringen und Goschn halten. Die reissen sowieso die Looser am weitesten auf.

 
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