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Eine Partynacht und ihre Konsequenzen

OLYMPIA - Olympische Spiele 2014, AUT vs NOR
Bild: GEPA pictures 

Der nächtliche Ausflug einiger Eishockey-Teamspieler vor dem historisch wichtigen Spiel gegen Slowenien hat Teamchef Manny Viveros tief getroffen.

 (DiePresse.com)

Mit Tränen in den Augen entschuldigte sich Viveiros Mittwochnachmittag bei den österreichischen Fans für die Entgleisung. "Zuerst muss ich sagen, dass ich mich bei unseren österreichischen Eishockey-Fans entschuldige. Ich bin sehr enttäuscht, was in den letzten zwei Tagen passiert ist. Ich war wirklich überrascht. Es war ein Schock, was nach dem Spiel gegen Norwegen passiert ist", sagte Viveiros.

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Zwei Tage vor dem Play-off-Duell mit Slowenien, das über den Aufstieg ins Viertelfinale entschied, hatten einige Spieler lange und intensiv im 'Österreich-Haus" in Krasnaja Poljana gefeiert. Er habe keine Antwort, warum das passiert sei, noch dazu "vor unserem wahrscheinlich wichtigsten Spiel in der modernen Geschichte des österreichischen Eishockey. Es tut mir sehr leid für unsere Fans in Österreich", erklärte der Austro-Kanadier, der auch Konsequenzen ankündigte. "Wir haben eine Chance gehabt, das Viertelfinale zu erreichen", erklärte Viveiros und war den Tränen nahe. Nach Konsequenzen befragt, meinte der Teamchef: "Ja, klar, es gibt sicher Konsequenzen, wir werden das in den nächsten paar Tagen in Ruhe diskutieren."

Stoss: "Wir sind keine Kindermädchen"

Viveiros habe nichts von dem Trip seiner Mannschaft, der nach dem Besuch im Österreich-Haus noch in einen Club im Herzen Krasnaja Poljanas geführt hat, gewusst. "Ich habe keine Ahnung gehabt. Ich war geschockt. Wir wissen, die Spieler waren hier, um etwas zu essen. Aber es war geplant, dass sie direkt danach nach Hause fahren." Vorwürfe, dass niemand aus dem Betreuerstab die Mannschaft für den Ausflug u.a. ins Österreich-Haus begleitet habe, wollte Viveiros nicht gelten lassen.

Offener Brief: NHL-Stars entschuldigen sich

"Alle sind erwachsene Menschen. Das sind Profi-Spieler, die verdienen damit Geld, es ist ihr Leben. Deswegen bin ich unter Schock. Es ist das erste Mal seit drei Jahren, seit ich mit dieser Mannschaft arbeite, dass so etwas passiert. Und das einen Tag vor einem Spiel um das Viertelfinale bei Olympia. Das letzte Mal waren wir vor zwölf Jahren bei Olympia. Deshalb habe ich nicht eine Sekunde daran gedacht, das so etwas passiert."Auch ÖOC-Präsident Karl Stoss sah sich nicht in der Pflicht. "Wir sind nicht Kindermädchen von erwachsenen Menschen."

Viveiros: "Werden Namen nennen"

Viveiros glaubt, dass diese Feier die Niederlage seines Teams hervorgerufen hat. "Das war unser viertes Spiel in fast sieben Tagen gegen drei Mannschaften, die top auf der ganzen Welt sind. Das kostet viel Kraft. Die Tage vor Slowenien haben wir ein ganz leichtes Training gemacht, Regeneration ist so wichtig." Dies sei nichts gegen Slowenien, das sehr gut gespielt habe, "aber leider waren wir nicht in bester Form." Noch ist nicht geklärt, wie viele Spieler an der Aktion beteiligt waren, das soll in den nächsten Tagen intern geklärt werden. "Wir werden die Namen in eine paar Tagen nennen", versprach Viveiros.

Zumindest wissen auch die Spieler, welche Chance sie damit möglicherweise vergeben haben. Von der schriftlichen Entschuldigung im Namen der drei österreichischen NHL-Profis Thomas Vanek, Michael Grabner und Michael Raffl wusste Viveiros. "Die Spieler sind selbst so enttäuscht, sie wissen was es heißt. Wir haben Spieler zu Hause gelassen, die alles gegeben haben und es war ein Traum für sie hier zu sein. Schwierig."

Vanek als Vorbild?

Bei dem offiziellen Abendessen waren auch Funktionäre dabei, die nicht dafür gesorgt haben, dass das Team gemeinsam nach Hause fährt. Verbandspräsident Dieter Kalt sprach davon, dass Viveiros seiner Mannschaft, die in den Bergen Biathlon zuschauen wollte, vertraute und das Team den Bus um 23.00 Uhr nach Hause nehmen müsse. "Er hat auch den Vanek als Kapitän gewählt, damit er einen erfahrenen Spieler hat und das ist halt, wie man sieht, ein bisserl daneben gegangen", sagte der ÖEHV-Chef.

"Das war nie ein Thema in dieser Mannschaft. Wir müssen unsere Mannschaft vor so einem wichtigen Spiele nicht babysitten. Ich habe nicht eine Sekunde Angst gehabt, dass die Spieler unterwegs sein könnten", ergänzte Viveiros. Ob die Sache auch an die Öffentlichkeit geraten wäre, wenn die Mannschaft ihre Feier nicht im Österreich-Haus begonnen hätte? "Ich kann versichern: Ab dem Zeitpunkt, wo wir es gewusst haben, hätte das hundertprozentig interne Konsequenzen gegeben, aber wir pflegen in einem Mannschaftssport solche Dinge zuerst intern zu beraten", meinte Kalt.

"Wir wollen keine Schüsse aus der Hüfte machen, sondern das ganze emotionslos betrachten. Es war für mich persönlich genauso ein Tiefschlag, das mitzuerleben, eine Jahrhundertchance zu vergeben oder in Frage zu stellen." Viveiros habe immer an die Spitze gestellt, so Kalt, dass es eine Ehre ist, für das österreichische Nationalteam zu spielen. Über das Ausmaß der Konsequenzen wollte Kalt vorerst noch nichts sagen. "Wir haben vor der Anreise ganz klar gesagt, wenn etwas draußen passiert, schicken wir ihn sofort nach Hause. Alle wissen das. Es gibt auch unsere Hausregel, es gibt keinen Alkohol."

Viveiros hätte die Spieler sofort nach Hause geschickt, hätte er vor dem Spiel etwas gewusst. Einen Vorwurf an die Betreiber des Österreich-Hauses wollte Kalt nicht machen. "Nein. Ich bin nicht bereit, jetzt Fehlerquellen bei anderen zu suchen. Der Fehler lag bei unserer Mannschaft. Ende. Wenn sich einige entschuldigt haben, werde ich das akzeptieren, aber sie müssen selbst ihren Kollegen in die Augen schauen", sagte Kalt. Eine Erklärung für den Ausrutscher hat die Teamführung bisher nicht erhalten. Im Training vor dem Slowenien-Match sei nichts zu bemerken gewesen, weil es eine sehr lockere Einheit war, bestätigte Viveiros. Die komplette Mannschaft wird am Donnerstag inklusive NHL-Spieler abreisen.

(APA)

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11 Kommentare

Ich versteh es nicht...

Allzeit wird vor dem Fernseher gejammert (nach dem dritten heimischen Krügerl oder mehreren Spritzern besonders gern in einer Runde mit anderen Couchpotatoes und Rollatoranwärtern), dass die Spiele sich nur um Kohle drehen würden, kein Spass dabei und überhaupt sei der ganze Sinn verlorengegangen. Jetzt haben ein paar Buben mal gefeiert und sind nicht Olympiasieger geworden, schon muss die österreichische Gruppenseele auf sie eindreschen wie sonstwas. In einem Land dessen mehrheitliche private Sportleistung sich im nach Hause tragen von dick gefüllten Hofersackerln erschöpft, könnte man doch mal Toleranz, Verständnis und solche Eigenheiten zeigen. Aber nein, wenn man schon selbst die Haxen nur vom ausgestreckten auf dem Teppich liegen kennt, dann sollen einem wenigsten andere Medaillen gewinnen. Wie armselig.

und Viveiros meint, sie haben trainiert wie immer und es ist ihm nichts aufgefallen

dann gibt's folgende Möglichkeiten:
- die Sache wird unnötig übertrieben und aufgebauscht kolportiert oder
- das Training ist für die Würscht, wenn ein noch (halb ?)fetter nicht auffällt oder
- Viveiros ist als Trainer/Betreuer ungeeignet/unnötig ....

jedenfalls hat's da was kräftig !

Warum, liebe MitösterreicherInen , sollen die nicht feiern und Party machen? Haben ja sonst nichts, rein gar nichts geleistet.

So haben sie wenogstens ein bisserl Geld untr die Leute gebracht und der eine oder andere wird einen Rekordrausch gehabt haben.
Der Grund, warum diese unfäige Mannschaft nach Sotschi mitgenommen wurde, war, dass noch viel freier Platz im Flieger war.

Re: Warum, liebe MitösterreicherInen , sollen die nicht feiern und Party machen? Haben ja sonst nichts, rein gar nichts geleistet.

7 Rechtschreibfehler, mangelnder Themen Zusammenhang, unrichtige Satzstellung - Nicht genügend!!

Re: Re: Warum, liebe MitösterreicherInen , sollen die nicht feiern und Party machen? Haben ja sonst nichts, rein gar nichts geleistet.

Mit Ihrer Erbsenzählereinstellung werden Sie nie Gold machen und nie, ich sage NIEEEE, so erfolgreich werden wie ihc in meiner Milizkarriere!
Nehmen Sie das bitte einmal als Anlass zum Nachdenken, werter ungestümer Mitposter!

Re: Re: Warum, liebe MitösterreicherInen , sollen die nicht feiern und Party machen? Haben ja sonst nichts, rein gar nichts geleistet.

was bitte haben Ihre rechtschreibbelehrungen mit dem thema zu tun ?

Verschiedenes lief so was von schief

Zu allererst müssen die Spieler, die Profis durch und durch zu glauben scheinen, erkennen was zu tun ist und was nicht. Man kann aber weder die Teamführung des 'Eishockeyteams noch das ÖOC aus der Verantwortung entlassen, vom Beginn der Spiele bis zum Verlöschen des olympischen Feuers für alle Belange-so auch disziplinäre - zuständig zu sein.
Da muss ich BIMI rechtgeben, dass das Österreich-Haus wohl zum Feiern gemacht ist, aber es lässt sich trefflich und sportlich mit Orangen - und Apfelsaft auf Siege anstoßen.
Mag sein, dass dieser nächtliche Ausrutscher auch aus jener Frustration resultiert, dass im österreichischen Eishockey nichts weiter geht. Lest mein Posting nach dem Slovenienmatch. Wir fudeln herum zwischen der Elite und 1. Division, wogegen sich andere in der Elitedivision manifestierten.
Oft kann man sagen, dass die Spieler schuld sind, in diesem Fall ist es ein von sich eingenommenes Präsidium mit Dieter Kalt an der Spitze, der zwar nach jedem Mißerfolg - es gibt leider mehr derselben als Erfolge - herumlamentiert, alles ändern zu wolloen, letzendlich aber nichts macht, weil ihm sein Sesserl so lieb wurde.
Mit jenen Maßnahmen, die ich vorschlug (vgl.Postings) würde man jenem Ziel näherkommen, dauerhaft Elite zu sein.
Ob's der Präsident will ist eine andere Frage.

Einfach nur enttäuschend - man möchte gar nicht

darüber nachdenken, was möglicherweise bereits davor geschehen ist. Am Allerwenigsten hilft die Ausrede, der nächtliche Alkoholexzess samt unbekannten Details, hätte auf die Leistung der gesamten Mannschaft keinen Einfluss gehabt.
Nun wird es Konsequenzen geben, und eine Abschiedsparty der anderen Art.

Mitdenken heißt mitlenken

Ein ÖOC-Präsident sollte sich um alles kümmern und nicht nur ums Schnapseln mit Präsident Putin. Da ist Erste Hilfe gefragt, wenn Spieler nicht wissen, dass das Gelage-Haus-Österreich doch für angebliche Wirtschaftsinteressen da ist. Mitdenken heißt mitlenken und da hat ein Kapitän wie Herr Stoß doch die Verantwortung für alle. Nicht nur im Medaillenrausch. Auch zwischen den Wettbewerben.
Vielleicht könnte man sich auch von Alkohol in den Österreich-Häusern verabschieden. Ist nicht unbedingt ein guter Begleiter für Sportler und Sport.

Re: Mitdenken heißt mitlenken

Das sind Profis mit einem Einkommen von dem die meisten nur träumen können. Das machen sie bei ihren Clubs auch nicht. Das Team ist ihnen einfach egal. Konsequenz: für immer ausschliessen

Re: Mitdenken heißt mitlenken

aber geh .... faaaad. wenns was zu feiern gibt - why not?!?!?

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