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Markus Rogan: Die Suche nach den Antworten

02.08.2012 | 18:23 |  CHRISTOPH GASTINGER (LONDON) (Die Presse)

Der Wiener Markus Rogan, 30, erlebt mit seiner Disqualifikation über 200 Meter Lagen den schmerzhaftesten Moment seiner Karriere, die womöglich sogar eine Fortsetzung erlebt. Die Gedanken gehören erst geordnet.

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 „We are the champions.“ Als Ronald Leitgebs Handy klingelt, bekommt die Ironie kitschige Züge. Der Manager von Markus Rogan drückt den Anrufer weg, bevorzugt es, aufmerksam und mit verzogenen Mundwinkeln den Worten seines Schützlings zu lauschen. Dieser ist umzingelt von Journalisten, wird mit Fragen durchlöchert. Er ist das Gesprächsthema Nummer eins. Wieder einmal. Rogan hatte eine Nacht lang nach Antworten gesucht.

Seine Disqualifikation im Halbfinale über 200 Meter Lagen hatte viele Fragen aufgeworfen, genauer gesagt eine falsche Handhaltung bei der Wende von der Rücken- auf die Brustlage. In erster Linie jene über die Richtigkeit der Entscheidung, den Wiener zu disqualifizieren. „Ich habe diese Wende so oft geübt. Ich bin mir sicher, dass ich sie richtig gemacht habe“, flüchtete sich Österreichs erfolgreichster Schwimmer in Rechtfertigungen. Videoaufzeichnung gab es keine. Eine Tatsachenentscheidung des ihm zugewiesenen Schiedsrichters fiel zu Ungunsten Rogans aus, der seine olympische Karriere „gerne selbst beendet hätte“.

Markus Rogan: Österreichs erfolgreichster Schwimmer aller Zeiten

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Ein erfolgreicher Protest hätte eine Finalteilnahme Rogans, der nur die neuntschnellste Zeit unter 16 Teilnehmern schwamm, zur Folge gehabt. Der Südafrikaner Chad Le Clos hatte als Siebenter des Halbfinales auf den Endlauf verzichtet, weil er sich in diesem keine realistischen Medaillenchancen ausrechnete. Diese hätte auch Rogan nicht gehabt. Auf Michael Phelps, den Drittplatzierten, fehlten ihm 1,7 Sekunden. „Ich hätte mir eine kleine Chance gegeben“, sagte Markus Rogan, der Illusionist.

 

Von der Topform weit entfernt

Rogan, der Sprücheklopfer, wähnte sich in Topform, wiederholte gebetsmühlenartig, dass er dies definitiv sei. Dabei fehlte ihm im Halbfinale, als es darauf ankam, über eine Sekunde auf seine persönliche Bestzeit aus dem Vorjahr. Davon wollte Rogan allerdings nichts wissen. Er hatte in London das dringende Bedürfnis, es der Welt und sich selbst im Aquatics Centre ein allerletztes Mal zu beweisen. Rogan wollte seine Entbehrungen belohnt wissen. In den vergangenen drei Jahren schwamm er nie später als sieben Uhr Morgens seine erste Länge. Diesem einen Tag, dem 2. August 2012, hatte er alles untergeordnet.

Nach dem Finale wollte er sich so gerne im Scheinwerferlicht baden. Er tat in der Vergangenheit nichts lieber als das. Immerhin hatte er für dieses Privileg auch hart geschuftet. Er legte bislang 45.000 Kilometer im Wasser zurück. Die letzten 200 Meter sollten die schönsten seines Lebens werden, endeten aber in der größtmöglichen Blamage. „Das ist der schlimmste Moment meiner Karriere“, sagte er, wohl wissend, dass er auf ganzer Linie enttäuscht hatte.

Der Name Rogan stand immer für Extreme. Im und vor allem außerhalb des Beckens. Manche konnten dem Querdenker mit philosophischem Einschlag als Typ viel abgewinnen. Wer anders als die anderen ist, der hat zwangsläufig auch Feinde. Ausreichend. Überheblichkeit und Arroganz strahlte er aus. Es gab Tage in seiner Karriere, an denen das eigene Ego größer als sein Leistungsvermögen war. Auf die Frage, ob sein Selbstbewusstsein durch die olympische Enttäuschung nun kleiner geworden wäre, antwortet Rogan trocken: „Es hätte nicht größer werden können.“ Die vergangenen Tage sollten Rogan nicht nur eine sportliche Lehre sein. Es besteht die Hoffnung, dass er auch menschliche Schlüsse zieht.

 

„So sollte er nicht aufhören“

Seine abfälligen Äußerungen über den „Nationalheiligen“ Hermann Maier lösten noch vor dem Rennen eine Welle der Empörung aus. Rogan steht nach wie vor zu seinen Aussagen, ließ es aber dennoch nicht unversucht, seine „Unschuld“ zu beweisen. „Ich bewundere den Hermann doch dafür, dass er so oft den Kopf ausschalten konnte . . .“

Ob Rogan dies nochmals versucht, ist ungewiss. Die Gedanken gehören erst geordnet. „Diese Disqualifikation tut sehr weh, ich muss das alles erst verdauen“, sagt Rogan, der stolz auf das bisher Erreichte zurückblickt. „Ich bin vier Mal bei Olympia gestartet, habe zwei Medaillen gewonnen. Ich bin unglaublich dankbar.“ Paul Schauer, Präsident des österreichischen Schwimmverbandes, wird mit seinem Topathleten zeitnah das Gespräch suchen. „Ich wünsche mir, dass er weitermacht. So sollte ein Markus Rogan nicht aufhören.“

Auf einen Blick

Markus Rogan hatte sich eine Medaille bei den Olympischen Spielen in London zum Ziel gesetzt.

Im Halbfinale über 200 Meter Lagen wurde Rogan wegen einer falschen Wende disqualifiziert. Der Wiener legte umgehend Protest ein, diesem wurde allerdings nicht stattgegeben.

Rogan konnte sich als Neunter rein sportlich nicht für den Endlauf qualifizieren, hätte aber vom Startverzicht des Südafrikaners Chad Le Clos profitiert.

Ob der 30-Jährige seine Karriere nun fortsetzt, ist ungewiss. „Ich kann dazu noch nichts sagen.“

Nächster geplanter Start ist bei den Staatsmeisterschaften in Innsbruck.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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114 Kommentare
 
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Gast: Sonja Rudolf
04.08.2012 19:57
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S.Rudolf

Markus Rogan soll weiter schwimmen.

Eigentlich braucht er das niemanden zu beweisen das er schwimmen kann.
Mit 34 Medaillien spricht das für Ihn.

Und Herr Rogan sollte den spruch kennen,"Man muß einmal mehr aufstehen als hinfallen".
Ich wünsche Ihm jedenfalls viel glück und weiterhin viel Erfolg in seinem Leben.

Kein Mensch ist frei von fehlern!!!!!

Mit freundlichen Grüßen
S.Rudolf

3 0

der Vorteil von rogan

...er braucht den Kopf nicht abschalten! wenn man nach so länger zeit weder korrekt schwimmt noch sich öffentlich korrekt verhält (Disco, maier Sänger,..) dann liegt die Antwort schon da! bin gespannt wie es mit unserem Genie nun beruflich weitergeht;)

Traurig, washier an negativen Aussagen

getroffen werden. Als er die 2 Medaillen gewonnen hat, haben sich alle (typisch österreichisch) mit ihm identifiziert, jetzt wird nur noch gelästert. Ihm Intelligenz abzusprechen ist eine Frechheit und niemand spricht davon, daß er in Athen auf einen Einspruch verzichtet hat, als Phelps eine falsche Wende genommen hat. Aber das ist leider Österreich.

5 0

Ein intelligenter Sportler

Ein intelligenter Sportler ist für mich jemand der nicht nur im Sport erfolgreich ist, sondern in Folge mit diesem Erfolg auch umgehen kann (siehe Mike Tyson vs. Klitschko-Brüder).
Ich habe so den Eindruck, dass Hermann Maier mit seinem Erfolg sehr gut umgehen kann.
Bei Hrn. Rogan habe ich letzter Zeit immer mehr den Eindruck bekommen, dass er mit seinen Erfolgen nicht wirklich zu Recht kommt...

Re: Ein intelligenter Sportler

ja, ja der Tyson konnte mit seinem Erfolg umgehen ... wenn so das "mit dem Erfolg umgehen" bei uns ausschaut, dann "armes Österreich"!

Antworten Gast: VON
03.08.2012 19:49
1 5

Re: Ein intelligenter Sportler

Ach Gott, was für ein armseeliger Vergleich. Rechnen muss man können. Maier ist 10 Jahre älter.
Vor 10 Jahren hat noch alles die Familie von Maier gehändelt. Ist ja ok.
Aber denken Sie, bevor Sie einen Schmar ren schreiben.
Witzpoldi.

Gast: helce
03.08.2012 16:47
3 5

Schleimereien

Habe mit vielen Menschen gesprochen, die auch meinten, dass es sonderbar sei, dass sich niemand hinter Rogan stellt.
Traun sich jetzt nicht zu Rogan zu halten, um nicht Gesicht oder den Job beim ORF zu verlieren. Miese Schleimereien.

Gast: E.T.
03.08.2012 15:20
7 1

Das könnte als Warnung für alle Sportler gelten

Bevor Sportler künftig irgend ein Interview geben sollten sie darauf bestehen die Fragen zu erhalten und diese am besten vorher ihrem Anwalt vorlegen. Auf jeden Fall keine Plauderstunden vor einem Wettkampf.

Oder alle lernen von unserem Bundespräsidenten, wie man um ein Thema herumredet und nichts sagt, aber immer diplomatisch ist.

Medienrummel

Der Journalismus in Ösiland scheint sich immer mehr um Äußerungen von Irgendwem zu kümmern als um sportliche oder politische Tatsachen. Der Artikel klingt wie eine beleidigte Schwiegermutter.

Wie sehr wünsche ich mir einen seriösen Journalismus ohne persönlichen Hickhack, der professionell berichtet.

Wie hieß nochmal dieser weißhahrige Sprecher aus dem deutschen Fernsehen? Der hat einfach mit ruhiger Stimme berichtet, fertig. Und im ORF? Verkrampfte, beleidigte, emotionelle Interviews mit schwachsinnigen Fragen.

Und jetzt auch noch in diesem Printmedium.

Gast: Hermann vom Gipfel
03.08.2012 14:07
2 0

Ehrenamtliche Funktionäre, die auf Sesseln kleben

Das ist eines der großen und vordergründig nicht durchschaubaren Wunder dieser Welt.
Hier steckt enormer Arbeitsaufwand drinnen, jede Minute der Freizeit wird geopfert, Reisen privat bezahlt und das alles über Jahrzehnte und nur ehenhalber?
Seit den serienmäßigen Urteilen gegen Funktionäre wissen wir, dass es wohl eher die Korruption ist, die Funktionäre dazu bewegt auf Sesseln zu kleben. Daher: Regelmäßige Ablöse der Funktionäre und keine Wiederbestellung.

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Dieser Artikel lässt ...

an Objektivität sehr zu wünschen übrig!
Ich find's auch nicht gut, wenn jemand andere öffentlich verunglimpft, aber dieser Beitrag ist eine absolute Frechheit! Und, nein, ich bin kein Rogan-Fan!

Objektiv berichten und den Leuten so die Möglichkeit geben, sich selbst eine Meinung zu bilden, liebe 'Presse'!!!

Gast: Hermann vom Gipfel
03.08.2012 13:54
5 2

Kein seriöser Fernsehsender

hätte eine solche Aussage unmittelbar vor einem Wettkampf gesendet oder auch nur irgendwie erwähnt. Ein seriöser Sender hätte eine solche Aussage einfach ignoriert, vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt aufgegeriffen, aber nur, wenn Rogan das wiederholt gesagt und gewünscht hätte.
Der ORF ist eben kein seriöser Fernsehsender.

Re: Kein seriöser Fernsehsender

Stimmt, die Blödheit dieses Schwimmers gehört geschützt.

Gast: Hermann vom Gipfel
03.08.2012 13:47
1 1

ch halte Skifahrer für intelligenter als Fussballer.

Somit stimmt seine Aussage nicht, sonst wären wir längst Weltmeister.
Es ist eher die Korruption bei den Funktionären, die aufregt. Wer wegschaut (=dumm) wird gefördert, wer sich dagegen auflehnt (= intelligent, allerdings hätte man das geschickter machen können) wird hinausdisqualifiziert.
Das ist längst bekanntes Faktum. Somit geht es nicht mehr um den Sport nur ums Geld. Das gehört abgestellt. Rogan wurde ja schon vor seinem Lauf vom Verband fertig gemacht. Nun soll er mithelfen die korrupten Hintergründe aufzudecken.

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Political correctness

Einer der größten Fehler, den man in Österreich begehen kann, ist eine Meinungsäußerung abzugeben, die mit der political correctness inkompatibel ist. Hermann Maier zu kritisieren ist so ein Fehler. (Ich habe mich seinerzeit gefragt wieviel Hirn einer hat, der während seiner erfolgreichen Ski-Laufbahn sich auf ein Motorrad setzt und damit sein wertvollsten Kapital, seine Beine aufs Spiel setzt).


Re: Political correctness

Stimmt, Stars dürfen nur in Watte verpackt in Spezialfahrzeugen transportiert werden! Ticken sie noch richtig?

Lieber Markus Rogan,

wir haben Dich wirklich einmal als einen sehr guten, sehr sympathischen und sehr intelligenten Sportler geschätzt. Nur die, mit Deinen Erfolgen auch "gewonnene" Arroganz, sucht seines Gleichen.
Du bist heute kein guter Sportler, unsympathisch und (wenn man Deine Aussagen beurteilt) nicht gerade besonders intelligent. Eigentlich haben alle mittlerweile genug von Dir!

Aber vielleicht hilft Dir Deine bevorstehende Konvertierung!
Tschüss ...

Re: Lieber Markus Rogan,

Das ist doch nicht die Markus Rogan Facebook Seite, sondern ein Zeitungsforum.

Gast: Mizze
03.08.2012 12:07
1 1

Getreide

Dinkel (Dinko) und Roggen (Rogan)

1 0

Re: Getreide

Da hat wohl wer im Witzkisterl g'schlafn - Glückwunsch zu Ihrem "Sinn" für Humor!

Wahnsinn!!!

Rogan, der Sprücheklopfer, wähnte sich in Topform, wiederholte gebetsmühlenartig,..

abgesehen davon, dass sich dieser artikel liest, als hätte ihn ein schuleinsteiger verfasst, sollte man vielleicht in einem medium, welches sich doch qualität auf seine fahnen schreibt, darauf achten, nicht seine gesammelten persönlichen aversionen einfliessen zu lassen.

Antworten Gast: zzzuuu
03.08.2012 12:00
1 3

Re: Rogan, der Sprücheklopfer, wähnte sich in Topform, wiederholte gebetsmühlenartig,..

Nur weil Sie anscheinend nicht fähig sind zwischen persönlicher Aversion und kritischer Betrachtung der Aussagen und Leistungen der letzten Woche zu unterscheiden heißt es nicht, dass es dieser Artikel nicht macht.

Gehen Sie auf die Rogansche Homepage, dort können Sie lesen was Ihnen anscheinend genehm ist.

Gast: Überschaubare Erfolge von Rogan
03.08.2012 11:05
6 0

Kurti

Schwimmen: 4 Disziplinen (Freistil, Brust, Rücken, Delphin) + Kombination daraus (Lagen), unterschiedliche Distanzen (50m, 100m, 200m, 400m, 800m, 1500m), verschiedenste Staffeln.

Bewerbe: Olympia, jeweils jährlich WM, EM, Kurzbahn-WM, Kurzbahn-EM

Auf gut Deutsch: beim Schwimmen wird das Edelmetall tonnenweise vergeben. Gut, Rogan hat mehr als 30 Medaillen gewonnen, davon 2 Silberne bei Olympia, und sogar einen Kurzbahnweltrekort geschafft. Was diese EM und WM-Medaillen wert sind, müssen allerdings gerade die Deutschen erfahren, die mit ihren Welt- und Europameistern bei Olympia komplett baden gehen.

So erfolgreich wie Rogan sind schätzomativ 500 andere noch lebende Athleten in Österreich. Es weiß halt kaum jemand, welche Europameistertitel wir zB mit irgendeinem Lufdruckgewehr auf irgendeine Distanz in den letzten 10 Jahren hatten.

In der Selbstinszenierung war Rogan immer besser als beim Schwimmen.

Antworten Gast: estoc
03.08.2012 13:19
4 0

in den letzten 50 jahren, ...

... haben lediglich 5 sportler bei sommerspielen jeweils 2 medaillen errungen (schwimmen, segeln, kanu, judo, luftgewehr).

meiner ansicht nach ist selbst der neunte platz eine respektable leistung. eine leistung, von der zb unsere fussballer nur träumen können.

Antworten Gast: so ist es
03.08.2012 11:30
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Re: Kurti

Auch wenn jede gewonnene Medaille ein Erfolg ist steht die Wertigkeit jener auf einem anderen Papier.

Wie Sie geschrieben haben, diese ganzen EM Medaillen zeigen zum Beispiel ihren wahren Glanz wenn es um die wirklich internationalen Medaillen geht, z.B. WM oder überhaupt bei Olympia.

Wenn man die EM, EM Kurzbahnmedaillen und Universiade Medaillen wegzählt bleiben 5 "echte" Medaillen über welche internationale Resonanz erzeugen.

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he didnt lose, he was just the last winner...


 
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