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Stoss: „Talente, keine Olympia-Touristen“

03.08.2012 | 18:48 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Österreich ist bei den Sommerspielen in London weiterhin ohne Medaille, das erfolglose Auftreten ruft Kritiker auf den Plan. ÖOC-Präsident Karl Stoss setzt sich zur Wehr.

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London. Österreich ist bei den Sommerspielen in London weiterhin ohne Medaille. Nachdem selbst aussichtsreichere Kandidaten wie Kajak-Weltmeisterin Corinna Kuhnle scheiterten, werden Befürchtungen laut, dass Österreich Olympia 2012 am 12. August ohne Medaille abschließen wird. Zuletzt war das bei den Spielen 1964 in Tokio der Fall, und naturgemäß löst das in den Medien, unter Funktionären und Politikern eine Welle der Empörung aus. Als gelebte Winternation – Erfolge von Skifahrern und Skispringern vorausgesetzt – widerspricht es der Vision, dass Schwimmer, Leichtathleten, Judoka etc. „versagen“.

Dinko Jukić verfehlte als Vierter eine Medaille knapp, die große Zeit von Markus Rogan ist vorüber, die Tennisspieler Melzer/Peya scheiterten in Runde zwei, Doppelweltmeisterin Kuhnle erreichte das Finale – doch das genügt nicht. Zuletzt, 2008 in Peking, gab es drei Medaillen. Aber noch laufen die Spiele. Die Kanutinnen Yvonne Schuring und Victoria Schwarz sind Österreichs letzte Chance.

 

„Keine Pauschalurteile“

Aber wer ist schuld daran, dass Österreich in London hinterherläuft? Politik und Sport spielen sich nun den Schwarzen Peter zu. Der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, Karl Stoss, attackierte nun den auch für Sport zuständigen Minister Norbert Darabos. Dieser hatte in Interviews Auswahlkriterien, Limits, Kadergröße und Ausbeute kritisiert und sich Stoss' Unmut zugezogen. „Es geht nicht an, dass Sportler in Interviews pauschal verurteilt werden. Schon gar nicht während der Spiele. Nachher ist jeder – in den Gremien – willkommen, den Mund aufzumachen. Ich lasse nicht zu, dass Talenten mit dem Begriff eines Olympia-Touristen hier die Chance genommen wird, für die Zukunft wichtige Erfahrungen zu machen.“

Das ÖOC hätte sich freilich auch gewünscht, bereits Medaillenfeiern veranstalten zu können, aber es sei der falsche Zeitpunkt, um Unruhe zu stiften. Es sei bislang nicht nur Unvermögen, sondern auch viel Pech dabei gewesen, betonte Stoss, der sich auch ungeachtet der aufkeimenden Debatte Gedanken gemacht hat. „Wenn man in Österreich Spitzensport will, soll man ihn auf richtige Beine stellen und gezielt fördern. Dafür ist die Politik zuständig.“

Aber das gilt nicht nur im Sportbereich, sondern vor allem auch im Bildungswesen, sagt der Generaldirektor der Casinos Austria. In der „Kinderstube“ daheim und in Kindergärten und Schulen müsste das Umdenken einsetzen, um nebenbei auch dem Gesundheitswesen einen Dienst zu erweisen. Dazu könnte ein Scouting-System installiert werden, um Talente herauszufiltern, gezielt zu fördern und an die Spitze heranzuführen. Dort ist die Wurzel allen Übels zu finden, deren Auswüchse und Folgen bei den Sommerspielen 2012.

 

Widerstand für Postensicherung

Der Plan ist jedoch nicht neu, nur mangelte es bislang an der Umsetzung. Es gibt Sportschulen, „bewegte Kindergärten“ und Olympiazentren. Aber der Universitätssport ist inexistent in Österreich, ebenso ein landesweit geregelter Schulsport mit dem Stichwort der täglichen Turnstunde.

Dass zu viel Energie, Personal und Geld in diversen Stellen wie „Team Rot-Weiß-Rot“, „Sporthilfe“ oder drei Dachverbänden verloren geht, habe auch er bemerkt. Stoss würde eine „Bündelung dieser Kräfte“ und die Evaluierung der für Österreich relevanten „Prime- und Trend-Sportarten“ für förderlich erachten, Widerstand aus den entsprechenden Bereichen ist ihm gewiss. Vorbilder dieses Vorschlags wären Deutschland und Australien – beide sind in London bereits mit Edelmetall geschmückt.

Karl Stoss ist seit September 2009 ÖOC-Präsident, dass es im österreichischen Sport „anders“ ablaufe, erkannte er aber gleich nach dem Einstand. Er wollte das „Haus des Sports“ in der Radetzky-Kaserne unterbringen, in Verbindung mit der Sport-Universität Schmelz und dem ÖOC. So wäre zumindest in der Administration Bewegung ins Spiel gekommen. Der Vorschlag wurde von allen Gremien „abgeschmettert“, erklärt Stoss. Somit bleibe das Haus in der Prinz-Eugen-Straße Nummer 12 weiterhin „von Mitarbeitern der Ministerien besiedelt“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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8 Kommentare
Gast: viennawash
04.08.2012 19:26
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Freizeitsportler

Österreicher sind einfach Freizeitsportler/Innen und ansonsten eher gemütlich und überhaupt nicht wettbewerbsorientiert veranlagt.
Selbst beim Skilaufen ist man ja vergleichsweise schlecht aufgestellt. Dafür, dass es derart viele Berge und Möglichkeiten gibt, sind die Ergebnisse auch da eher bescheiden.
Sei's drum. Geht man halt auf ein Achterl...

Durchschnitt

Hier ist es wie im Bildungswesen, es wird nur der Durchschnitt gefördert und nicht die besten.

Olympiatouristen auf Kosten der Steuerzahler

Wenn ich höre, wie eine "Sportlerin", die 37. wird, meint sie freut sich schon auf Rio, kommt mir das Kotzen!

Wieso darf die nach DER Nichtleistung schon fix damit rechnen, in Rio dabei zu sein? Um sich auf Platz 36 zu verbessern?

Meinetwegen soll sie wieder als Olympiatouristin mitfliegen, diesmal aber bitte auf eigene Kosten, nicht auf meine!

Meinetwegen schickst halt nur 10 Sportler zu Olympia, dafür solche mit Medaillenchancen und laßt's endlich die 50 Funktionäre und Politiker zu Hause, die dort nichts verloren haben!
Die sollen gefälligst endlich Daheim ihren Job erledigen.

das ewig gleicheh lamento abgehobener funktionäre und politiker

wieso werden politiker nervös, wenn "unsere" sportler bei olympia nix reißen? sind "unsere" sportler etwa nur für den herrn minister angetreten? gehören die sportler etwa diesem minister?

ich finde dieses regelmäßige lamento einfach absurd! die sportler treten AUSSCHLIEßLICH für sich selber an! nicht für irgendwelche funktionäre oder politiker. kein einziger sportler wird freiwillig schlechte ergebnisse liefern. in athen hatten wir einfach riesenglück - auch damals hätten diese unsäglichen strukturen schon längst bereinigt gehört. bis in den sport hinein haben sich rot und schwarz das land aufgeteilt. im 21. jahrhundert!!!

die fehler passieren schon im kindergarten bzw. der volksschule, denn was hänschen nicht lernt ... aber heutzutage beherrschen UNSERE kids nicht mal einen purzelbaum, außer am pc.

aber es geht um mehr als nur medaillen. es geht um unser gesundheitssystem, um lebensqualität. unser(e) schulsystemIn ist auch hier teil des problems: sport ist männlich und daher bäh!

Re: das ewig gleicheh lamento abgehobener funktionäre und politiker

die politik bzw. der staat ist nicht dazu da, spitzensportler zu fördern, sondern strukturen zu schaffen, die potenzielle spitzensportler überhaupt generieren können. derzeit ist es so, dass nur dort, wo sich ehrenamtliche in die vereinsarbeit werfen und es schaffen, mit schulen zu kooperieren, einzelne talente sprießen. erfolg nur von einzelinitiativen abhängig zu machen, führt immer nur zu zufallstreffern.

wir sind nicht china. bloß wie schaffen es die schweden, mit ihren 10 mio. einwohnern in drei mannschaftssportarten über jahrzehnte zur (erweiterten) weltklasse zu gehören aber auch in der leichtathletik, im schwimmen oder wintersport regelmäßig gute leute zu "produzieren"? nun, sie verfügen über riesige schulzentren mit einer top infrastruktur, top trainern, und ja, mit TÄGLICHEN sportstunden im ganztägigen unterricht. auch die verzahnung der schulen mit den vereinen ist enger. und ja: gesamtschule statt trennung in volksschule und unterstufe ...

bei uns? kleingeisterei.

Herr Minister zeigen sich also "erbost". Aber geh! - oder: geh, Pepperl, plausch' net!

In einem Land, wo eine Handarbeitslehrerin, zu Minister*I*n-Ehren gekommen, ihr Unterrichts(un)wesen insofern auch treiben durfte, indem sie dem Sport seinen "ihm gebührenden Platz" zuwies (durch Verringerung der Stundenzahl), für diese Groß- und Untat von ihrem „Schöpfer“, dem damaligen – heute „angeblichen“ – „besten Bundeskanzler aller Zeiten“ mit dem Ehrentitel „Liesl“ geadelt wurde, darf einen, was Sport anbelangt, wirklich nichts mehr wundern. Allein schon und auch deshalb, weil die so „geschädigten“ „Untertanen“ in nicht geringer Zahl ihren Bewegungsdrang allein durch „Big Mac-Einwerfen“ und „Bierhumpen-Stemmen“ ausleben – quer durch alle gesellschaftlichen und politischen Lager. DAS gäbe Grund genug für Ihren Grant, Herr Minister! Aber wer wird sich’s schon - auch - mit den eigenen -nossinnen und -nossen anlegen wollen?

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Der olympische Gedanke: "Dabei sein ist alles!"

Da habe ich gesehen, dass beim 400m Lauf der Damen (Exoten) mitliefen, die für diese Distanz über 1 min. brauchten ??
Ich denke jeder Mann, der sportlich ist und ein wenig Laufen trainiert, schafft diese Distanz unter 1 min..

Das Funktionärswesen könnte man aber drastisch reduzieren und das Geld den Sportlern zur Verfügugn stellen.
Wobei das Geld ohnehin leider meist nur die Protektionskinder bekommen und nicht die echten Talente.

Gast: Callisto
04.08.2012 08:34
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Die Steuergeldvernichtung im Bereich des Sports gehört beendet.

Wie kommen die Bürger dazu mit ihrem Steuergeld ausgefressenen Funktionären und ihren Schützlingen ein fettes Leben am Futtertrag des Staates zu finanzieren.
Auf Null setzen die Förderung.
Dito keine Freistellung mehr für die "Spurtlerbeamten" vom Heer bis zur Polizei.