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LeBron James: "Ich bin der Auserwählte"

11.08.2012 | 18:01 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Amerikas Basketballer sind bei den Sommerspielen in London der Zuschauermagnet. Die schillernden NBA-Stars begeistern mit ihrem Spiel. LeBron James erfüllt seine Rolle als Alphatier.

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Wenn er den Ball hat und auf den Korb zuläuft, tritt so mancher Verteidiger sicherheitshalber zur Seite. Obwohl er 2,03 Meter groß und 115 Kilogramm schwer ist, wirken seine Bewegungen auf dem Parkett dennoch grazil. Er düpiert Gegner mit Finten, seine Würfe sind spektakulär, sie finden zumeist ihr Ziel. Äußerst selten tanzt der Basketball noch um den Ring, und wenn er partout nicht ins Netz fallen will, dann hilft LeBron James eben auf seine unnachahmliche Art und Weise nach und stopft ihn durch den Stahlring. Der 27-Jährige ist Amerikas Basketballstar und will bei den Sommerspielen in London Gold gewinnen.

LeBron Raymone James ist der beste Spieler, den der US-Basketball der Gegenwart zu bieten hat. Viele vergleichen ihn aufgrund seiner Dominanz bereits mit der Altzeitgröße Michael Jordan, doch in Wahrheit ist der Kontrast zu groß. Michael Jordan war der Vorreiter für James, er löste in den 1990er-Jahren den Boom in der National Basketball Association aus, von dem James, sein Erbe, profitiert. Jordan verhandelte Megaverträge mit Ausrüstern und Sponsoren aus, die James nunmehr ohne großes Feilschen zugesprochen werden.


Er hat seinen Preis. Jordan wurde „Air“ genannt, James nennen sie „King“. Er selbst hat sich auch etwas zur Wahrung seines Kultstatus einfallen lassen. Er taufte sich „The Chosen One“ – er ist der „Auserwählte“. Damit er es auch nicht vergisst, trägt er es als Tätowierung auf dem Rücken.

Als James 2003 direkt aus der Highschool in die beste Basketballliga der Welt aufsteigt und bei den Cleveland Cavaliers unterschreibt, ist er bereits ein Superstar. Mehrere Spiele seiner Schülermannschaft waren in Amerika live zu sehen. „Schaut her, da kommt er – der Auserwählte“, wurde der Basketballer seinen Fans und auch der Industrie sofort ans Herz gelegt.

Der Teenager aus dem Armenviertel von Akron, dessen Vater wegen Kokainbesitzes im Gefängnis saß, der von der Mutter oft bei Pflegeltern abgegeben wurde, genoss dieses Rampenlicht. Der 18-Jährige wusste zu überzeugen, das hat aber seinen Preis. Die Cavaliers, ein Klub, der stets im Mittelfeld durch die Liga tourte, überwiesen für einen Vierjahresvertrag 19 Millionen Dollar. Dem Jungstar war das zu wenig, aber als „Rookie“, als Neueinsteiger, musste er mitspielen. Außerdem hatte er schon mit Nike einen Kontrakt vereinbart. Der Teenager aus Akron, Ohio, bekam 100 Millionen Dollar, bevor er überhaupt den ersten Korb erzielt hatte.


Ab nach Miami! 29 Schuhmodelle und sieben Jahre später hatte sein Mythos jedoch an Strahlkraft eingebüßt. Cleveland verlor das Finale 2007 gegen San Antonio mit 0:4. Auch wurde es dem „Auserwählten“ in der Stadt zu eng, zu langweilig. Cleveland und der Auserwählte, das passte nicht mehr ins Marketingkonzept. Nachdem keine weiteren Stars verpflichtet wurden, um seinen Titeltraum zu erfüllen, wechselte er 2010 zu Miami. Davon erfuhren alle Amerikaner natürlich aus dem Fernsehen. Die Verkündung wurde live gesendet. Er sagte: „I am taking my talents to South Beach.“ Dort stimmte auch unwidersprochen der Preis: 110 Millionen Dollar für sechs Jahre.

LeBron James und Miami, das klappte auf Anhieb. Der „Go-to Guy“, so werden im Fachjargon die Spieler genannt, die sich in heiklen Spielphasen immer um Ball und Punkte kümmern, führte Miami Heat sofort ins Finale. Miami verlor zwar gegen Dallas und Dirk Nowitzki, aber bereits in der darauffolgenden Saison war die Krönung von „King James“ als NBA-Champion vollzogen. Oklahoma City Thunder hatte keine Chance gegen seine Würfe, Pässe und Dunkings.

Auch bei Sommerspielen steht LeBron James im US-Team stets im Mittelpunkt. 2004 erlebte er den schwachen Auftritt in Athen auf der Bank mit, Bronze sei für ihn eine „Schande“ gewesen. 2008 führte er Amerika aber zur Goldmedaille, und die soll, nein, muss es auch in London werden. Dann hat er zwei Mal Olympia gewonnen, also einmal öfter als Michael Jordan. Um seiner offen gezeigten Eitelkeit auch ein Denkmal zu setzen, verbuchte James auf dem Weg dorthin zwei Mal ein „Triple Double“ – er scorte, sammelte Rebounds und Assists im zweistelligen Bereich. Das hat 1992 selbst Jordan nicht geschafft.


Immer im Rolls-Royce. Und es gibt noch einen weiteren Punkt, in dem sich James von Jordan deutlich unterscheidet. Er sorgt auch abseits des Spielfeldes für Unterhaltung. Entweder in den eigenen Reihen mit Scherzen oder für die Fans. Auf dem Olympia-Areal mimte der zweifache Familienvater nicht nur einmal für Fotografen einen Gangster-Rapper. Er hat eine extreme Vorliebe für das Außergewöhnliche. Der dreifache MVP der NBA, also der beste Spieler der Profiliga, rollt schließlich auch zu jedem Training mit dem Rolls-Royce an. „Anders“, sagt er, „würde es sich für einen King doch nicht gehören.“

Im großen Endspiel am Sonntag (16 Uhr MESZ) kommt es zur Neuauflage des Olympia-Finales von 2008, Gegner ist Europameister Spanien (67:59 gegen Russland). Das US-Starensemble hat sich im Semifinale mit einem 109:83 gegen Argentinien ordentlich aufgewärmt.

zur Person

LeBron James
wurde am 30.Dezember 1984 in Akron, Ohio, geboren. Seine Mutter war damals 16 Jahre alt, sein Vater saß im Gefängnis und verließ die Familie kurz nach der Geburt.

Auf der Highschool
brillierte James, seine Spiele wurden live US-weit gezeigt. 2003 wechselte er in die NBA und unterschrieb bei Cleveland.

Das erste NBA-Finale
verlor er 2007 gegen San Antonio klar. 2012 kürte er sich aber mit Miami Heat zum Champion.

Bei Sommerspielen
ist James immer dabei. In London spielt er zum dritten Mal für die USA, 2004 gewann er Bronze, 2008 Gold.

Der „King“
ist mit seiner
Jugendliebe Savannah verheiratet und hat mir ihr zwei Kinder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)

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1 Kommentare
0 0

Was würden die Medien in AT aus solch einem Großmaul machen?

In AT wäre er niemals so groß geworden, mit Sicherheit.