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„Olympia in Rio wird ein Experiment“

13.08.2012 | 16:27 |   (Die Presse)

Im Jahr 2016 werden die ersten Olympischen Sommerspiele in Südamerika ausgetragen. Für die Großveranstaltung in Rio de Janeiro steht nicht einmal noch das Budget, einige Projekte sind nicht definiert.

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Wien. Rio de Janeiro hat bei der London-Schlusszeremonie und Übernahme der olympischen Fahne schon einmal einen Vorgeschmack gegeben, was die Sportwelt bei den Sommerspielen 2016 erwarten wird. Samba, Party, Lifestyle, Copacabana. Freilich will man auch moderne Sportstätten, kurze Wege, eine funktionierende Infrastruktur, begeisternde Atmosphäre und Sicherheit bieten. Bis jetzt steht aber noch nicht einmal das Budget. Hingegen ist fix: Rio hält am Namen Joao Havelange für das Olympia-Stadion fest.

Ex-Fifa-Präsident Havelange war im Korruptionsskandal des Fußball-Weltverbands als Empfänger von Bonuszahlungen enttarnt worden. Kein Grund, ihn deshalb als Namensgeber für das Stadion abzuwählen, stellte sich Rio-Cheforganisator Leonardo Gryner auf einer Pressekonferenz in London hinter Havelange. „Ich glaube nicht, dass der Name eines Stadions das Image von Olympia beschädigt.“ Die Sommerspiele sind die ersten in Südamerika, sie finden von 5. bis 21. August 2016 statt.

2014 Fußball-WM, 2016 Olympia – damit geht der Fortschritt Hand in Hand in der Sechs-Millionen-Stadt an der Guanabara-Bucht im Südosten des Landes. Wird er auch müssen, denn Sportstätten müssen erst errichtet, die Infrastruktur (Straßen, Hotels) ausgebaut und Sicherheit garantiert werden. Zwischen neun und elf Milliarden Euro öffentlicher und privater Investitionen werden benötigt, Bürgermeister Eduardo Paes konnte keine Angaben zum Budget machen. „Ein paar Projekte sind noch nicht definiert“, meinte er. So schnell wie möglich Zahlen auf dem Tisch sehen will IOC-Präsident Jacques Rogge.

„Es ist sehr kompliziert“

Mit dem Bau des olympischen Parks wurde im Juli begonnen, er liegt im Westen der Stadt. Rio teilt die Bewerbe der 28 Sportarten auf vier Zonen auf, Barra, Copacabana, Deodoro und Maracana. So viele leere Ränge wie in London soll es in Rio nicht geben, versprachen die Organisatoren. „Wir haben ein Programm entwickelt, wir wollen die Stadien rechtzeitig voll kriegen“, erklärte Gryner. Viele reservierte Plätze für Sponsoren oder Mitglieder der olympischen Familie blieben in London ungenützt. „Die Ticketpolitik müssen wir für Rio ändern. Es ist aber sehr kompliziert und man muss die Balance finden“, sagte Rogge.

Die Organisatoren der Rio-Spiele haben in London von OK-Chef Sebastien Coe einen guten Einblick bekommen. „Das Level der Vorbereitung war eindrucksvoll und inspirierend. Wir wollen das noch einmal verbessern“, meinte Gryner, der als größte Sorge für 2016 das Wohlbefinden der Sportler und Zuschauer nannte: „Wir tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass es ihnen gefallen wird.“ Und Bürgermeister Paes sagte: „Rio ist nicht so reich wie London, und es wird schwer, dem Beispiel der britischen Hauptstadt zu folgen, aber jetzt sind wir gut vorbereitet. Wir werden 2016 in Rio de Janeiro Großartiges abliefern.“

Das verspricht das organisatorische und das sportliche Vorhaben. In London holte Brasilien mit drei Gold-, fünf Silber- und neun Bronze- insgesamt 17 Medaillen und klassierte sich als 22. Nation im Ranking. 18 Athletinnen und Athleten sind zuvor wegen Dopingvergehen von der Teilnahme an den Sommerspielen ausgeschlossen worden. Zwar wurden eine nationale Anti-Doping-Agentur und ein akkreditiertes Labor in Rio installiert. „Das Programm steckt aber noch in den Kinderschuhen“, sagte dazu David Howman, der Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur.

„Rio ist ein Experiment“, weiß auch der IOC-Marketingvorsitzende Gerhard Heiberg. „Noch nie gab es ein so großes Ereignis in Südamerika. Die Brasilianer haben hinsichtlich Infrastruktur noch viel zu tun. Hoffentlich geht es gut, aber wir denken schon.“ Wenn alles erfolgreich ablaufe, könne es auch die Öffnung nach Afrika geben. „Warum nicht 2024?“

Vor Rio ist Sotschi im Blickpunkt

Vor Rio ist aber Winter-Olympia an der Reihe. Sotschi 2014 lockt mit Eissport an der Schwarzmeerküste und Schnee-Events im mit dem Zug in einer halben Stunde zu erreichenden Mountain-Ressort Krasnaja Poljana. Sofern die Schienen bis dahin lückenlos verlegt sind, denn auch in Russland sind vor allem im Infrastrukturbereich noch große Bauvorhaben zu bewältigen.

Auch der Druck auf die Athleten wird nochmals größer, die Spiele 2012 verliefen mit 82 Mal Edelmetall (24/25/33) zwar besser als vor vier Jahren, dennoch rutschte man in der Wertung hinter USA, China und Großbritannien auf Platz vier zurück. Auch in Russland wird der Ruf nach Änderungen im Sportsystem laut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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3 Kommentare
6 1

Es wird längst Zeit, Olympia als das zu sehen, was es ist:

ein riesiger, außer Rand und Band geratener Geldgenerator, der im Prinzip aus einer zweiwöchigen Dauermarketingveranstaltung mit ein paar dressierten Pausenclowns als Zugabe besteht.

Unser Olympiateam braucht sich nur in einer Gesamtschule

vorbereiten - Training mit Unsportlichen gemeinsam - dann wird es die Medaillen nur so regnen.

Na Super!

Ein Verbrecher wird Namensgeber - ein "gelungener" Auftakt.