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100-Meter-Finale: Unter zehn Sekunden

04.08.2012 | 17:51 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Das 100-Meter-Finale der Leichtathletiksprinter ist das wichtigste Rennen der Sommerspiele. Stars und deren Rekorde werden bejubelt – und dennoch: Ein Verdacht begleitet jeden Schritt.

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Es gibt nur ein Rennen, bei dem sogar Olympische Spiele für wenige Augenblicke stillstehen. Da klickt keine Kamera, spricht kein Zuschauer auch nur ein Wort, in dem 80.000 Zuschauer fassenden Stadion ist es mucksmäuschenstill. Dann ertönt ein Startschuss, und die zuvor stehen gebliebene Zeit wird umso schneller wieder eingeholt. Beim 100-Meter-Finale der Herren wird der König der Spiele gekrönt, und heute Abend ist auch die Suche nach dem schnellsten Mann der Welt beendet. Auf dieses Rennen hat die Sportwelt vier Jahre lang gewartet. Es wird keine zehn Sekunden dauern.

Natürlich drehen sich alle Fragen vorwiegend darum, ob der Jamaikaner Usain Bolt erneut Weltrekord laufen kann oder ob seinen Gegnern Yohan Blake, Asafa Powell, Tyson Gay oder Justin Gatlin eine Überraschung gelingt. Eine Verbesserung der Rekordmarke von 9,58 Sekunden, die stellte Bolt 2009 bei der WM in Berlin auf, ist unwahrscheinlich. Wind und Regen könnten Spielverderber sein, zudem ist Bolt in dieser Saison noch nie auf Touren gekommen. Auch legt er selbst keinen Wert auf eine neue Bestzeit, er will nur Gold gewinnen und als erst dritter Sprinter nach Archie Hahn (1906) und Carl Lewis (1988, nach Disqualifikation von Ben Johnson) seinen Olympiasieg verteidigen. Plakativ kündigte der 25-Jährige an, „eine Legende werden zu wollen“.


Der Teamkollege, dein Feind. Sein größter Widersacher kommt aus dem eigenen Lager, es ist sein Trainingskollege und Weltmeister Yohan Blake. Der 22-Jährige ist in dieser Saison noch unbesiegt und hat Bolt zwei schmerzhafte Niederlagen bei den „Trials“ in Kingston Town zugefügt. Das gebe ihm „enormes Selbstvertrauen“, sagt der Youngster, der sich auch über Bolt belustigt hat. Er müsse vor dem Start keine Sprüche klopfen, wolle keine Späße machen oder einen Blitz nachahmen, wie es der Weltrekordhalter tut. Dafür fehlt ihm schlichtweg der Sinn. „Ich stelle mich hin, blocke alles rund mich herum ab und laufe los. So lange, bis ich die Ziellinie sehe.“ In Wahrheit geht es ja auch um nichts anderes.

Mit dem Sieg bei der WM in Daegu, Südkorea, hat sich Blakes Leben verändert. War er noch in Montego Bay im Nordwesten der Karibikinsel – dort war 1494 Christopher Columbus gelandet – in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, so trägt er nun Designer-Outfit, teure Uhren und fährt einen Sportwagen. Als 100-Meter-Weltmeister lässt es sich gut leben, Startgelder von 100.000 Euro bei diversen Meetings sind keine Seltenheit, und auch Sponsoren stehen Schlange. Dass er nur aufgrund Bolts Fehlstarts – er wurde in Daegu disqualifiziert – zu diesen Ehren gekommen ist, will Yohan Blake natürlich so nicht im Raum stehen lassen. „Ich bin ein sehr guter Sprinter und werde es der Welt in London noch einmal beweisen.“


50. Unabhängigkeitstag. Das 100-Meter-Finale ist nicht nur der Endkampf von Sportlern, sondern auch ein Schauspiel für Sponsoren. Blakes Ausrüster Adidas präsentierte einen eigens für ihn entworfenen Schuh. Er wiegt 99Gramm, die Sohle zieren sechs Spikes und das Hightechprodukt soll Blake zur 412 Gramm schweren Goldmedaille und Adidas zum Sieg über Bolts Partner Puma führen.

In Jamaika selbst halten sich die Spekulationen in Grenzen, wichtig sei nur, schreibt der „Observer“, dass einer der beiden Gold gewinnt und Amerika nicht an der Vorherrschaft der „rasenden Karibiksprinter“ rüttelt. Eine Niederlage wäre doppelt bitter, würde zur Staatstrauer führen. Am 50.Unabhängigkeitstag, den Jamaika am 6.August begeht, ist Partystimmung angesagt.


Doping. Wenn das Finale läuft, erreicht die Spannung ihren Höhepunkt. Dieser Jubel wird aber wieder verhallen. Denn jedes Sprint-Event wird wie immer, das ist die Plage dieses von vielen prominenten Vorfällen geplagten Sports, von Dopingvorwürfen begleitet. Mitunter sogar berechtigt: Justin Gatlin, US-Olympiasieger von 2004, war wegen Dopings gesperrt. Auch Blake wurde 2009 auf ein Stimulanzmittel positiv getestet, der Brite Dwain Chambers ebenso. Es mag der Gier nach Bestzeiten geschuldet sein, es muss und wird immer einen schnellsten Mann der Welt geben. Nur wird er nie mehr makellos sein, ein Verdacht läuft trotz aller Beteuerungen oder des Verweises auf genetische Vorteile immer mit. Je schneller, desto intensiver.

(c) Die Presse / GK

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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5 Kommentare
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Carl Lewis

war einer der größten Sprinter und Leichtathleten seiner Zeit.
Der war auch im Weitsprung absolute Weltklasse. Wenn man sich da die heutigen Weitspringer ansieht ?? Die kommen nicht annähernd an Lewis heran. Für bessere Schnellkraft bewirken all die Mittelchen anscheinend nicht besonders viel.

Diese hochgezüchteten Kapmpfstiere von den Karibikinseln sind die modernen Gladiatoren.
Ob da nur die afrikanischen Gene und die gesunde Meeresluft der Karibik verantwortlich sind?

Naja, mir soll es recht sein. Ein Spektakel ist es immer wieder.


Antworten Gast: malleus
05.08.2012 12:24
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Re: Carl Lewis

Lewis hatte als Erwachsener plötzlich Pickel und trug aufgrund von auftretenden Zahnfehlstellungen eine Zahnspange.
Typische Symptome bei Gabe von Wachstumshormonen.

Re: Re: Carl Lewis

neidisch?

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Re: Re: Carl Lewis

Wenn alle Erwachsenen mit Zahnfehlstellung Wachstumshormone nehmen würden, gäbe es sehr viele dopende Spitzensportler.

Eine Zahnspange für Erwachsene ist auch heute nicht mehr wirklich etwas Besonderes.

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Warum startet Rogan nicht bei den 100m?

Dort koennt er endlich mal sein Allroundtalent aufblitzen lassen?
Den WR von "Schlagzeile bis Vergessen" hat er ja schon gestern geholt.....