26.05.2013 09:38 Merkliste 0

China: Ein Jahr lang den Tod der Großeltern verschwiegen

05.08.2012 | 18:14 |  VON MARKKU DATLER (LONDON) (Die Presse)

Wu Minxia, 26, ist die beste Synchronspringerin der Welt. Damit der Star nicht „abgelenkt“ wird, sind Nachrichten aus der Außenwelt für sie tabu. Ihre Eltern spielen mit, „unsere Tochter gehört der Volksrepublik“.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Aufschrift „Made in China“ bekommt bei den Sommerspielen in London eine neue Bedeutung. Die Asiaten liefern sich mit den USA den erwarteten Kampf um den Triumph im Medaillenspiegel. Mit den Erfolgen glänzt das Regime, das ist ebenso bekannt wie die Methoden, mit denen Kinder und Teenager gedrillt werden. Von Doping oder Manipulation, etwa im Badminton, ganz zu schweigen. Das Vorgehen ist erbarmungslos, brutal, menschenverachtend. Das beweist der Fall der Wasserspringerin Wu Minxia.

Die 26-Jährige aus Shanghai ist die weltbeste Brett- und Synchronspringerin. Sie sammelt Goldmedaillen, deshalb dient sie der Partei als Gesicht für Kampagnen. China hat die Vorherrschaft, auch in London, lautet einer dieser Slogans, auch dank ihr. Wu Minxia gewann als erste Frau dreimal in Serie bei Olympia Gold im Synchronbewerb und setzte sich auch beim Sprung vom Drei-Meter-Brett in Szene.

Nummer eins im „Projekt 119“

Für ihr Training unternimmt China alles. Aber nicht, dass ihr jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, im Gegenteil. Sie hat keinerlei Rechte und Privatsphäre. Ablenkungen jedweder Art sind verboten, Nachrichten von der Außenwelt werden im Trainingszentrum nahe der Hauptstadt ausnahmslos abgeblockt.

Wu Minxia ist Teil des 2001 gegründeten „Projekt 119“. So viele Medaillen wollte China bei seinen Heimspielen 2008 gewinnen, 100 sind es geworden. Der Goldrausch läuft aber heute noch weiter – und Wu Minxia, die seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr in diesem „Internat für Sportstars“ lebt, ist seit nunmehr elf Jahren vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Sie sieht ihre Familie nur alle paar Monate. Ein Lächeln hier und eine Umarmung da. Mehr geht nicht. Sie trainiert täglich, sechs Tage pro Woche, acht Stunden lang. Salti, Schraube, Turm rauf, runter, wieder hoch. Alles noch einmal.

Ihre Eltern sind in London und beobachten die Auftritte ihrer Tochter. Doch ihre Aussagen über das Familienleben offenbarten ein selten als so kalt erlebtes Dasein. Sie verschwiegen der Tochter seit einem Jahr den Tod der Großeltern. Auch, dass die Mutter an Brustkrebs erkrankt ist, wusste sie nicht. Die Tochter „gehört der Volksrepublik“, sagt Vater Wu Jueming. Anfangs war es noch schwer, aber jetzt habe die Familie diese Situation akzeptiert. Er identifiziert sich mit dieser Methode, bestätigte er der Nachrichtenagentur AP.

Wu Minxia bezahlt einen sehr hohen Preis dafür, dass sie eine erfolgreiche Wasserspringerin werden sollte. Ihre Eltern dulden, sie fördern dieses Martyrium. „Sie darf nicht abgelenkt werden!“ Also schickte der Vater ihr nur ein überaus persönliches SMS: „Wir sind sicher in London angekommen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: gast111
06.08.2012 14:01
0 0

ja die scheint leidensfähig zu sein

ich würde da krank werden, wenn man mich so behandeln würde, 6 tage die woche, 8h/d und das 355 tage im jahr turmspringen

krank das system, aber die olympische bewegung im speziellen die funktionäre leben super davon, speziell in der schweiz

nur in den usa dürfte es nicht viel anders ablaufen (doping usw, in den sportarten, in denen die usa führend sind, gibt es sehr lasche dopingkontrollen oder schlichtweg gar keine), wie ist es sonst zu erklären, dass 350 millionen gleich viele medaillen erreichen wie ein 1,3 mrd volk

Gast: Nicht-Embedded
06.08.2012 08:39
2 0

Gar nicht zu glauben

Blligste, durchschaubarste Propaganda. Irgendwie muss man diesen ehrgeizigen und erfolgreichen Chinesen ja in die Suppe spucken. Warum nicht mit solchen Geschichten? Jeder, der China auch nur ein bisschen von innen kennt, weiß, dass das so garantiert nicht passiert ist. "Gehört der Volksrebublik" gibt es nicht, das ist allenalls die Ausrede von krankhaft ehrgeizigen Eltern, wie man sie auch anderswo kennt. Und selbst jeder andere weiß, dass es überall auf der Welt verrückte Geschichten gibt, Eltern, die ihre Kinder totprügeln, Babies aussetzen etc. etc., ohne dass man dann gleich die ganze Gesellschaft dafür verantwortlich macht (so krank diese, auch in Deutschland oder gar den USA, auch sein mag). Übrigens gibt es den "Goldrausch" auch in anderen Ländern. Wobei die USA um jeden Preis diesen gewinnen wollen. Warum eigentlich? Was will man damit beweisen?

Kaum zu glauben...

Das ist sooo krank!!!!

Re: Kaum zu glauben...

Nein, erfolgreich!