23.05.2013 05:43 Merkliste 0

Usain Bolt: Die Magie der 41 Schritte

06.08.2012 | 17:40 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Der Jamaikaner Usain Bolt verteidigte im 100-Meter-Finale in 9,63 Sekunden seinen Olympiasieg. Der Laufstil begeistert, polarisiert aber die Sportwelt. „Science Buster“ Gruber kennt die Gründe für Bolts Dominanz.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

London. Usain Bolt ist nicht nur ein begabter Schauspieler, der Jamaikaner hält auch seine Versprechen ein. Er hat angekündigt, bei den Sommerspielen in London 2012 zur „Legende“ werden zu wollen, seit Sonntag hat der 25-Jährige das geschafft. Bolt gewann das 100-Meter-Finale in 9,63 Sekunden vor seinem Landsmann Yohan Blake und dem US-Amerikaner Justin Gatlin. Er ist der erste Sprinter, der den Titel auf der Laufbahn verteidigen konnte, schreiben die einen. Er ist nach Archie Hahn (1906) und Carl Lewis (1988) bereits der Dritte, meinen andere. Die Polemik zeigt, dass Leichtathletik und Olympia tatsächlich um eine Legende reicher sind . . .

Mit diesem Auftritt steht fest, dass Bolt schmerzfrei laufen kann. Zurück bleiben wird daher seine Konkurrenz auch über den 200-Meter-Bewerb, der am Dienstag mit den Vorläufen beginnt. Das i-Tüpfelchen folgt zum Abschluss bei der 4x100-Meter-Staffel. Bolt könnte London mit drei Goldmedaillen verlassen. Er sagt: „Ich muss allen zeigen, dass ich der Größte bin.“

Fasern als Familienerbe

Mit dem souveränen Antritt begannen auch die erneuten Analysen über Laufstil, Tempo, Zeit und physikalische Kräfte. „Die Presse“ bat Neurophysiker und „Science Buster“ Werner Gruber um eine Expertise. Er erhielt Zeit, Größe (1,93 Meter) und die Schrittanzahl, die Bolt für 100 Meter benötigt. 41 – wie schon in Peking 2008.

Bolts Familie, so Gruber, stamme aus Afrika. Darum sei sein Nabel um knapp drei Zentimeter höher gelagert als bei Europäern. Seine Beine sollen 110 Zentimeter von der Sohle bis zur Hüfte messen, der damit besonders hohe Körperschwerpunkt bewirke den markanten Laufstil. „Seine Eltern“, wirft Gruber ein, „spielen eine ganz wichtige Rolle.“ Nicht, dass sie nur daheim oder auf der Tribüne die Daumen drückten, sondern „sie hatten ja größten Anteil daran, welche Muskeln und deren Fasern genetisch weitervererbt werden.“ Es ist der Unterschied zwischen Typ-I-Fasern (langsam oxidativ) und Typ-II-Fasern (schnell oxidativ). „Für Sprinter ist es wichtiger, schnell zu sein, als hohe Kräfte zu entwickeln. Deshalb braucht er viele schnelle Muskelfasern.“

Die Gnade der Geburt

Dennoch, ohne tägliches Training, so der Einwurf, gehe im Sport doch gar nichts. Werner Gruber verneint. „Durch Training lassen sich schnelle Muskeln nur um einen geringen Anteil steigern. Zum Sprinter muss man geboren sein – genauso wie zum Kugelstoßer.“

Bolt gilt zwar als einer der schwächsten Starter, bringe aber ob seiner Größe und Kraft eine schnellere Beschleunigung zustande. „Untersuchungen haben gezeigt, dass das hintere Bein für die horizontale Beschleunigung wichtig ist, während das Bein, das sich am vorderen Bereich des Startblockes befindet, für das Aufrichten des Körpers wichtig ist. Bessere Sprinter haben mehr Kraft im hinteren Bein“, erklärt Gruber, der seit 1999 am Institut für Experimentalphysik der Uni Wien arbeitet. Die schlechteren müssten mit den Händen nachhelfen . . .

Nach dem Abstoß komme die Reibung ins Spiel. Bolt trägt spezielle Laufschuhe, deren Sohle von exakt gesetzten Spikes eziert sind. Für den Populärphysiker ein Anhaltspunkt, aber: „Durch Reibung können wir uns vom Boden abstoßen. Steigen wir auf eine Banane, fällt die Reibung weg. Wir treten auf der Stelle und fallen meist um.“

Sobald Bolt unterwegs ist, wird es spannend. Der Körper muss bewegt werden, von den Beinen, wirft Gruber energisch ein. Sie bewegen Rumpf, Arme und Kopf. Der Schwerpunkt des Körpers wird pro Schritt um drei Zentimeter gehoben und kontrolliert gesenkt. Diese Hubleistung mache rund zwölf Prozent der Gesamtleistung aus. 80 Prozent der verfügbaren Energie werde in die Beschleunigung investiert. Der Rest steht den Armen zu Verfügung. Bolts maximale Schrittlänge beträgt 2,95 Meter, „er braucht 41 Schritte, alle anderen 43. Er gewinnt, logisch!“

„Die Füße höher gehoben“

Beinkraft (FB), Masse (m) und Fallgeschwindigkeit (9,81 m/s2) führen zur Beschleunigung. „Da sieht man schön, wie wichtig die Beinlänge ist. Versuchen Sie doch einmal mit kleinen Schritten, bei denen Sie das Bein nicht richtig abwinkeln, einen raschen Start hinzulegen. Bolt hat eindeutig die Füße höher gehoben als alle anderen und die größeren Schritte gemacht.“ Sprich: Auch das Drehmoment war letztlich auf seiner Seite.

Nach zehn bis 20 Schritten hatte Bolt die maximale Geschwindigkeit, ca. 43 km/h, erreicht. Ab dann oblag alles nur noch der Muskelreibung, dem Luftwiderstand, der Gelenksreibung und der Hubarbeit. „Er weiß, dass Beinlänge und Schwerpunkt ihn zum Sieg bringen“, so Gruber, der auch einen anderen Grund dahinter vermutet, warum Bolt nicht immer mit vollem Tempo durchläuft. „Bricht er Rekorde nur um einen Hauch, kann er auch bei anderen Meetings Prämien kassieren . . .“

Alles Weitere sei nur noch ein langsames, lockeres Auslaufen. Unglaublich einfach.

Auf einen Blick
Der Jamaikaner Usain Bolt gewann das Finale im 100-Meter-Sprint in 9,63 Sekunden. Er verteidigte damit den Titel von Peking 2008.
Werner Gruber, 42, als „Science Buster“ und Experimentalphysiker bekannt, erklärt Bolts Dominanz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

24 Kommentare
0 0

"Zum Sprinter muss man geboren sein – genauso wie zum Kugelstoßer.“

Das ist sicher richtig.
Ich habe niemals richtig Sprint trainiert, bin aber vielen über 100m davongelaufen.

Im Kugelstoß war ich immer schwach - zu leicht und zu wenig Kraft.

Aber was dieser Bolt da zeigt, ist wirklich beeindruckend.

0 0

bolts lauf war auch für mich extrem beeindruckend!

deshalb schaue ich mir die olympischen spiele sehr gerne an. die ganze welt ist kommt dort zusammen und (mal abgesehen von den paar "skandälchen") feiert einfach ein wahnsinniges sportfest das alles bietet! von spannung über gefühle etc.

meiner meinung nach sind die olympischen spiele, bei aller kritik, immernoch die schönste weltweite tradition!

0 0

"...eine schnellere Beschleunigung"

Ist hier tatsächlich die Veränderung der Beschleunigung, also m/s3 gemeint?

Oder war's doch einfach nur die "höhere Beschleunigung"?

Gast: miskolc
07.08.2012 00:07
0 0

ad Fallgeschwindigkeit

Es ist die Fallbeschleunigung, die 9,81 m/s² beträgt. Die Einheit der Geschwindigkeit ist m/s (oder umgerechnet auch noch km/h).
sg

Gast: Anna Bolika
06.08.2012 22:03
2 1

Scherzerl?

Will sich die Presse jetzt zwanghaft blamieren? Bekommt der Dattler extra bezahlt, für möglichst lächerliche Beiträge?

Werner Gruber ist ein lustiger Wissenschafter. Allerdings mehr breit als hoch, interessiert sich für Rezepte für Schweinsbraten und andere Fettorgien hingebungsvoll. Soll sein.

Aber wieso "analysiert" Hochleistungssportler?

Zum allgemeinen Gaudium?


Gast: aufgrund willkürlicher dauerzensur nur mehr ohne nick
06.08.2012 19:33
6 4

einfach nur dämlich

himmelherrgottnocheinmal!

ein olympiasieg wird nicht VERTEIDIGT!!!!! olympiasieger ist man bis in alle ewigkeit! nur wm-titel werden verteidigt!

die printjournis sind genauso dämlich wie der orf!

kein wunder, dass die bevölkerung immer mehr verblödet, wenn sogar selbst ernannte qualitätsmedien nur mehr schrott von sich geben.

Re: einfach nur dämlich

Das ist nicht korrekt. Verteidigen ist schon richtig. Der Unterschied ist, dass der Weltmeister lgischerweise nur bis zur nächsten WM amtierender Weltmeister ist, danach ist er Ex-Weltmeister, außer er schafft es den Titel zu verteidigen. Es ist ein Titel, das ist der Unterschied zu einem Sieg bei den Olymischen Spielen, den man für immer behält. Es gibt also keine Ex-Olympiasieger, aber eben Ex-Weltmeister. Das ist übrigens bei allen Meisterschaften so.

Gast: Mark Spitz
06.08.2012 13:05
1 1

einfach Spitze

1. die grenzen der physischen Leistungsfähigkeit sind noch nicht erkennbar
2. der Ausdruck Tempu Bolt-zen ist damit etwas
verständlicher
3.gibt doch endlich das Doping frei,sozusagen die Spezialdisziplin für Profi-teure..
4.man muss einfach nur zur Kenntnis nehmen,das Andere noch besser,weiter,höher,schnellen sind...
mir ist das egal...solange es Spass macht..
wenn es allerdings um Kohle geht ..hört sich der Spass auf
5. schon vergessen..auch wenn wir Null Medaillen gewinnen..
Sport sollte v.a. der Völkerverständigung dienen und nicht dem Abzählen von Medaillien,Plaketten,etc...
Bolt....nur fliegen ist noch schöner ?

Gast: Hermann vom Gipfel
06.08.2012 12:13
0 0

Deutsche Sportler werden bevorzugt

Gerade hat der Kommentator im ZDF gestanden, dass er weiss, dass Max Hoff absichtlich in seinem Vorlauf mit "angezogener Handbremse" gefahren ist um den schwereren Semifinallauf zu umgehen. Das ist sehr unsportlich.
Die Chinesen und andere wurden für eine gleiche Tat disqualifiziert. Der Deutsche nicht.

Es ist ein Skandal,

daß die Chinesen disqualifiziert wurden.

Nichtsdestotrotz ist es allein die Aufgabe des Veranstalters, einen Wettkampfmodus zu schaffen, der "tachinieren" kontraproduktiv macht, nicht die des Regulativs, dies zu verhindern.

1 0

Re: Deutsche Sportler werden bevorzugt

Richtig, taktisches Verhalten ist bei Olympia verboten.

Aber wie weist man das nach?

"Angezogene Handbremse" kann auch heißen, dass er es eben mental locker nahm und daher automatisch nicht auf die höchste Leistung kommt.


Antworten Antworten Gast: Hermann vom Gipfel
06.08.2012 13:36
0 0

Re: Re: Deutsche Sportler werden bevorzugt

Egalwie es ausgedrückt wird, er hat ja zugegeben, dass es zu dem Zweck gemacht wurde um ins leichtere Semifinale zu kommen, das reicht schon.

Gast: Halbwissen
06.08.2012 11:36
1 0

Das Tempo von ca. 44 kmh ist der Hammer !

Doping hin, Doping her !

Superschnelle Fußballer, und die sind wirklich schnell, erreichen zum Vergleich 33-34 kmh.
Der Vergleich hinkt natürlich gewaltig und soll die Fußballer in keinster weise abwerten.

Gast: Halbwissen
06.08.2012 09:21
1 4

Schade das Sport und Leistung im allgemeinem absolut uninteressant geworden ist !

Es sind einfach zu viele ( NICHT ALLE ) Betrüger dabei !

Läuft da noch ein Mensch oder eine biochemische Maschine ?
Sind Vermögende vermögend oder bekommen sie milliardenschwere Aufträge vom Freund ?
Oder drucken sie sich das Geld gleich selber ?

Alles wertlos heutzutage !

UND SO LANGE DIES NICHT GELÖST IST, WIR AUCH DIESE WIRTSCHAFTSKRISE NICHT GELÖST SEIN !!!

1 0

Re: Schade das Sport und Leistung im allgemeinem absolut uninteressant geworden ist !

Der heutige Sport ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Der Betrug, sehr viel Geld und der enomre Leistungsdruck gehöre da natürlich auch dazu.

Man sehe sich nur Österreich an, wo schon bemängelt wird, weil keine Medaille gewonnen wird.

"Dabei sein ist alles", das gibt es nicht mehr!

Gast: hmmm
06.08.2012 08:34
9 2

führt das doping zu diesem dämlichen Grimassen, die neuerdings vor dem Start gezeigt werden?

Das sieht ja aus wie beim Wrestling, was die da extra für's Fernsehen abziehen ...

Ein Kasperle der schnell laufen kann

Was für ein Vorbild für die Jugend.

12 1

Re: Ein Kasperle der schnell laufen kann

Na sind wir froh, dass es noch Vorbilder wie Sie gibt: Die raunzenden Nörgler und Neider. Damit das in Ö nicht ausstirbt...

Antworten Gast: i__halt
06.08.2012 22:27
7 0

Re: Ein Kasperle der schnell laufen kann

Naja... Ein Sportler der täglich hart arbeitet um seine Ziele zu erreichen, Millionen damit verdient und dabei noch locker und menschlich bleibt (scheint halt mal so) find ich jetzt nicht mal so a schlechtes Vorbild für die Jugend.

Auf Bolt lastete unglaublicher Erwartungsdruck...

...diesen er mit unglaublicher Leichtigkeit begegnete. Ich weiß schon, dass Herr Rogan dies natürlich anders sieht. Denn laut Rogan müsste Herr Bolt ohne Gehirn auskommen.

0 0

Re: Auf Bolt lastete unglaublicher Erwartungsdruck...

Bolt ist der schnellste Schraubenbolzen der Welt. Da muss er nicht überdurchschnittllich intelligent sein.

Wo kann man heute mit viel Intelligenz viel Geld verdienen?

Diese Sportler sind heute die modernen Gladiatoren. Wirklich abkassieren können dabei die Manager, Berater, Werbefachleute, Banker, etc.


Antworten Gast: Mariahilfer
06.08.2012 08:43
3 1

Re: Auf Bolt lastete unglaublicher Erwartungsdruck...

So ganz unrecht dürfte der Rogan nicht
haben, obwohl mir der Typ (Rogan) nicht
gerade sympathisch ist.

Antworten Antworten Gast: Roganowitsch
06.08.2012 09:49
4 1

Re: Re: Auf Bolt lastete unglaublicher Erwartungsdruck...

Falsch, als Sportler gehört es ebenso zum Training dazu, sich auf den einen Moment zu konzentrieren.
Wenn dieses Training dem Rogan zu schwierig ist, liegt das alleine an mangelnder Willensstärke.

Gast: gast896
06.08.2012 01:29
7 16

mir sind solche poser unsympatisch

der johnson ist 1988 9,8 irgendwas gelaufen, war auch ein schwarzer und vollgepumpt mit doping

der rennt, 2 zentel schneller und da glauben alle, dass er sauber ist