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Steiner im Glück: "Normaler Mensch hätte nicht überlebt"

08.08.2012 | 15:09 |   (DiePresse.com)

196 Kilogramm trafen Matthias Steiner im Nacken. Entsprechend weh tue ihm alles, doch die Untersuchungen haben zum Glück keine schweren Verletzungen ergeben. Einer Fortsetzung der Karriere steht nichts im Weg.

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Der Schock war auch am Tag danach noch nicht ganz verdaut. Eine 196 kg schwere Hantel hatte Deutschlands Gewichtheber-Helden Matthias Steiner am Dienstagabend in London bei seinem Kampf um eine Olympia-Medaille im Nacken getroffen. Steiner taumelte, er fiel - aber er stand selbstständig wieder auf. Genauere Untersuchungen im Krankenhaus im olympischen Dorf ergaben keine schwereren Verletzungen. Der gebürtige Niederösterreicher kann seine Karriere fortsetzen.

Matthias Steiner: Der stärkste Mann der Welt

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Steiner war noch während des Bewerbes im Superschwergewicht ins Krankenhaus gebracht worden. Bei einer MRT-Untersuchung wurden Verletzungen an der Wirbelsäule ausgeschlossen, am Mittwoch in der Früh war Steiner noch einmal im Spital - Kernspintomographie. "Die Ärzte haben nichts Akutes gefunden", beruhigte Deutschlands Bundestrainer Frank Mantek. "Er hat keine Ausfälle. Aber er hat Schmerzen, ihm tut alles weh." Schwellungen hatten auf gröbere Muskelverletzungen hingedeutet.

Schon in der Vorbereitung war Steiner von einigen Blessuren zurückgeworfen worden, darunter im Frühjahr einem ausgeprägten Hexenschuss, bei dem er im Training nicht mehr aufstehen konnte. Die 196 kg brachte er im Reißen zwar zur Hochstrecke, verlor dann aber die Kontrolle. Die fast 10.000 Fans in der ExCel Arena, viele davon im Lager des Wahl-Deutschen, waren fassungslos. "So etwas passiert in unserer Sportart leider, das kann man nicht ausschließen", erklärte Mantek. "Es gab auch schon schlimmere Ausgänge."

Ehefrau durchlebte bange Minuten

Steiners Frau Inge bangte sogar um das Leben des 29-Jährigen. "Für Außenstehende ist das vielleicht so nicht erkennbar, aber es war ganz eng", wurde die TV-Moderatorin in deutschen Medien zitiert. "Das hätte auch anders ausgehen können. Wenn 196 Kilo in den Nacken gehen, hätte das ein normaler Mensch nicht überlebt. Da muss man schon eine gute Muskulatur haben." Die hat der 140-Kilo-Koloss aus Obersulz im Weinviertel zum Glück. "Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", sagte Inge Steiner.

Steiner war 2008 in Peking zum Star aufgestiegen, als er sich bei seinem ersten Olympia-Auftritt für Deutschland zum stärksten Mann der Welt krönte - und mit einem Foto seiner ein Jahr davor bei einem Autounfall verstorbenen Frau Susann in der Hand weinte. Seine Karriere will der Olympiasieger nicht unter einer Hantel liegend beenden. "Ich fühle mich nicht so alt, dass ich jetzt aufhören muss", hatte Steiner bereits vor den Spielen in London angekündigt.

"Gibt keinen Grund aufzuhören"

Der gebürtige Österreicher, der 2005 nach Unstimmigkeiten mit dem heimischen Verband nach Deutschland ausgewandert war, ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Karriere fortsetzen will. "Es gibt keinen Grund aufzuhören", es gehe ihm gut, erklärte er am Mittwoch in der ARD. "Die Nacht war schmerzhaft. Die Schmerzen sind stärker als die Diagnose ist", konzedierte der 29-Jährige, bei dem nach eingehenden Untersuchungen eine Bandverletzung an der Halswirbelsäule, eine Prellung des Brustbeins und eine Muskelzerrung im Bereich der Brustwirbelsäule festgestellt worden war.

Nach zahlreichen Verletzungen im vergangenen Jahr hatte der Peking-Olympiasieger auch in London auf eine Olympia-Medaille gehofft. "Ich bin nicht enttäuscht, weil ich hier gesund sitze", sagte Steiner, "ich habe Frau und Kind zu Hause. Es gibt auch noch ein anderes Leben."

"Er wird in Zukunft wieder Wettbewerbe bestreiten können", sagte Michael Vesper, der Chef de Mission des deutschen Olympia-Aufgebotes. "Er war sehr enttäuscht, aber er hat auch großes Glück gehabt." Eine Wirbelverletzung im Nackenbereich kann schwere Folgen haben. "Im ersten Moment war es ein großer Schock", gestand Steiners Teamkollege Almir Velagic, im Finale als Letzter auf Rang acht. "Als er gesagt hat, dass er okay sei, war ich extrem erleichtert. Solche Dinge passieren im Gewichtheben."

(APA/dpa)

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