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Beachvolleyball: "Österreich kann sich wieder beruhigen"

04.08.2012 | 17:51 |   (Die Presse)

Die Beachvolleyballerinnen Doris und Stefanie Schwaiger sorgten für seltene rot-weiß-rote Glücksmomente bei den Olympischen Spielen. Das Viertelfinale soll nicht das letzte Kapitel der Erfolgsgeschichte werden.

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Eine zweite Chance gibt es nicht oft im Leben. Im Sport dagegen schon eher. So zum Beispiel für die Beachvolleyballerinnen Doris und Stefanie Schwaiger. Die Niederösterreicherinnen werden heute in London zum zweiten Mal versuchen, in ein Olympia-Halbfinale einzuziehen. Wie vor vier Jahren in Peking heißt es für sie, im Viertelfinale gegen ein Topteam aus China zu bestehen. Gegen das als Nummer zwei gesetzte Duo Zhang Xi und Xue Chen sind sie zwar Außenseiterinnen, nach einem konstanten Formanstieg ist ihnen aber sogar eine Medaille zuzutrauen.

Ihr funktionierendes Umfeld hat die Schwestern aus dem Waldviertel zu neuen Höchstleistungen angetrieben. Mit einem Vierjahresplan wurde seit Peking 2008 konsequent auf London hingearbeitet. Der Traum einer Olympia-Medaille erscheint nach einer mäßigen Saison plötzlich realistischer denn je. Unter Druck setzen lassen wollten sich die Schwaigers von dieser Chance aber nicht. „Wenn wir Ruhe bewahren, ist einiges möglich“, erklärte Doris Schwaiger.

Das Selbstvertrauen ist nach dem verpatzten Start samt Nachsitzen in der Lucky-Loser-Runde zurückgekehrt. „Wir steigern uns von Spiel zu Spiel“, versicherte die 27-Jährige. „Wir sind nervös und verkrampft ins Turnier gestartet. Aber jetzt sind wir dort, wo wir hinwollen, auch spielerisch.“ Der Grund dafür liegt auf der Hand: „Wir fühlen uns hier in London extrem wohl“, sagte die zwei Jahre jüngere Stefanie. „Das Umfeld ist perfekt.“


Die große Stütze. Neben ihrem slowakischen Coach Martin Olejnak steht den Schwestern mit Erwin Reiterer ein eigener Kraft- und Konditionstrainer zur Verfügung. Der Ex-Zehnkämpfer arbeitet auch bei Olympia jeden Tag mit seinen Schützlingen. „Er ist eine große Stütze, auch mental“, erklärte Doris Schwaiger. „Er hat immer einen ganz genauen Plan.“ Das Ergebnis davon ergänzte ihre Schwester: „Wir sind körperlich stark und extrem spritzig.“

Die konsequente Arbeit scheint sich ausgezahlt zu haben: Im Achtelfinale gegen Anastasia Wasina/Anna Wosakowa (2:1) zeigten die Schwaigers im dritten Satz eine Topleistung. Dabei sind die Waldviertlerinnen bisher nicht als die Nervenstärksten bekannt gewesen. Die Russinnen hatten in der Gruppenphase überraschend Zhang/Xue bezwungen. „Wenn wir gut reinkommen, haben auch wir eine Chance“, betonte Stefanie Schwaiger. „Wir haben jetzt keinen Druck mehr.“

Die Chinesinnen sind allerdings eines der größten Kaliber und gelten als Mitfavoritinnen. Zwölf Turniere haben die Olympia-Dritten von Peking auf der World Tour bereits gewonnen, in dieser Saison schlugen sie unter anderem bei den Grand Slams in Shanghai und Moskau zu. Im Viertelfinale von Shanghai verloren die Schwaigers Anfang Mai auch das bisher einzige Saisonduell – glatt in zwei Sätzen. „Wir haben sie aber auch schon geschlagen“, erinnerte Doris Schwaiger. Zweimal im Jahr 2010.

Vor vier Jahren in Peking waren die Schwaigers im Viertelfinale gegen das damalige chinesische Topduo Tian Jia/Wang Jie chancenlos. In London sind sie vier Jahre reifer – und emotional in einem Hoch. Zum Kampf um den Einzug ins Halbfinale reisen ihre Eltern samt dem kleinsten Bruder Tobias (12) aus dem 365-Einwohner-Dorf Großglobnitz bei Zwettl an. Ihre Freunde besuchten sie schon am Samstag im Olympischen Dorf.

Nur ein Spiel trennt die Niederösterreicherinnen noch vom größten Erfolg ihrer Karriere, dem größten in der Geschichte des heimischen Beachvolleyballs. Die Schwestern trauen sich die Sensation tatsächlich zu. „Jetzt kann sich Österreich wieder ein bisschen beruhigen“, sagte Stefanie Schwaiger nach dem Viertelfinal-Einzug anlässlich der bisher eher schwachen rot-weiß-roten Ausbeute in London mit einem Augenzwinkern. „Die Beachvolleyball-Medaillen werden eben erst in der zweiten Woche vergeben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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